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Leinenführigkeit beim Hund – Das richtige Training

von Simone Heitmann
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Das natürlichste und artgerechteste für einen Hund ist, sich stets frei bewegen und laufen zu können. Doch leider ist das für 99 % unserer Vierbeiner nicht immer möglich, da ihre heutige Umwelt viele Gefahren für ihre Unversehrtheit birgt. Damit Hund und Mensch trotzdem gemeinsam sicher und entspannt unterwegs sein können, ist die Leinführigkeit in der Hundeerziehung des Vierbeiners ein unabdingbares „have to“. In diesem Artikel erfährst Du Schritt für Schritt, wie die Leinenführigkeit beim Hund gelingt.

Darum ist Leinenführigkeit bei Hunden so wichtig 

Ob in der Stadt, auf dem Dorf oder auf dem Land, ein entspannter Spaziergang an der Leine sollte für Hunde und Menschen eine positive und freundschaftliche Angelegenheit sein. An der Leine geführt zu werden, ist für den Hund das Signal: Mein Mensch hat alles im Blick und passt auf, dass uns nichts passiert. Ich brauche mich hier um nichts zu kümmern. Mein Job ist es einfach ganz locker hier lang zugehen.

Wie trainiert man Leinenführigkeit?

In kleinen Trainingseinheiten und mit liebevoller Konsequenz. Wähle zum Start dafür einen ruhigen und ablenkungsfreien Ort.

Das Equipment zum Trainieren der Leinenführigkeit

Zur Grundausstattung eines Hundes gehört Brustgeschirr, Halsband und Leine. Bereits beim Kauf sollte darauf geachtet werden, welche Funktion und Wirkung diese Hilfsmittel für den Hund haben. Der Hals des Hundes ist sehr sensibel und empfindlich, da sich dort Schilddrüse, Kehlkopf, Halswirbel, Bindegewebe und Muskulatur befindet. Am Halsband führen bedeutet den Hund über die empfindliche Halswirbelsäule zu führen, die relativ schnell Schaden nehmen kann. Zieht der Hund an der Leine, wird bei einem Halsband Druck auf Kehlkopf und Schilddrüse ausgeübt. Um diesem unangenehmen Gefühl zu entkommen, zieht der Hund noch mehr an der Leine – ein Teufelskreis entsteht.

Leinenführigkeit: Hund an Leine

Ein entspannter Spaziergang an der Leine sollte für Hunde und Menschen eine positive und freundschaftliche Angelegenheit sein.

Für das Training zur Leinenführigkeit und auch später im Alltag eignet sich ein Brustgeschirr am besten. Ein Brustgeschirr sollte im Fachhandel mit Beratung gekauft werden und immer am Hund anprobiert werden, um den richtigen Sitz zu kontrollieren. Was beim Training zur Leinenführigkeit nichts zu suchen hat, ist eine Flexi-Leine. Wenn überhaupt, kann eine Flexi-Leine gelegentlich für bereits gut leinenführige Hunde benutzt werden. Auch sogenannte Zug-Stopp-Leinen eignen sich zum Trainieren der Leinenführigkeit nicht. 

Die ideale Leine für Hund und Halter:in ist eine sogenannte Führleine, die von zwei Meter auf ein Meter verkürzt werden kann. Diese Leinenart ist nicht nur perfekt für das Leinentraining, sondern auch die geeignetste, um gut durch den Alltag zu kommen.

Wie bekomme ich meinen Hund dazu, nicht an der Leine zu ziehen?

Versuch die Aufmerksamkeit Deines Hundes immer bei Dir zu behalten. Ein paar Leckerlis in der Tasche sind hilfreich.

Leinenführigkeit beim Hund trainieren – Schritt für Schritt 

Das Training für die Leinenführigkeit beginnt damit, dass der Vierbeiner sowohl das Geschirr wie auch die Leine als etwas Positives wahrnimmt. Füttere also ruhig schon im Geschäft beim Ausprobieren des richtigen Geschirrs Leckerlis und verbinde so das Umlegen mit etwas positiven für den Hund. Dies solltest Du auch später Zuhause so weiterführen. Ebenso sollte das Anlegen der Leine mit einer positiven Verknüpfung anerzogen werden.

Schritt 1: Situationsmodus „Leinenführig“ signalisieren

Damit Dein Hund später versteht, wann er neben Dir an der Leine laufen soll, legst Du bereits mit dem Trainingsbeginn zur Leinenführigkeit ein Wort fest, dass Deinem Hund signalisiert „jetzt habe ich ordentlich und diszipliniert neben meinem Menschen zu laufen“. Dies kann zum Beispiel das Wort „Fuß“ sein oder „Bei“. Gleichzeitig solltest Du Dir auch ein Wort überlegen, dass ihm signalisiert, dass er sich auch mal etwas lockerer an der Leine bewegen darf. Er dann weiß, er befindet sich nun nicht mehr im Modus „Fuß“, sondern kann sich auch mal vor oder hinter Dir bewegen. Für diesen Modus kannst Du zum Beispiel das Wort „Locker“ wählen.

Schritt 2: Ungestörte Umgebung, definierter Bereich und kurze Trainingsintervalle 

Wie bei allem, was Dein Hund neu lernen soll, beginnst Du auch mit dem Training zur Leinenführigkeit in einer für den Hund bekannten, ungestörten und ablenkungsfreien Umgebung. Das Geschirr anlegen und Anleinen wird mit überschwänglichen Loben oder Leckerlis positiv verstärkt. Überleg Dir vorher, in welchen Bereich Du die Übung abhalten willst. Dabei bietet es sich an, dir ein 5×5 Meter großes Quadrat am Boden vorstellst, an dessen Außenlinien Du die Leinenführigkeit beim Hund übst.

Schritt 3: Achte darauf, dass die Trainingseinheiten nicht zu lang werden

Gerade Welpen und Junghunde sind schnell überfordert, wenn das Training zu lange dauert. Nimm Dir zu Anfang ein Trainingsintervall von 5 bis maximal 10 Minuten vor. Es ist effektiver mehrmals kurze Übungen am Tag abzuhalten, als einmal am Tag lange zu üben.

Leinenführigkeit: Hund beim Gassigehen

Das Training für die Leinenführigkeit beginnt damit, dass der Vierbeiner sowohl das Geschirr wie auch die Leine als etwas Positives wahrnimmt.

Schritt 4: Aufmerksamkeit einfordern

Die Konzentration des Hundes soll bei der Leinenführigkeit bei seinem Menschen liegen. Um dies anzutrainieren kannst Du Leckerlis zur Hilfe nehmen. Positioniere Dich auf die rechte Seite Deines Hundes, sodass er links von Dir ist. Halte die Leine locker in der rechten Hand und in der linken Hand die Leckerlis. Sprich Deinen Hund nun freundlich mit seinem Namen an und gib ihm das von Dir gewählte Kommando, zum Beispiel „Fuß“, und setzt den ersten Schritt mit dem linken Bein nach vorne. Also das Bein, was Deinem Hund am nächsten ist. Damit unterstützt Du bei ihm den Impuls, mit Dir zu laufen. Wenn er sich mit Dir auf gleicher Höhe in Bewegung setzt, belohne die Aktion in derselben Sekunde mit einem Leckerli aus Deiner linken Hand und lobe ihn überschwänglich dafür.

Schritt 5: Geradeaus gehen

Versuch nun in der Kombination aus Aufmerksamkeit einfordern, Leckerli geben, verbal Loben und nach vorne bewegen, die ersten 5 Meter der Außenlinie Deines imaginären Quadrats zu gehen. Der Hund soll sich dabei immer auf deiner Höhe bewegen, also weder vorlaufen noch zurückfallen. Trainiere nun im ersten Übungsintervall, diese 5 Meter geradeaus gehen immer wieder.

Wann soll ich mit der Leinenführigkeit anfangen?

Leinenführigkeit beim Hund gehört zum Grundgehorsam und sollte bereits im Welpenalter spielerisch anerzogen werden.

Schritt 6: Richtungswechsel

Klappen die ersten fünf Meter auf der Linie, Dein Hund lässt sich gut von Dir führen und bleibt mit seiner Aufmerksamkeit bei Dir, kannst Du einen Richtungswechsel einbauen. Wenn Du Deinen Hund auf deiner linken Seite führst, solltest Du zuerst den Richtungswechsel nach rechts üben. So musst Du nicht in Deinen Hund „reinlaufen“ und für ihn ist es einfacher Dir zu folgen. Geh nun die ersten 5 Meter geradeaus, sprich Deinen Hund kurz an, mach dann eine Drehung nach rechts und halt ihn während der Drehung das Leckerli vor die Nase, sodass er die Drehung automatisch mitmacht. Wenn das gut geklappt hat Loben, Leckerli geben und weitere 5 Meter auf der imaginären Linie des Quadrats gehen, bevor der nächste Richtungswechsel kommt. Gradeausgehen und Richtungswechsel sind in einem fließenden Bewegungsablauf durchzuführen, so wie Du auch später mit ihm auf der Straße unterwegs bist.

Leinenführigkeit: Training im Freien

Leinenführigkeit beim Hund gehört zum Grundgehorsam und sollte bereits im Welpenalter spielerisch anerzogen werden.​

Schritt 7: Schritt für Schritt die Anforderungen erhöhen

Wenn alles gut klappt, kannst Du beginnen an Orten zu üben, an denen mehr Ablenkung für den Hund herrscht. Pass aber auf, dass Du Deinen Hund dabei nicht überforderst. Geh dann mit der Trainingseinheit gegeben falls lieber wieder ein Stück zurück und bau das Leinentraining langsamer auf. Wenn das Training gut vorangeht, kannst Du nach und nach anfangen die Leckerlis als Belohnung zu reduzieren und die Strecke bis zum Richtungswechsel länger werden lassen.

Warum zieht der Hund an der Leine?

Dafür kann es mehrere Gründe geben: Stress. Unsicherheit. Etwas anderes ist interessanter als sein Mensch. Oder weil er es noch nicht gelernt hat, locker an der Leine zu laufen.

Häufige Probleme und Schwierigkeiten bei der Leinenführigkeit

Sollte Dein Hund vor Dir herzulaufen oder zurückzufallen, sag seinen Namen, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen und dann Dein Kommando für die Leinenführigkeit. Er hat nun die Chance von sich aus zu reagieren. Sollte der Hund nicht gehorchen, mach einen Richtungswechsel. Das machst du so oft, bis dein Hund wieder mit seiner uneingeschränkten Aufmerksamkeit bei dir ist. Pass aber auf, dass du nicht stark am Hundekörper reist oder ruckst!

Bei älteren Hunden kommt es vor, dass ein neues Signalwort gewählt werden muss, um die Leinenführigkeit zu trainieren. Oftmals ist das bestehende Wort, das ihm „anerzogen“ wurde, bereits so negativ für ihn besetzt, dass es zielführender ist, ein neues Wort zu wählen und dies mit einer positiven Erziehungsmethode zu trainieren.

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