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Bindung zum Hund aufbauen – Tipps und Tricks

von Maren Kleymann
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Welcher Hundehalter wünscht sich das nicht: Einen Vierbeiner, der prima gehorcht, immer fröhlich ist und ihn treu durchs Leben begleitet – einen richtig guten Kumpel eben. In Film und Fernsehen scheint das immer so einfach, der Hund liest seinem Herrchen oder Frauchen jeden Wunsch von den Augen ab und ist immer zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Leider merkt mancher Hundebesitzer im wirklichen Leben schnell, dass es nicht immer so einfach ist – denn eine enge und vertrauensvolle Bindung zwischen Hund und Mensch braucht Zeit, um zu wachsen. Tipps, wie Du eine solch enge Bindung zum Hund aufbauen kannst, erhältst Du in diesem Artikel.

Beziehung oder Bindung – ist das nicht dasselbe?

Während mit dem Begriff „Beziehung“ lediglich das Verhältnis beschrieben wird, in dem Mensch und Hund zueinander stehen – etwa wie „Dosenöffner zu Futterverwerter“, „Leinenhalter zu Halsbandträger“ oder „Kommandogeber zu Befehlsausführer“ – ist der Begriff „Bindung“ definiert als enges, intensives und vor allem emotionales Band, das sich zwischen Individuen ausprägt.

Da sowohl Menschen als auch Hunde sozial lebende Wesen sind, wird beiden in der Bindungsforschung ein angeborenes Bedürfnis nach gefühlsbetonten Bindungen zu anderen sozialen Lebewesen zugesprochen. Die sehr ähnliche Sozialstruktur von Mensch und Hund hat über die Jahrtausende dazu geführt, dass wir uns so gut verstehen und der Hund den Menschen als „Rudelpartner“ praktisch genau so anerkennt wie andere Vierbeiner. Manche Forscher behaupten sogar, der Mensch wäre für die meisten Hunde inzwischen zum wichtigsten Sozialpartner geworden.

Wie erkenne ich eine gute Bindung zu meinem Hund?

Wenn Dein Hund Dir vertraut und Dir nach Möglichkeit überall hin folgt, hat er eine enge Bindung zu Dir und fühlt sich in Deiner Gegenwart sicher und geborgen.

Ab wann kann ich eine Bindung zum Hund aufbauen?

Welpen werden als „Nesthocker“ geboren und sind in den ersten Lebenswochen absolut hilflos. Ohne ihre Mutter, eine Amme oder einen Menschen, der sie regelmäßig füttert, pflegt und wärmt, können sie nicht überleben. Der Aufbau einer engen Bindung zur Mutterhündin beginnt also bereits unmittelbar nach der Geburt. Im Laufe der ersten Lebenswochen entstehen weitere Bindungen, etwa zu den Geschwistern, zum Züchter und dessen Familie oder auch zu den Pflegern im Tierheim, die sich um die Welpen kümmern.

Zwischen der vierten und achten Lebenswoche spricht man von der Prägephase, in der ein Welpe seine nähere Umwelt kennenlernt und bereits erfahren sollte, dass es außer den Geschwistern, der Mutter und der Wurfkiste noch viele andere Lebewesen und Dinge in der Welt gibt. Eine gute „Kinderstube“ mit abwechslungsreichen Begegnungen und vielen unterschiedlichen Beschäftigungen ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die kleinen Hunde sich gesund und selbstsicher entwickeln.

Bindung zum Hund aufbauen: Frau und Welpe draußen

Im Laufe der ersten Lebenswochen entstehen Bindungen zur Mutterhündin, den Geschwistern und den Bezugspersonen.

Von der neunten bis zur vierzehnten Lebenswoche dann durchlebt der Hund die sogenannte Sozialisierungsphase, und in dieser Zeit ist es besonders wichtig, ihm zahlreiche unterschiedliche Eindrücke und Erfahrungen zu vermitteln. Findet der kleine Hund in dieser Phase ein neues Zuhause, bildet sich besonders leicht eine gute und enge Bindung zu seinen neuen Menschen aus. Um sich im neuen Zuhause und bei seinen neuen Bezugspersonen zurecht zu finden, braucht der Kleine nun vor allem sehr viel geduldigen Zuspruch, Liebe und einfühlsame Behandlung, um schnell Vertrauen zu fassen und sich sicher zu fühlen.

Aber auch ein älterer Hund, etwa aus dem Tierheim, kann sich an einen neuen Menschen oder eine neue Familie binden – oft sind solche Hunde, wenn sie erst einmal Vertrauen gefasst haben, sogar besonders anhänglich.

Wie lange braucht ein Hund, um Vertrauen aufzubauen?

Das kann individuell sehr unterschiedlich sein und hängt auch davon ab, was Dein Hund bislang schon erlebt hat - ein Vierbeiner etwa, dessen Vertrauen in einen Menschen bereits enttäuscht wurde, braucht sicher länger, um sich wieder neu zu binden als ein fröhlicher Welpe, der bei Dir einzieht.

Tipps für den Aufbau einer engen Bindung zum Hund

Die wichtigste Voraussetzung, um eine Bindung zum Hund aufbauen zu können, ist Vertrauen! Der Hund muss also in den ersten Stunden und Tagen im neuen Zuhause lernen, dass er sich auf seinen Zweibeiner jederzeit verlassen kann. Daher ist es ganz besonders wichtig, sehr viel Zeit mit ihm zu verbringen und ihm geduldig und liebevoll zu zeigen, wie sich sein Tagesablauf ab jetzt gestaltet und welche Regeln gelten.

Die engste Bindung baut ein Hund in der Regel zu dem Menschen auf, der die meiste Zeit mit ihm verbringt und sich um ihn kümmert. In den ersten Tagen sollte daher der Kontakt des Hundes auf seine neue Familie beschränkt bleiben – Freunde und Bekannte können den Neuzugang auch später kennenlernen. Intensive Beschäftigung mit dem Vierbeiner, Streicheln und Kuscheln, gemeinsames Spielen und vor allem viel Ansprache sollten in diesen ersten Tagen auf dem Stundenplan stehen.

Bindung zum Hund aufbauen: Mann und Kind mit Hund

Die engste Bindung baut ein Hund in der Regel zu dem Menschen auf, der die meiste Zeit mit ihm verbringt und sich um ihn kümmert.

Ein Welpe braucht anfangs eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung und sollte auch nachts nicht ganz alleine bleiben müssen. Und auch ein älterer Hund muss in den ersten Tagen und Wochen besonders engen Kontakt zu seinen neuen Menschen haben. Das Geben von Futter aus der Hand ist eine gute Maßnahme, um die Bindung zu vertiefen und Vertrauen zu stärken. Ist ein Garten vorhanden, sind anfangs auch noch keine langen Spaziergänge nötig. Es reicht, wenn der Hund seine neue Umgebung erkunden und kennenlernen kann. Ein geregelter Tagesablauf hilft dabei, dem Vierbeiner Sicherheit zu geben – regelmäßige Futter- und Ruhezeiten prägen sich schnell ein.

Hat sich der Hund erst eingelebt, fördern gemeinsame Spaziergänge und Unternehmungen in wechselnder Umgebung die Bindung.  Aber auch das Training von Übungen zur Hundeerziehung oder allgemeine Pflegemaßnahmen wie Bürsten und Striegeln sind förderlich, um die Bindung zum Hund aufbauen und vertiefen zu können. Wird der Hund in einer neuen Umgebung oder einer fremden Situation unsicher oder gar ängstlich, hilft es ihm am meisten, wenn sein Mensch ruhig und souverän reagiert und ihm so zeigt, dass er nichts zu befürchten hat.

Besonders bindungsfördernd wirkt sich auch gemeinsam ausgeübter Hundesport, wie beispielsweise Agility oder Dog Dancing, aus – natürlich immer angepasst an die körperlichen Möglichkeiten des Vierbeiners. Spaß an der Sache sollte dabei für beide Team-Mitglieder wichtiger sein als der verbissene Kampf um Erfolge oder Pokale.

Wie kann ich die Bindung zu meinem Hund stärken?

Als bindungsfördernde Aktivitäten gelten etwa viel Körperkontakt wie Streicheln und Kuscheln, gemeinsame Unternehmungen wie Wandern, Spielen oder Hundesport, aber auch das Füttern aus der Hand, die freundliche Ansprache des Hundes und die positive Bestärkung von Verhaltensweisen, die Du gut findest. Schimpfen und Strafen dagegen zerstören Vertrauen und schaden der Bindung.

Die typischen Fehler im Bindungsaufbau

Ein weit verbreiteter Irrtum ist es, dass ein Hund sich besonders eng an seinen Menschen bindet, wenn dieser ihm alles erlaubt und ihm keine Grenzen setzt. Das genaue Gegenteil ist der Fall, denn Hunde brauchen klare Regeln (vor allem im Training), um Sicherheit zu haben. Auch ein unentschlossenes Hin und Her, bei dem an einem Tag Dinge erlaubt sind, die am nächsten wieder verboten werden, verunsichert den Vierbeiner sehr – und das zeigt sich im Verhalten. Ein solchermaßen „regelloser“ Hund entwickelt sich bald entweder zu einem nervösen, ängstlichen Nervenbündel oder wird schließlich versuchen, selber das Heft des Handelns in die Pfoten zu nehmen und und die Position des Rudelführers zu übernehmen.

Egal, ob Welpen oder erwachsener Hunde – die Fellnase kann am Anfang nicht wissen, was ihr neuer Mensch von ihr erwartet. Schimpfen oder gar Bestrafen von unerwünschtem Verhalten bringt also nichts, zerstört im Gegenteil nur das dünne Vertrauensband, das sich gerade erst bilden soll. Um eine Bindung zum Hund aufbauen zu können, ist es viel effektiver, den Vierbeiner immer positiv zu bestärken, wenn er etwas richtig macht. Knabbert er zum Beispiel den Teppich an, biete ihm mit einer deutlichen Spielaufforderung ein Hundespielzeug an und lobe ihn ausgiebig, wenn er seine Kauübungen nun daran fortsetzt. Kannst Du den Hund für eine kurze Zeit nicht beaufsichtigen, solltest Du seinen Aktionsradius so einschränken, dass er nichts Unerwünschtes anstellen kann. Ein Welpenlaufstall oder geschlossene Zimmertüren etwa leisten hier gute Dienste.

Bindung zum Hund aufbauen: Mann und Hund auf Wiese

Der Vierbeiner sollte immer positiv bestärkt werden, anstelle von Bestrafungen.

Ganz wichtig für den richtigen, bindungsfördernden Umgang mit Hunden ist es, als Mensch die Kommunikationsmöglichkeiten seines Vierbeiners zu kennen – also seine „Sprache“ zu sprechen und zu verstehen. Ansonsten kommt es schnell zu Missverständnissen, und auch dadurch wird wertvolles Vertrauen und Sicherheit verspielt. Ein Mensch, der seinem Vierbeiner souverän, konsequent und vor allem liebevoll klar machen kann, was er darf und was er nicht machen soll, ist dagegen ein Rudelführer, der nicht in Frage gestellt werden muss.

Warum vertraut mein Hund mir nicht?

Setzt Du Deinem Vierbeiner klare Regeln und Grenzen, und bist Du souverän und konsequent in Deinem Auftreten ihm gegenüber? Nur dann wird sich der Hund bei Dir sicher fühlen und kann darauf vertrauen, dass Du für euch beide die richtigen Entscheidungen triffst.

Das zeichnet eine gute Bindung zwischen Mensch und Hund aus

Ein Hund, der seinem Menschen vertraut und eine enge emotionale Bindung zu ihm aufgebaut hat, orientiert sich meist stark daran, was der Zweibeiner gerade macht. Nach Möglichkeit hält er sich in der Nähe seines Menschen auf und zeigt kein Verlangen, die Welt auf eigene Faust zu erkunden, sondern nur gemeinsam. In unbekannten oder brenzligen Situationen sucht er Schutz und Rückhalt bei seinem Menschen und ergreift nicht panisch die Flucht oder stürzt sich planlos in Gefahr.

Gut eingeübte Kommandos führt er freudig aus, weil er gelernt hat, dass Herrchen oder Frauchen dann zufrieden mit ihm ist. Oft funktioniert die Kommunikation sogar ohne viele Worte, denn der Hund weiß einfach, was gerade von ihm erwartet wird. Er kennt die Körpersprache, Mimik und Gestik seines Menschen genau und weiß die Nuancen in dessen Stimme richtig zu deuten.

Wenn klare Regeln den Tagesablauf bestimmen, weiß der Hund auch, wann es zum Beispiel Zeit ist, eine Weile alleine zu bleiben, bis sein geliebter Zweibeiner verlässlich wieder zu ihm zurück kommt. So wird er sich entspannt auf seinen Platz legen und warten und muss nicht stundenlang in Panik bellen oder die Wohnung verwüsten, da er sich sicher und geborgen fühlt.

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