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Qualzucht bei Hunden: Diese Rassen müssen oft leiden

von Michelle Holtmeyer
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Im Hundebereich gibt es oftmals viele Schönheitsideale, die bestimmte Rassen erfüllen sollen. In diesem Zusammenhang wird von Qualzucht bei Hunden gesprochen. Welche Hunderassen genau dazu gehören, erfährst Du in diesem Artikel. 

Unter Qualzucht bei Hunden versteht man Züchtungen von bestimmten Rassen, die ihr Leben lang unter zuchtbedingten Merkmalen leiden. Aufgrund ihrer Zucht müssen sie oftmals Schmerzen und andere gesundheitliche Einschränkungen ertragen. Die Folge davon ist nicht nur das Leiden der Hunde, sondern häufig auch eine enorme Überlastung der Tierheime, da gerade solche Vierbeiner massiv vermehrt werden.

Achtung: Hunde der hier aufgeführten Rassen sind nicht alle Qualzuchten. Qualzuchtmerkmale kommen allerdings vermehrt bei eben diesen Hunderassen vor. Ein guter Züchter achtet darauf, dass die Merkmale bei ihren Hunden nicht vorkommen, damit diese nicht leiden müssen und ein schönes Leben führen können.

Die häufigsten Qualzuchtmerkmale 

Blue-dog-Syndrom/Merle-Rassen

Dabei handelt es sich um einen blaugraue Farbaufhellung. Dieses bezeichnet man auch als Merle-Hund. Der Vierbeiner weist am Fall an den normalerweise braun oder schwarz gefärbten Stelle eine deutliche Maserung auf. Man unterscheidet zwischen Blue Merle und Red Merle. Darüber hinaus haben viele Merle-Hunde ein oder zwei blaue Augen. Folge davon sind oftmals partieller Haarausfall und Hautentzündungen. 

Das Blue-dog-Syndrom kommt oft bei diesen Hunderassen vor:

Brachy- und Anurien/Verkrüppelung der Wirbelsäule

Qualzucht bei Hunden: Schwarzer Dackel

Einige Dackel gehören zu Qualzuchten.

Bei diesem Merkmal haben die Hunde deutliche Verkürzungen der Schwanzwirbelsäule, in schlimmsten Fällen sogar Stummelschwänzigkeit. In vielen Fällen liegt darüber hinaus eine Verkrüppelung des Schwanzes (Korkenzieherschwanz, Knickschwanz) vor.

Brachy- und Anurien oder eine Verkrüppelung der Wirbelsäule kommt oft bei diesen Hunderassen vor:

Chondrodysplasie

Unter Chondrodysplsie versteht man einen Zwergwuchs mit Verkürzung der langen Röhrenknochen oder Gesichtsknochen – mit anderen Worten: ein (vorprogrammierter) Bandscheibenvorfall. Grund dafür ist eine Störung der Knochenbildung mit verfrühtem Wachstumsstillstand. Diese Hunde leiden als Folge häufig unter Bandscheibenvorfällen, was wiederum zu Lähmungen oder starker Schmerzempfindlichkeit führt. Hinzu kommen Probleme mit der Darmfunktion.

Die Chondrodysplasie kommt oft bei diesen Hunderassen vor:

Dermoid/Dermoidzysten

Bei diesem Merkmal handelt es sich um Hauteinstülpungen am Rücken, die nach außen geöffnet oder geschlossen sind. Im schlimmsten Fall können sie bis in den Wirbelkanal hineinreichen können. Die Folge davon sind Lähmungen der Hinterhand oder Überempfindlichkeiten und Entzündungen im Zentralen Nervensystem.

Dermoid/Dermoidzystem kommen vor allem bei dieser Hunderasse vor:

Haarlosigkeit – Nackthunde

Qualzucht bei Hunden: Chinesischer Schopfhund

Chinesische Schopfhunde können unter vielen Krankheiten leiden.

Nackthunde sieht man immer wieder. Konkret handelt es sich dabei um haarlose Defektmutante. Die Vierbeiner weisen in der Regel eine Immundefizienz auf und leiden unter einer empfindlichen Haut, was sich durch Sonnenbrand, Verletzungen, Fliegenprobleme im Sommer oder Allergien äußert.

Haarlosigkeit kommt vor allem bei diesen Hunderassen vor:

Was ist Überzüchtung bei Hunden?

Man spricht von Überzüchtung, wenn eine durch die Zucht hervorgegangene negative Veränderung in der Hunderasse festgestellt wird.

Brachyzephalie/Brachygnathie

Qualzucht bei Hunden: Französische Bulldogge

Viele Französische Bulldoggen leiden unter Atemproblemen.

Unter einer Brachyzephalie bzw. Brachygnathie versteht man die breite, runde Ausformung des Schädels bis hin zu einem Rundkopf, kurz: Plattnasen bzw. Rassen mit kurzen Köpfen. Darüber hinaus äußert diese sich durch eine Verkürzung der Kiefer- und Nasenknochen. Die Folge dieses Merkmals sind unter anderem Schwergeburten, Gehirntumore, Atembeschwerden, Störung bei der Thermoregulation oder Schluckbeschwerden.

Die Brachyzephalie kommt vor allem bei diesen Hunderassen vor:

  • Französische Bulldogge
  • Boxer
  • Englische Bulldogge
  • Chihuahua
  • Mops
  • Pekinese
  • Prince Charles Spaniel
  • Shi Tzu
  • Toy-Spaniel
  • Mastiff
  • Amerikanische Bulldogge

Sind Chihuahuas Qualzuchten?

Chihuahuas können Qualzuchten sein. Sie können beispielsweise unter Brachyzephalie oder dem Blue-Dog-Syndrom leiden.

Idiopathische Muzinose

Sicherlich hast auch Du schon einmal “Faltenhunde” gesehen. Die Fellnasen, die unter diesem Merkmal leiden, tragen oft doppelt so viel Haut mit sich als eigentlich nötig. Als Folge ist die Konsistenz der Haut oft sehr teigig und Rötungen und Juckreize können auftreten. Außerdem kann es zu Augenproblemen kommen, da die Hautfalten meist über den Augen der Hunde hängen. Im schlimmsten Fall droht dann eine Erblindung.

Die idiopathische Muzinose kommt vor allem bei dieser Hunderasse vor:

Qualzucht bei Hunden: Deutscher Schäferhund

Eine Hüftgelenksdysplasie tritt oftmals bei Deutschen Schäferhunden auf.

Hüftgelenksdysplasie

Bei der sogenannten HD haben die Hunde Probleme mit ihrer Hüfte und folglich mit Lahmheiten zu kämpfen. 

Die Hüftdysplasie kommt vor allem bei diesen Hunderassen vor:

Mehr zu dieser Krankheit erfährst Du in unserem Artikel Hüftgelenksdysplasie bei Hunden – Alle Infos im Überblick.

Teacup-Hunde

Bei Teacup-Hunde handelt es sich um einen relativ jungen Trend. Dabei werden die Vierbeiner extrem klein gezüchtet, dass sie sozusagen in einen Teepott passen. Um einen Teacup-Hund zu züchten, verpaart man oftmals die kleinsten und schwächsten Hunde eines Wurfes. Als Folgen leiden die extrem kleinen Hunde oft unter vielen Krankheiten wie Herzdefekten oder Knochenbrüchen. Darüber hinaus werden die Mini-Fellnasen häufig nur herumgetragen, sodass ihnen der Kontakt zu Artgenossen fehlt. 

Rasseliste: Bei diesen Hunderassen spricht man von Qualzuchten

Ist vom Thema Qualzucht bei Hunden die Rede, gibt es eine Reihe von Hunderassen, die man damit verbindet. 

Bei diesen Hunderassen findet man häufig Qualzuchten: 

  • Australian Shepherd – aufgrund des Merle-Gens
  • Französische Bulldogge – aufgrund der Kurzköpfigkeit
  • Mops – aufgrund der Kurzköpfigkeit
  • Chihuahua – aufgrund der dünnen Schädeldecke
  • Dackel – aufgrund der Chondrodysplasie
  • Deutscher Schäferhund – aufgrund der Hüftgelenksdysplasie
  • Rhodesian Ridgeback – aufgrund der Dermoidzysten
  • Shar Pei – aufgrund der vielen Hautfalten
  • Nackthunde – aufgrund des fehlendes Fells

Welche Hunderassen gehören zu den Qualzuchten?

Oftmals sind Hunde der Rassen Australian Shepherd, Französische Bulldogge, Mops, Chihuahua, Dackel, Shar Pei oder Deutscher Schäferhund Qualzuchten.

Das sagt das Tierschutzgesetz bei Qualzucht bei Hunden

Im deutsches Tierschutzgesetz wird das Thema in Paragraph 11b behandelt. Konkret heißt es dort:

Tierschutzgesetz Paragraph (§) 11b

„(1) Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch biotechnische Maßnahmen zu verändern, soweit im Falle der Züchtung züchterische Erkenntnisse oder im Falle der Veränderung Erkenntnisse, die Veränderungen durch biotechnische Maßnahmen betreffen, erwarten lassen, dass als Folge der Zucht oder Veränderung1. bei der Nachzucht, den biotechnisch veränderten Tieren selbst oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten oder2. bei den Nachkommen 

  1. a) mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten, 
  2. b) jeder artgemäße Kontakt mit Artgenossen bei ihnen selbst oder einem Artgenossen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führt oder 
  3. c) die Haltung nur unter Schmerzen oder vermeidbaren Leiden möglich ist oder zu Schäden führt.

(2) Die zuständige Behörde kann das Unfruchtbarmachen von Wirbeltieren anordnen, soweit züchterische Erkenntnisse oder Erkenntnisse, die Veränderungen durch biotechnische Maßnahmen betreffen, erwarten lassen, dass deren Nachkommen Störungen oder Veränderungen im Sinne des Absatzes 1 zeigen werden. 

(3) Die Absätze 1 und 2 gelten nicht für durch Züchtung oder biotechnische Maßnahmen veränderte Wirbeltiere, die für wissenschaftliche Zwecke notwendig sind. 

(4) Das Bundesministerium wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates 

  1. die erblich bedingten Veränderungen und Verhaltensstörungen nach Absatz 1 näher zu bestimmen, 
  2. das Züchten mit Wirbeltieren bestimmter Arten, Rassen und Linien zu verbieten oder zu beschränken, wenn dieses Züchten zu Verstößen gegen Absatz 1 führen kann.“

Demnach verbietet es der Paragraph 11b Zuchtziele so durchzusetzen, bei denen Schmerzen, Leider oder Schäden bei den Tieren entstehen können. Das Problem dabei ist, dass genau diese nicht einfach und objektiv zu bestimmen und nachzuweisen sind.

So gibt es aktuell keine verbindlichen Gesetze, um solche Zuchtmethoden zu unterbieten. Wird ein Züchter eventueller Qualzuchten angezeigt, endet dies oftmals ins einem sehr langen Verfahren, das mit vielen Komplikationen verbunden sein kann.

Warum sind Qualzüchtungen verboten?

Qualzuchten sind verboten, da diese Hundezüchtungen oftmals unter großen Schmerzen leiden und starke gesundheitlich Einschränkungen haben.

Qualzucht bei Hunden: So geht edogs dagegen vor

Qualzucht bei Hunden ist auch für edogs auch sehr wichtiges Thema, denn die Gesundheit der Vierbeiner hat für uns oberste Priorität. 

Aus diesem Grund, wollen wir die Vermittlung von “Qualzucht-Hunden” möglichst unterbinden und prüfen alle Hunde, die eventuelle Qualzuchten sein könnten, sehr genau. Erst nach einer Freigabe des Inserates seitens edogs sind die Inserate der Rassen zu finden. Mittels dieser Vorgehensweise wollen wir nicht nur die höchste Sicherheit in unserem Hundemarkt gewährleisten, sondern gleichzeitig auch den Tierschutz unterstützen. So bieten wir Tierheimen die Möglichkeit, Anzeigen kostenlos auf der Seite einzustellen, damit die Tierheim-Hunde schnell ein neues Zuhause finden.

Noch mehr zum Thema Sicherheit und Seriosität im Hundemarkt findest Du in unserem Artikel über die edogs-Mission.

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Sind Mischlinge gesünder als reinrassige Hunde?

Das kann man pauschal nicht sagen. Es gibt sowohl unter den Mischlingen als auch unter den reinrassigen Hunden Qualzuchten.

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