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Dackellähme – Viel mehr als nur ein Bandscheibenvorfall

von Pia Mross
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Der Dackel (oder Teckel) ist eine aus Deutschland stammende Hunderasse, die sich weltweit großer Beliebtheit erfreut. Vor allem ihre ganz besonderen optischen Merkmale – die kurzen, krummen Beine und der überproportional lange Rücken – haben zur großen Popularität dieser äußerst charmanten, aber auch eigensinnigen Hunde beigetragen. Allerdings hat dieses Aussehen auch seinen Preis: Eine besonders häufig auftretende Erkrankung bei Dackeln ist die sogenannte Dackellähme. Alles zum Thema Dackellähme erfährst Du in diesem Artikel.

Was ist Dackellähme und warum ist sie so gefährlich?

Die Dackel- oder Teckellähme ist eine akute, sehr schmerzhafte Erkrankung der Wirbelsäule, die durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst wird und im schlimmsten Fall zu einer irreversiblen Querschnittlähmung des Hundes führt. Anders als der Name vermuten lässt, sind nicht nur Dackel von dieser Erkrankung häufig betroffen, sondern auch zahlreiche andere Hunderassen oder Mischlinge.

Je nachdem, in welchem Abschnitt der Wirbelsäule der Bandscheibenvorfall auftritt und wie schwer das umliegende Nervengewebe geschädigt wird, kann es zu dauerhaften Bewegungsbeeinträchtigungen bis hin zur kompletten Querschnittlähmung des Hundes kommen. Daher ist ein Bandscheibenvorfall immer ein hochakutes Geschehen, das schnellstmöglich tierärztlich behandelt werden muss.

Ursachen für den Bandscheibenvorfall

Zum besseren Verständnis dieser Krankheit ist ein kurzer Ausflug in die Anatomie des Hundes hilfreich:

Die Wirbelsäule besteht aus zahlreichen knöchernen Wirbelkörpern, die über Bänder wie eine Kette miteinander verbunden sind. Sie beginnt mit sieben Halswirbeln direkt am Schädel, dann folgen 13 Brustwirbel, sieben Lendenwirbel, drei Kreuzwirbel und eine je nach Rasse variierende Anzahl von Schwanzwirbeln. Im Inneren ist jeder dieser Wirbelkörper hohl und bildet so den Wirbelkanal, in dem gut geschützt das Rückenmark verläuft. An bestimmten Stellen treten die seitlich abzweigenden Spinalnerven aus dem Wirbelkanal heraus und leiten Reize aus dem Gehirn in die unterschiedlichen Körperregionen. Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern sorgen Gelenke für die nötige Beweglichkeit, und innerhalb dieser Gelenke fungieren die Bandscheiben als wichtige Stoßdämpfer. Eine gesunde Bandscheibe besteht aus einem äußeren Faserring und einem inneren Gallertkern, der zu etwa 80% mit Wasser gefüllt ist und wie ein winziges Wasserkissen ein elastisches Druckpolster bildet.

Dackel steht auf einem Bürgersteig.

Gezüchtete Kleinwüchsigkeit geht einher mit einer Knorpelwachstumsstörung, die medizinisch als Chondrodystrophie bezeichnet wird.

Bei einigen Hunderassen wurde durch gezielte züchterische Selektion eine genetisch bedingte Kleinwüchsigkeit unterstützt, um die gewünschten optischen Merkmale wie die kurzen Beine und den langen Rücken (z.B. Dackel, Basset) zu erreichen. Diese Kleinwüchsigkeit geht einher mit einer Knorpelwachstumsstörung, die medizinisch als Chondrodystrophie bezeichnet wird. Der eigentlich elastische Gallertkern der Bandscheibe wird bei den betroffenen Hunden mit der Zeit umgewandelt in knorpelartiges Gewebe, in dem sich Kalk absetzt. Auch der äußere Faserring wird zunehmend instabil, sodass die stoßdämpfende Wirkung zwischen den Wirbeln nach und nach verloren geht. Kommt es nun zu einer Belastung der Scheibe, etwa durch eine ruckartige Bewegung oder ein Trauma, kann es passieren, dass der ehemals weiche Kern der Bandscheibe verrutscht, den äußeren Faserring durchbricht und in den Wirbelkanal hineinragt, wo er das überaus empfindliche Nervengewebe des Rückenmarks quetscht. Akute Schmerzen und Bewegungsstörungen sind die Folge.

Welche Rassen sind besonders gefährdet?

Wie der Name schon sagt, sind Dackel besonders häufig von der Erkrankung betroffen. Aber auch bei zahlreichen anderen Hunderassen, die aufgrund ihrer speziellen Zuchtmerkmale zu den chondrodystrophen Rassen gerechnet werden, kann es vermehrt zu Bandscheibenvorfällen kommen.

Rassedisposition für Dackellähme:

Wie erkennt man einen Bandscheibenvorfall beim Hund?

Die auftretenden Symptome richten sich zum einen nach der Lokalisation des Bandscheibenvorfalls, zum anderen auch nach dessen Ausprägung. Erste Anzeichen können bereits Bewegungsunlust, Humpeln oder Gleichgewichtsstörungen sein. Bei einem plötzlichen Vorfall der Bandscheibe hat der Hund hochgradige Schmerzen und zeigt deutliche Lähmungserscheinungen.

Vorboten der Dackellähme

Oftmals zeichnen sich die langsam voranschreitende Umwandlung der Bandscheiben und die daraus resultierenden Gesundheitsprobleme bereits in unterschiedlich ausgeprägten Erscheinungen ab:

  • Schwierigkeiten beim Aufstehen
  • Steifheit im Bewegungsablauf
  • Meideverhalten (kein Treppenlaufen, keine Sprünge)
  • Lahmheit, Humpeln, Zehenschleifen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Kot- und/oder Harninsuffizienz
Dackel liegt auf einem buntem Teppich.

Vorboten der Dackellähme können Schwierigkeiten beim Aufstehen sein.

Dackellähme – Symptome

Während eine nur teilweise verrutschte Bandscheibe durch stetigen Druck auf Nervengewebe eher zu schleichenden, sich mit der Zeit verschlechternden Symptomen führt, ist der plötzliche Vorfall der Scheibe ein hochakuter Vorgang, der schlagartig sehr deutliche Krankheitsanzeichen auslöst. Der betroffene Hund äußert hochgradige Schmerzen, jault oder winselt, wirkt verängstigt und will sich meist gar nicht anfassen lassen. Je nach Lokalisation des Vorfalls kommt es zu Lähmungserscheinungen an den Hinterbeinen oder auch aller vier Gliedmaßen. Der Absatz von Kot und Harn kann oft nicht mehr kontrolliert werden. 

Erste Hilfe

Ein Hund, der auch nur erste Anzeichen einer beginnenden Dackellähme oder gar eines akuten Bandscheibenvorfalls zeigt, gehört so schnell wie möglich in tierärztliche Behandlung. Um eine weitere Verschlechterung des Zustands möglichst zu verhindern, darf sich der Hund nicht mehr bewegen und auf keinen Fall selber laufen. Kleine Hunde sollten in einer stabilen Transportbox sicher gelagert und transportiert werden, größere können von zwei Personen mithilfe einer Decke vorsichtig ins Auto und dann in die Tierarztpraxis oder Klinik gebracht werden.

Da zur Diagnostik eventuell eine Kurzzeitnarkose durchgeführt wird, darf dem Hund weder Futter noch Wasser angeboten werden, um den Verdauungstrakt nicht zusätzlich zu belasten. 

Was kann man tun bei Dackellähmung?

Besteht der Verdacht, dass der Hund einen Bandscheibenvorfall hat, muss er so schnell und so schonend wie möglich zum Tierarzt gebracht werden. Je schneller eine Behandlung eingeleitet wird, desto eher können dauerhafte Schäden am Nervengewebe noch verhindert werden.

Diagnose von Dackellähme

Der Tierarzt wird aufgrund der Hunderasse und der recht eindeutigen Symptome eine erste Diagnose stellen. Neurologische Untersuchungen und Reflextests machen die Schwere der Lähmungserscheinungen deutlich. Um die genaue Lokalisation des Bandscheibenvorfalls abzuklären, sind aber spezielle Untersuchungsmethoden notwendig. Einfache Röntgenaufnahmen reichen oftmals nicht aus, um die betroffene Bandscheibe sichtbar zu machen. Eine Myelographie, also die Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule mithilfe von Kontrastmitteln, kann bereits genauere Ergebnisse liefern.

Da viele Tierkliniken heutzutage mit modernsten Untersuchungsmethoden arbeiten, ist aber die Durchführung einer Computertomographie (CT) oder der Magnetresonanztomographie (MRT) das Mittel der Wahl, um das genaue Ausmaß der Schädigung sichtbar zu machen und eine entsprechende Therapie einzuleiten.

Therapie der Erkrankung

Die Behandlung der Dackellähme richtet sich nach der Schwere der bereits entstandenen Schäden beim Hund. Ein nur teilweiser Vorfall der Bandscheibe, bei dem es noch nicht zu gravierenden Nervenschädigungen gekommen ist, kann zunächst konservativ mit Medikamenten (Entzündungshemmer, Schmerzmittel, Glukokortikoide, Vitaminpräparate) in Verbindung mit einem strikten Bewegungskonzept behandelt werden. Der Hund muss über einen längeren Zeitraum von mehreren Wochen so weit wie möglich ruhig gestellt werden und darf sich nur angeleint unter Aufsicht langsam und vorsichtig bewegen. Im Anschluss kann mittels physiotherapeutischer Anwendungen der weitere Heilungsprozess unterstützt werden. Das Ziel ist eine ausreichende Stabilisierung der betroffenen Region der Wirbelsäule und eine Kräftigung der umliegenden Muskeln, um den Wirbeln zusätzlich Halt zu geben.

Dackel im Hunderollstuhl.

Bei schlimmen Bandscheibenvorfällen kann es zu akuten Lähmungen kommen, dann muss der defekte Bereich der Wirbelsäule operiert werden.

In sehr schweren Fällen, bei denen der Bandscheibenvorfall zu akuten Lähmungen und/oder einer Einschränkung der Kot- und Harnkontrolle führt, muss der defekte Bereich der Wirbelsäule aufwändig operativ repariert werden. Grundsätzlich gilt: Je schneller ein Bandscheibenvorfall behandelt wird, desto besser ist meist die Prognose für einen guten Heilungsverlauf. 

Was kostet eine Bandscheiben-OP beim Hund?

Allein die hochtechnisierten Untersuchungsmethoden (CT, MRT) sind kostspielig. Da es nicht „die eine“ OP-Methode bei der Dackellähme gibt, können die Behandlungskosten von Fall zu Fall stark variieren. Auf jeden Fall muss man mit Kosten von mehreren hundert bis über tausend Euro rechnen.

Vorsorge treffen – Bandscheibenvorfällen vorbeugen

Auch wenn bei einigen Hunderassen eine rassespezifische Disposition für das Auftreten der Dackellähme besteht, kann man als Hundehalter einiges tun, um dieser gefährlichen Erkrankung vorzubeugen:

  • Strikte Gewichtskontrolle: Übergewicht begünstigt die Abnutzung der Bandscheiben aufgrund der höheren Belastung und erhöht so das Krankheitsrisiko.
  • Belastende Bewegungen meiden: Keine Treppen steigen, keine Sprünge aus größerer Höhe, keine überfordernden Übungen beim Hundesport.
  • Kräftigung der Rückenmuskulatur durch angepasste, regelmäßige Bewegung, um die Wirbelsäule zu stabilisieren.
  • Gesunde Ernährung mit hochwertigem, leistungsangepasstem Futter.

Wie kann ich der Dackellähmung vorbeugen?

Wer einen Hund hat, der zu einer der häufig von Dackellähme betroffenen Rassen gehört (oder einen entsprechenden Mischling), der sollte vor allem darauf achten, dass der Vierbeiner regelmäßig angepasste Bewegung erhält und sein Idealgewicht behält. Sprünge aus größerer Höhe (zum Beispiel vom Sofa oder Bett oder aus dem Auto) sollten vermieden werden, und zum Treppensteigen wird der Hund bestenfalls getragen. Hundesportarten, bei denen viel gesprungen wird oder abrupte Richtungswechsel durchgeführt werden, sind für solche Hunde ungeeignet.

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