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Hund hat Angst – Angstsituationen erkennen & richtig reagieren

von Maren Kleymann
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Hunde haben genau wie Menschen sehr individuelle Charaktereigenschaften – während der eine mit allen vier Pfoten fest im Leben steht und sich durch nichts erschüttern lässt, ist der andere eher vorsichtig, unsicher oder gar ängstlich. Dabei spielen zum einen angeborene Wesenszüge eine Rolle, zum anderen ist es aber auch sehr entscheidend, welche Erfahrungen und Erlebnisse der Vierbeiner in den ersten Wochen und Monaten seines Lebens bereits machen kann. Nun ist Angst zunächst eine natürliche Emotion, die Tiere und Menschen vor tatsächlichen Gefahren beschützt. Ein Hund, der ständig Angst hat, befindet sich aber im Dauerstress und benötigt Hilfe, um diese Angst zu bewältigen. Alles über ängstliche Hunde erfährst Du in diesem Artikel.

Woran man Angst beim Hund erkennt

Hunde können nicht mit Worten sprechen, dennoch haben sie viele Möglichkeiten, sich auszudrücken und mit uns zu kommunizieren. Neben ihrer Körpersprache, bei der tatsächlich der gesamte Hundekörper vom Kopf bis zum Schwanz eingesetzt wird, nutzen sie auch akustische Signale, um ihre aktuelle Stimmungslage widerzuspiegeln. 

Für ein harmonisches Zusammenleben von Mensch und Hund ist es extrem wichtig, dass wir uns gegenseitig verstehen – wer also einen Hund hält, sollte in der Lage sein, die Körpersignale seines Vierbeiners richtig zu deuten, um entsprechend reagieren zu können. 

Hund hat Angst – Körpersignale

Wenn ein Hund Angst hat, zeigt er in der Regel einzelne oder auch mehrere der folgenden Körpersignale:

  • Körperhaltung leicht eingeknickt bis geduckt, Gewicht auf die Hinterbeine verlagert
  • Schwanz nach unten gehalten oder unter den Bauch gezogen
  • Ohren nach hinten gerichtet, eng an den Kopf angelegt
  • Kopf gesenkt oder eingezogen
  • Mundwinkel zurückgezogen („grinsender“ Gesichtsausdruck)
  • Augen groß, Blick abgewandt
  • Haare an Nacken und Rücken können aufgerichtet sein
Hund hat Angst: Hund sitzt auf Boden zwischen Beinen

Hunde können nicht mit Worten sprechen, dennoch haben sie viele Möglichkeiten, sich auszudrücken und mit uns zu kommunizieren.

Hund hat Angst – Verhaltenssignale

Auch mit seinem Verhalten zeigt der Hund seine Angst:

  • Er zittert sichtbar
  • Er hechelt oder leckt mit der Zunge über die Schnauze
  • Er winselt, jault oder bellt sogar laut
  • Er reagiert aggressiv („Angstbeißer“)
  • Er versucht, sich zu verstecken oder wegzulaufen
  • Er hebt eine Pfote oder wirft sich auf den Rücken
  • Er setzt Kot oder Harn ab oder muss sich erbrechen

Wenn ein Hund solche Angst-Signale zeigt, befindet er sich in einer akuten Stress-Situation. Nicht immer ist für uns Menschen der Auslöser für diese Angst ersichtlich. Wichtig ist es, jetzt richtig zu reagieren, um die Reaktionskette des Hundes möglichst noch zu unterbrechen. 

Woran erkennt man Angst beim Hund?

Hunde zeigen ihre Angst durch diverse Körpersignale wie geduckte Haltung, eingezogene Rute, Zittern, Winseln oder sogar Erbrechen und Durchfall.

Umgang des Hundes mit seiner Angst

Kann der Hund aus seinem Angstzustand nicht herauskommen, wird er eine der vier nachfolgend beschriebenen Verhaltensweisen zeigen, die von Wissenschaftlern als die „vier F“ (englisch) bzw. die „vier A“ (deutsch) bezeichnet werden:

  • Flight (=Abhauen): Der Hund versucht, dem Auslöser für seine Angst auszuweichen. Dies kann von vorsichtigem Zurückweichen bis hin zu panischer Flucht reichen.
  • Fight (=Angreifen): Sieht der Hund keinen anderen Ausweg oder wird in die Enge getrieben, knurrt er, zeigt die Zähne mit weit offenen Mundwinkeln und wird schließlich schnappen oder gar angreifen.
  • Freeze (=Angststarre): Der Hund friert quasi in seiner Position ein, bewegt sich nicht mehr bei zum Boden oder zur Seite gerichtetem Blick, der regelrecht ins Leere starrt.
  • Fiddle about (= Albernheit): Der Hund reagiert in der angstauslösenden Situation zum Beispiel mit einer aktiven Spielaufforderung, springt Menschen oder andere Hunde an, rennt im Kreis und verhält sich extrem ausgelassen und aufgekratzt. Durch solche Übersprungshandlungen versucht er, die für ihn bedrohliche Situation zu entschärfen.

Ein Hundehalter, der seinen Vierbeiner gut kennt und die Anzeichen für sein Angstverhalten frühzeitig richtig deutet, kann ihm helfen, die bedrohliche Situation zu meistern und schnell zu überwinden. Am wichtigsten ist es dabei, selbst entspannt und souverän zu bleiben, denn so kann sich der Hund an seinem Menschen orientieren und bestenfalls die Spannung abbauen. 

Hund hat Angst: Hund auf Wiese

Kann der Hund aus seinem Angstzustand nicht herauskommen, wird er eine der vier beschriebenen Verhaltensweisen zeigen.

Häufige Angstauslöser

Die Ursachen, die bei Hunden zu ängstlichem Verhalten führen können, sind sehr vielschichtig und nicht immer für uns Menschen nachzuvollziehen. Oft sind sie tatsächlich sehr subtil und hängen zum Beispiel mit schlechten Erfahrungen zusammen, die der Hund gemacht hat, ohne dass sein Mensch davon weiß. Auch fehlende Erfahrungen in der wichtigen Präge- und Sozialisierungsphase des Welpen können dazu führen, dass gewisse Reize später beim erwachsenen Hund Angst auslösen. Daher ist es so besonders wichtig, den Welpen bereits in den allerersten Lebenswochen mit möglichst vielen unterschiedlichen Umweltreizen, Geräuschen, Personen, anderen Tieren usw. vertraut zu machen.
Zu den häufigen Angstauslösern bei Hunden zählen zum Beispiel:

Hund hat Angst vor Geräuschen

Viele Vierbeiner fürchten sich vor lauten Geräuschen, etwa der scheppernden Küchenmaschine, der Kaffeemühle oder dem Staubsauger. Auch Fehlzündungen am Auto, ein Schuss oder ein knatternder Traktor, der vorbeifährt, lässt manchen Hund erschrecken. Auch nehmen Hunde Tonfrequenzen wahr, die das menschliche Ohr nicht hören kann – eine Angstreaktion können wir in diesen Fällen schwer verstehen.

Gewitter als Auslöser

Sehr viele Hunde haben große Angst, wenn es plötzlich blitzt und donnert. Tatsächlich ist die Stimmung bei einem Gewitter sehr speziell, man sagt ja auch „Da liegt etwas in der Luft“. Ein Hund reagiert auf diese Anzeichen in der Natur noch deutlich sensibler als wir Menschen und kann diese besondere Wetterlage als sehr bedrohlich empfinden, vor allem dann, wenn auch seine Menschen sich unsicher verhalten.

Was ist ein Angsthund?

Als Angsthund bezeichnet man einen Hund, der ständig und in zahlreichen unterschiedlichen Situationen mit übermäßiger und nicht rationaler Angst reagiert. Ein solcher Hund steht unter Dauerstress und benötigt unbedingt Hilfe, unter Umständen neben einem Angst abbauenden Training sogar durch Medikamente.

Feuerwerk

Nur sehr wenige Hunde bleiben angesichts des jährlichen Silvester-Feuerwerks entspannt und gelassen, die meisten Vierbeiner reagieren auf die laute Knallerei, das Pfeifen und Zischen der Raketen, den sich entwickelnden Rauch und die zuckenden Lichtreize mit extremer Angst. Neben den grell-bunten Lichtern und dem Geruch nach Feuer und Schwefel nehmen unsere Hunde auch ein erheblich größeres Geräuschspektrum wahr als wir, sie werden quasi überrollt von einem unglaublich lauten und vielschichtigen Lärm, der sogar zu körperlichen Schmerzen im Hundeohr führen kann. Aus diesem Grund sind viele Hundebesitzer immer wieder dafür, das neue Jahr böllerfrei zu starten.

Unbekannte Gegenstände

Manche Hunde werden unsicher, wenn sie einen bisher unbekannten Gegenstand erblicken. Das kann ein großer Stein sein, der vorher noch nicht an dieser Stelle lag, eine Mülltonne, die auf dem dunklen Fußweg steht oder eine flatternde Fahne am Mast. Auch eine raschelnd vorbeiflatternde Zeitung oder ein knorriger Baumstumpf kann manchen Vierbeiner aus der Fassung bringen. 

Fremde Menschen

Ein Hund, der meist nur mit seinen vertrauten Menschen in Kontakt kommt, kann auf fremde Personen ängstlich reagieren. Vor allem Hunde, die ohne menschlichen Bezug aufgewachsen sind, wie zum Beispiel viele aus dem Ausland importierte Straßenhunde, kommen zwar meist mit anderen Hunden bestens klar, müssen aber den angstfreien Umgang mit Menschen erst mühevoll lernen. Sehr häufig kann bei diesen Hunden nur eine sehr begrenzte, auf bestimmte Personen bezogene Gewöhnung erzielt werden.

Wie beruhigt man einen gestressten Hund?

Ein Hund unter Stress ist oft schwer ansprechbar. Beruhigende Worte, aufmunterndes Streicheln oder auch Ablenkung durch einen plötzlichen Richtungswechsel oder ein Spiel können helfen, dem Vierbeiner aus der Stresssituation herauszuhelfen.

Andere Hunde / Tiere

Hunde, die ausschließlich soziale Kontakte mit Menschen erlebt haben, können bei einer Begegnung mit einem Artgenossen oder anderen Tieren sehr unsicher oder ängstlich reagieren. Hat ein Vierbeiner mit einem bestimmten anderen Hund schlechte Erfahrungen gemacht, wurde beispielsweise von diesem angegriffen oder gebissen, dann richtet sich das Angstverhalten entweder nur auf diesen einen Hund oder auf alle Hunde, die diesem in Größe, Form oder Farbe ähnlich sind.

Hund hat Angst vor dem Autofahren

Während viele Hunde liebend gerne Autofahren und am liebsten in jeden offenen Kofferraum hüpfen, fühlen andere sich extrem unwohl, zittern, speicheln oder müssen sich gar bei jeder Fahrt erbrechen. Zum einen kann die ungewohnte Bewegung des Autos zu Übelkeit führen, zum anderen ist eine schrittweise Gewöhnung an den Transport im Auto für solche Hunde besonders wichtig.

Hund hat Angst: Hund im Auto in Transportbox

Einige Hunde haben Angst vorm Autofahren.

Trennung / Alleinsein

Die zeitweise Trennung von ihren Menschen empfinden viele Hunde als unangenehm oder auch angstauslösend. Sie reagieren zum Beispiel mit Jaulen, Bellen, Unruhe, Unsauberkeit, Zerstören von Gegenständen oder sogar Selbstverletzung.

Gesundheitliche Probleme, Schmerzen

Die durch Schmerzen oder akute körperliche Beeinträchtigungen ausgelöste Angst ist angeboren und kaum regulativ zu beeinflussen. Zeigt ein Hund scheinbar grundlos massive Angstsymptome, sollte unbedingt ein Tierarzt zurate gezogen werden.

Warum hat ein Hund Angst?

Es gibt sehr viele unterschiedliche Angstauslöser bei Hunden, die zum Teil angeboren, zum Teil auch durch schlechte Erfahrungen oder mangelnde Gewöhnung an bestimmte Reize in der Welpenzeit erworben sein können.

Was hat Angst mit Stress zu tun?

Stress ist eine automatische Reaktion des Körpers und/oder der Psyche auf unterschiedliche äußere Reize und versetzt ein Lebewesen in die Lage, sich veränderten Situationen oder Umweltbedingungen anzupassen. Bei Stress wird im Körper Adrenalin ausgeschüttet, was unter anderem dazu führt, dass sich die Muskulatur anspannt und die Aufmerksamkeit gesteigert wird – dies kann sich sowohl positiv wie negativ auswirken. Auch die Aussicht auf das Lieblingsspiel oder das Gassi gehen führt bereits zu positivem Stress.

Während Stress also nicht in jedem Fall zu Angst führt, löst umgekehrt Angst immer auch Stresssymptome aus. Eine dauernde negative Stressbelastung des Hundes kann außerdem dazu führen, dass Angstgefühle überhaupt erst entstehen oder manche Situationen als übermäßig bedrohlich und beängstigend empfunden werden. 

Als Hundehalter sollte man Stressfaktoren erkennen und bekämpfen können. Neben den bereits erwähnten Körpersignalen bei Angst gibt es weitere, die ein gestresster Hund zeigen kann:

  • Schwitzen unter den Pfoten
  • Geweitete Pupillen, große Augen
  • Angespannte Muskulatur, vor allem am Kopf
  • Erhöhte Herz- und Atemfrequenz
  • Allgemeine Unruhe, Hyperaktivität
  • Müdigkeit, Apathie
  • Vermehrtes Speicheln, Lecken oder Gähnen

Es ist wichtig, die Stressfaktoren auszumachen und möglichst abzustellen oder zu minimieren, damit der Hund sich erholen und wieder entspannen kann. Geht das nicht, muss eine langsame und behutsame Gewöhnung an die stressige Situation erfolgen – ein Hund, der zum Beispiel unter extremer Trennungsangst leidet, sollte in ganz kleinen Steigerungsschritten und über eine längere Zeitspanne für zunächst sehr kurze Momente alleine gelassen werden und dafür ausgiebig belohnt und so positiv bestärkt werden.

Was kann man tun, wenn der Hund Angst hat?

Zeigt Dein eigener Hund Angst, ist es besonders wichtig, sicher und souverän aufzutreten, um dem Hund zu zeigen, dass Du die Situation im Griff hast und nichts Schlimmes zu befürchten ist.

Wie man dem ängstlichen Hund aus der Angst hilft

Das oberste Gebot für den Halter eines besonders ängstlichen Hundes ist es, selber die Ruhe zu bewahren und dem Vierbeiner dadurch Sicherheit zu vermitteln. Absolut kontraproduktiv ist es, den Hund für sein ängstliches Verhalten auszuschimpfen oder ihn etwa an der Leine durch eine Angstsituation hindurch zu zerren. Ein souveränes Auftreten, eine freundliche Stimmlage und eine entspannte Körperhaltung vermitteln dem Hund das Gefühl „Hier gibt es eigentlich nichts zu befürchten!“.

Zunächst sollten die konkreten Auslöser für die Angst des Hundes gefunden werden, damit man diese gezielt in speziellen Trainingseinheiten bearbeiten kann. Hat der Vierbeiner etwa große Angst vor bestimmten lauten Geräuschen, kann es helfen, diese auf einen Tonträger aufzunehmen und dem Hund zunächst leise vorzuspielen, während er gleichzeitig gefüttert wird oder mit seinem Lieblingsspielzeug spielen darf.

Hund hat Angst: Hund an Leine

Wenn ein Hund Angst hat, sollte der Halter immer bemüht sein, selbst Ruhe zu bewahren.

Wichtig ist es auch, einem ängstlichen Vierbeiner mehr Selbstvertrauen zu geben. Das gelingt am besten in ruhiger Umgebung und in stressfreien Situationen. Durch das Trainieren von einfachen Tricks hat der Hund tolle Erfolgserlebnisse. Auch Spaziergänge in unbekanntem Gelände, bei denen ein paar einfache Übungseinheiten wie „Sitz“, „Platz“ oder „Bleib“ durchgeführt werden, für die es dann auch immer eine besonders tolle Belohnung gibt, helfen dem Hund, sein inneres Gleichgewicht zu finden. 

Selbst eine besondere Ernährung als unterstützende Maßnahme gegen Angst kann helfen. Bestimmte Vitamine oder Futtermittelzusätze können sich positiv auf das Nervensystem und den Stoffwechsel des Hundes auswirken, was zu einer inneren Ruhe und Entspannung beitragen kann. 

Wenn das alles nicht reicht, um dem Hund aus seiner Angst herauszuhelfen, bleibt schließlich noch die professionelle Unterstützung durch einen Hundetrainer oder einen Fachtierarzt für Verhaltenskunde. Dieser wird unter Umständen auch über den fachgerechten Einsatz von Medikamenten entscheiden, um dem Hund ein Leben ohne Dauerstress zu ermöglichen.

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