Gebrauchshundesport

von Michael Hein
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Innerhalb des großen Angebots an Hundesportarten gilt der Gebrauchshundesport (oder auch IPO) als eine der ältesten überhaupt. Entwickelt hat sich diese Sportart aus der Diensthundeausbildung zum Schutzdienst, wie sie bei Polizei, Zoll und Bundeswehr durchgeführt wird.

Was versteht man unter Gebrauchshundesport?

Die heute unter dem Begriff „Gebrauchshundesport“ bekannte Sportart wurde früher als Vielseitigkeitssport bezeichnet. Seit der kynologische Dachverband FCI im Jahr 2012 (zuletzt geändert 2020) mit der Internationalen Prüfungsordnung (IPO) ein einheitliches Prüfungsreglement bestimmt hat, sind vorherige nationale Regelungen überholt. Die Sportart gliedert sich in drei unterschiedliche Disziplinen, welche wiederum in drei Schwierigkeitsgrade unter den Bezeichnungen FCI-IGP 1-3 eingeteilt werden.

Was ist Gebrauchshundesport?

Der Gebrauchshundesport hat sich aus der Diensthundeausbildung entwickelt und besteht aus den drei Disziplinen Fährtenarbeit, Unterordnung und Schutzdienst.

Welche Disziplinen gehören zum Gebrauchshundesport?

Die Ausbildung und Prüfung wird in folgende Disziplinen unterteilt:

  1. Fährtenarbeit (Abteilung A): Der Hund muss je nach Schwierigkeitsgrad in einer vorgegebenen Zeit eine unterschiedlich lange, mehrfach gewinkelte Fährte ausarbeiten, welche zuvor vom Hundeführer (IGP 1) bzw. einer Fremdperson (IGP 2+3) gelegt wurde; zusätzlich müssen entlang dieser Fährte auch mehrere versteckte Gegenstände angezeigt werden.
  2. Unterordnung (Abteilung B): Der Hund muss im Zusammenspiel mit dem Hundeführer seinen Gehorsam unter Beweis stellen und in verschiedenen Übungen unterschiedliche Kommandos rasch, exakt und freudig ausführen; neben den Grundkommandos wie Sitz, Platz und Bleib werden auch Leinenführigkeit, Apportierverhalten unter Ablenkung und über Hindernisse oder das Ablegen aus verschiedenen Distanzen trainiert und geprüft.
  3. Schutzdienst (Abteilung C): Der Hund sucht und stellt/verbellt einen vermeintlichen Angreifer, muss dessen Fluchtversuch verhindern und einen gespielten Angriff abwehren; zum Abschluss der Übung muss sich der Hund vom Hundeführer jederzeit exakt aus der Übung abrufen lassen.

Eine Sonderform ist die Ausbildung und Prüfung zum reinen Fährtenhund (FCI-IFH) – dabei entfallen die Disziplinen B und C, allerdings ist der Schwierigkeitsgrad der reinen Fährtenarbeit im Vergleich zur IGP 1 deutlich höher und steigert sich innerhalb der drei Prüfkategorien IFH1-2 bzw. IGP-FH noch weiter.

Welche Hunde eignen sich für den Gebrauchshundesport?

Vor allem bewegungsaktive, wesensfeste Hunde, die ihrem Hundeführer freudig gehorchen und einen guten Schutztrieb zeigen, sind für den Gebrauchshundesport geeignet.

Welche Grundkommandos muss der Hund beherrschen?

Voraussetzung zur Teilnahme an einer IGP-Prüfung ist immer die zuvor erfolgreich absolvierte Begleithundeausbildung mit abschließender Prüfung (FCI-BH/VT). Dabei werden die exakte Ausführung der Grundkommandos wie das Herankommen, Sitzen und Ablegen, auch unter Ablenkung, genauso vom Leistungsrichter geprüft wie Leinenführigkeit oder das Freifolgen. Zusätzlich wird das Verhalten des Hundes im öffentlichen Verkehrsraum, bei der Begegnung mit Personengruppen, Radfahrern, Autos, Joggern, Hunden oder anderen Tieren überprüft, und auch der kurzfristig im öffentlichen Verkehr angebundene und vom Hundeführer allein gelassene Hund muss sich ruhig und wesensfest verhalten.

Gebrauchshundesport Schutzdienst

Besonders anspruchsvoll für Hund und Hundeführer sind die Übungen im Bereich Schutzdienst.

Bei der Gebrauchshundeprüfung (IGP) werden darüber hinaus Übungen wie Steh aus der Bewegung heraus, Freisprung über eine Hürde, Klettersprung über eine Schrägwand oder das Voraussenden des Hundes mit Hinlegen auf Kommando bewertet. Auch das Apportieren von Gegenständen sowohl in der Ebene als auch über Hürden gehört zu den Prüfkriterien. Je schneller, aufmerksamer und exakter ein Hund die jeweiligen Kommandos ausführt, desto höher fällt die Bewertung des Leistungsrichters aus.

Besonders anspruchsvoll für Hund und Hundeführer sind die Übungen im Bereich Schutzdienst. Hier muss der Hund auf Kommando den versteckten Helfer, welcher den Angreifer spielt, suchen und stellen, darf ihn aber nicht angreifen. Der Hundeführer gibt dabei seine Kommandos aus der Distanz. Unternimmt der Helfer (auf Anweisung des Leistungsrichters) einen Fluchtversuch oder greift den Hund direkt an, so muss der Hund selbstständig richtig und angemessen reagieren.

Wo kann ich Gebrauchshundesport ausüben?

Viele Hundeschulen und Hundesportvereine bieten Kurse zur Gebrauchshund-Ausbildung für Hund und Halter an.

Was bewirkt der Gebrauchshundesport beim Hund?

Nachdem Hunde in unserer heutigen technisierten Welt viele ihrer ursprünglichen Aufgaben verloren haben, bietet der Hundesport eine gute Alternative, um den Vierbeiner sowohl körperlich als auch geistig zu fordern und auszulasten. Zudem fördert die gemeinsame sportliche Betätigung von Hund und Halter auch die enge Bindung, das Vertrauen und die gute Erziehung des Hundes zu einem ausgeglichenen Begleiter.

Vor allem im Gebrauchshundesport finden aktive, bewegungsfreudige Hunde Möglichkeiten, sich auszupowern. Dabei werden sowohl das Lernvermögen gefördert, das Sozialverhalten gestärkt, der Grundgehorsam geschult und perfektioniert als auch das Selbstbewusstsein des Hundes und seine Nervenstärke auch in belastenden Situationen gefestigt.

Gebrauchshundesport Grundkommandos

Das Beherrschen von Grundkommandos ist ein wesentlicher Bestandteil des Gebrauchshundesports.

Ab welchem Lebensalter kann der Hund starten?

Das Zulassungsalter zur Absolvierung der Begleithundeprüfung liegt laut FCI-Prüfungsordnung bei mindestens 12 Monaten, für die Gebrauchshundeprüfung im Schwierigkeitsgrad 1 bei 18 Monaten, im Grad 3 sogar bei 20 Monaten. Die Grundausbildung und langsame Heranführung des Hundes an die gesteigerten Aufgabenstellungen und Schwierigkeitsgrade startet entsprechend früher, sollte aber individuell je nach körperlichen und mentalen Möglichkeiten des Hundes mit dem Ausbilder abgestimmt werden.

Welche Hunderassen sind besonders geeignet?

Für diesen anspruchsvollen Sport eignen sich vor allem Hunderassen, die ein hohes Bewegungsbedürfnis, eine gute Unterordnung und einen ausgeprägten Schutztrieb besitzen. Die FCI führt unter der Bezeichnung „Gebrauchshund“ zum Beispiel folgende Rassen auf:

Ab wann kann man mit dem Gebrauchshundesport anfangen?

Die Ausbildung beginnt nach der Grundausbildung zum Begleithund. Eine Prüfungszulassung erhalten Hunde frühestens mit 18 Monaten.

Ausrüstung und Gelände für den perfekten Start in den Gebrauchshundesport

Da im Gebrauchshundesport viel in der Fläche gearbeitet wird (zum Beispiel bei der Fährtensuche oder auch im Schutzdienst), sollte das Gelände groß und strukturiert genug sein, um diesen vielfältigen Anforderungen zu entsprechen. In der IPO werden für die Prüfungen als geeignete Untergründe natürliche Böden wie Wiese, Acker oder Waldboden empfohlen.

Die notwendige Ausrüstung beinhaltet zum einen die Ausstattung des Hundes mit entsprechenden Leinen, Halsbändern und Brustgeschirren. Zum anderen werden für die Fährtenarbeit unterschiedliche Gegenstände aus verschiedenen Materialien (Leder, Textil, Holz) benötigt, die vom Hund gefunden werden müssen, außerdem Hürden und Schrägwände (Kletterwand) gemäß den Vorgaben der IPO und für den Schutzdienst mehrere Verstecke für den „Angreifer“, Sicherheitsausrüstung wie Schutzarm und Softstock.

Fazit: Eignet sich mein Hund für den Gebrauchshundesport?

Die Ausbildung zum Gebrauchshund stellt relativ hohe Ansprüche an Hund und Halter. Ein Hund sollte bewegungsaktiv, gesund, mental belastbar und selbstsicher sein, um alle Anforderungen leisten zu können. Der Hundehalter muss fundierte Sachkenntnis über das Hundeverhalten besitzen, außerdem sehr verantwortungsvoll und geduldig mit seinem Hund trainieren. Ein schlecht oder halbherzig im Schutzdienst ausgebildeter, unsicherer Hund kann sonst auch zum unberechenbaren Beißer werden.

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