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Canicross – Zughundesport für Geländeläufe

von Simone Heitmann
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Was ist Canicross?

Canicross im WaldCanicross (Cani = Hund, Cross = Geländelauf) ist eine Hund-Mensch-Sportart, aus dem Zughundesport. Ein Sport für Geländeläufe mit Hund. Die heutigen Zughundesportarten Canicross, Bikejöring, Skijöring, Dogscooting und auch Dogtrekking, kommen ursprünglich aus dem Schlittenhundesport. Beim Canicross läuft  der Hund vor dem Menschen und hält die Leine auf Zug. Der Mensch am Ende der Leine lenkt den Hund durch Kommandos über die Strecke und gibt so den Kurs vor. Der Läufer wird dabei durch einen speziellen Hüftgurt, an dem eine flexible Leine befestigt ist, die wiederum mit dem Hundelaufgeschirr verbunden ist, vom Hund gezogen. Mensch und Hund erreichen so eine hohe Laufgeschwindigkeit. Anders als viele andere boomende Hundesportarten, kommt Canicross weder aus den USA noch aus England. 1988 kam dem französischen Veterinär Gilles Pernoud aus der Region Auvergne-Rhône-Alpes die Idee „Die Fitness und Schnelligkeit von Hunden und ihren Menschen unter Beweis zu stellen“. Er entwickelte gemeinsam mit Studenten der Tiermedizin in Anlehnung aus dem Zughundesport Canicross.

Was ist Canicross?

Canicross ist ein Lauf-Zughundesport durchs Gelände. Mensch und Hund sind mit einer Ruckdämpfer-Leine Verbunden.

Wie funktioniert Canicross?

Beim Canicross läuft der Hundeführer hinter seinen Hund her. Der Hund läuft voraus und unterstützt und beschleunigt seinen Menschen. Der Mensch folgt also dem Hund – mal eine etwas andere Rollenverteilung. Denn anders als auf normalen Gassirunden, darf der Hund so richtig an der Leine ziehen. Der Hundeführer versucht ebenfalls, seinen Hund in jeder Situation, ob bergauf oder bergab, zu unterstützen und zu entlasten, damit dieser in seinem Tempo bei Durchschnittsgeschwindigkeiten von circa 16 km/h rennen kann. Ein echter Teamsport also.

Canicross als Wettbewerb

Bei Canicross-Events kann man mit zwei Zughunden gleichzeitig am Gürtel starten. Die Mensch-Hund-Teams starten einzeln in zeitlichem Abstand, in Staffeln, im Massen- oder Verfolgungsrennen. Unterschieden werden verschiedene Streckenlängen von:

  • Sprintstrecke bis zu 1.000 Metern
  • Kurzstrecke zwischen 1.000 und 3.000 Metern
  • Langstrecke zwischen 3.000 und 10.000 Metern (maximal)

Die bekanntesten Veranstaltungen für Hobby-Zughunde-Sportler sind die Strongdog-Events. Meist starten dort die Disziplinen Canicross, Bikejöring, Dogscooting und Dogtrekking.

Frau macht Canicross mit Hund

Anders als auf normalen Gassirunden, darf der Hund beim Canicross so richtig an der Leine ziehen.

Was bewirkt Canicross beim Hund?

Die körperliche Auslastung für den Hund ist bei allen Zughundesportarten enorm. Daher ist es auch extrem wichtig, dass der Hund hochwertig ernährt wird und regelmäßig bei der Physiotherapie ist. Mit dem üblichen Hundefutter ist es da nicht getan. Für aktive Zughunde gibt es Spezialfutter, das auf diesen Extremsport abgestimmt ist.  

Canicross ist eine Temperatur abhängige Sportart. Grundsätzlich reagieren Hunde sehr empfindlich auf höhere Temperaturen. Schnelles Laufen bei hohen Temperaturen gefährdet ihre Gesundheit und ihr Leben. Bei einer Außentemperatur von 15 Grad Celcius sollte daher kein Hund mehr körperlich hochaktiv sein. Und insbesondre nicht bei Zugsportarten, wo schnell und über einen längeren Zeitraum hohe Geschwindigkeiten von bis zu 30 km/h erreicht werden, wie zum Beispiel beim Bikejöring. Wettbewerbe in dieser Hundesportart werden in der Regel nur bis zu 20 Grad Celsius ausgetragen.

Wie bei allen Hundesportarten wird die Konzentration des Hundes gefördert und gefordert. Die gemeinsame Aktivität des Mensch-Hund-Teams und das Lernen, sich aufeinander verlassen zu können, stärkt zudem das Band zwischen Mensch und Hund.

Welches Geschirr für Canicross?

Es gibt zwei unterschiedliche Geschirre im Hundezugsport - ein Zuggeschirr und eine Führgeschirr. Welches sich besser eignet, hängt vom Hundekörper und Wohlbefinden des Hundes ab.

Welche Hunde eignen sich für Canicross?

Ob Pudel, Setter oder Mischling, im Grunde kann jeder Hund, der keine Herz-Kreislauf Probleme oder andere gesundheitliche Einschränkungen hat, beim Canicross mitmachen. Lauffreudigkeit, ein starker Vorwärtsdrang und energiegeladen sind gute Voraussetzungen für den Zughundesport. Die Rasse ist eigentlich egal. Martina Schmid, einer der erfolgreichsten Canicross-Läuferinnen, läuft zum Beispiel auch mit einem Cocker-Spaniel.

Aber wie in anderen Hundesportarten auch, zeigt sich ebenfalls beim Canicross, dass sich einige Hunderassen aufgrund ihrer genetischen Eigenschaften für diese Sportart besonders gut eignen.

Welche Hunderassen eignen sich besonders gut?

So wie sich im Agility-Sport Border Collies, Australian Shepherds und ähnliche Hütehunde als besonders talentiert in den höheren Turnierklassen zeigen, stechen im Canicross die „Hounds“ als erfolgreiche Zughunde hervor. Hounds können Deutsch-Kurzhaar-Vorstehhunde oder English Pointer sein. In der Zughundszene werden aber auch bewusste Kreuzungen dieser Rassen mit Greyhound und Alaskan Huskies verpaart. Ziel dieser Kreuzungen ist es, möglichst passionierte, schnelle, ausdauernde und kräftige Laufhunde mit guten Leithunde-Eigenschaften zu züchten. Als Rasse sind diese Mischlinge zwar weder vom Fédération Cynologique Internationale (FCI), der weltweiten Dachorganisation für Hundezucht und Hundesport und auch nicht vom Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) anerkannt. Somit gibt es keine Kontrollorganisation, die den Züchtern dieser Hunde auf die Finger schaut. Doch weiß man in der professionellen Zughundeszene sehr genau, wer gute und vor allem, und das ist am aller wichtigsten, gesunde Zughunde züchtet.

Ab wann kann man mit seinem Hund Canicross anfangen

Zuallererst muss der Hund gesund sein und Freude am Laufen haben. Das ist das Wichtigste überhaupt. Daher kann der Sport sowohl mit einem kleinen leichten Hund, als auch mit einem großen schweren Hund ausgeübt werden. Manche professionellen Wettkämpfe setzen allerdings ein Mindestgewicht von 20 kg voraus. Dies sollte aber einen nicht davon abhalten, Canicross privat mit einem leichteren Hund zu betreiben. Der Hund muss mindestens 15 Monate alt sein. Für Laufstrecken, die mehr als 5.000 Meter betragen sogar 18 Monate. Vor dem Beginn des Trainings ist ein Check beim Tierarzt auf jeden Fall sinnvoll.

Canicross Beagle

Der Sport kann sowohl mit einem kleinen leichten Hund, als auch mit einem großen schweren Hund ausgeübt werden.

Voraussetzungen: Was muss ich als Hundeführer erfüllen?

Ob man Anfänger in diesem Sport ist oder schon länger dabei ist, bei Canicross ist die körperliche Fitness von Mensch und Hund sehr wichtig. Canicross ist durchaus als Leichtathletiksport mit Hund zu verstehen. Herz-Kreislauf- oder orthopädische Probleme sollten sowohl beim Menschen als auch beim Hund ausgeschlossen werden. Und bevor man beginnt, sich vom Hund ziehen zu lassen, sollte bereits auch schon eine gute Kondition vorhanden sein. Denn das wichtigste ist immer, dass man als Hundeführer auch für die Gesundheit des Hundes verantwortlich ist. Stürze oder Stolpern des Läufers können auch den Hund in Mitleidenschaft ziehen.

Tipps zum Start: So lernst Du mit Deinem Hund Canicross

Wie bei jeder Hundesportart, sollte man ohne Stress und entspannt das Training beginnen. Jegliche Anspannung des Menschen überträgt sich sofort auf den Hund. Das neue und ungewohnte für den Hund beim Canicross wird sein, dass er anders als sonst, nun an der Leine ziehen und vorweg laufen soll. Auch gibt es bestimmte Ruf-Kommandos, die er richtig befolgen muss, ohne seinen Menschen dabei anzuschauen oder auf Handzeichen zu reagieren.

Die Kommandos im Canicross

Kommando

Bedeutung

Go

Der Hund läuft los

Stopp

Der Hund stoppt

Links / Haw

Der Hund läuft links

Rechts / Gee

Der Hund läuft rechts

Voran / straight

Der Hund läuft gerade aus

Vorbei / on by

Der Hund umläuft ein Hindernis

Langsam / easy

Der Hund drosselt das Tempo

Line out

Der Hund hält die Leine im Stehen auf Zug

Canicross ist Leichtathletik mit Hund. Man kann sich bestimmt vieles Anlesen und selbst beibringen. Mehr Spaß und Freude hat man aber, wenn man sich gemeinsam mit Gleichgesinnten von einem Profi anleiten lässt. Auch im Sinne der Hundegesundheit ist es besser, wenn ein erfahrener Canicross-Läufer den Einstieg in diesen anspruchsvollen Hundesport begleitet.

Hundesportvereine mit einer Zughunde-Sparte sind noch nicht so viel vertreten. Aber dieser Bereich wächst. Auch die klassischen Hundeschulen bieten eher selten diese Sportart an. Trainer für den Zughundesport mit eigenen Schulen und Kursangeboten findet man aber schnell im Netz. So findet man fachgerecht den Einstieg in den Zughundesport und kann sich auch auf Wettbewerbe richtig vorbereiten lassen.

Welche Hunde eignen sich für Canicross?

Nur gesunde und lauffreudige Hunde eignen sich für Canicross. Größe oder Rasse ist dabei zunächst zweitrangig.

Canicross Ausrüstung für den perfekten Start

Eine hochwertige Canicross-Ausrüstung ist neben der Fitness von Mensch und Hund sehr wichtig. Die Ausrüstung besteht aus einem Laufgürtel auch Runner-Pants genannt, der vom Menschen umgeschnallt beziehungsweise hineingestiegen wird und der durch einer Rückdämpferleine mit dem Hund verbunden ist. Fürs Training kann maximal eine zwei Meter Leine benutzt werden. Im Wettbewerb wird meist die Länge von 1,90 Meter vorgeschrieben. Dem Hund wird ein spezielles Caniross-Zuggeschirr angelegt, das dem Geschirr von Schlittenhunden ähnlich ist. Dabei kann man zwischen einem Zuggeschirr und einem Führgeschirr wählen, je nachdem, welches am Körper des Hundes besser sitzt. Das spezielle Zuggeschirr sitzt so am Hundekörper, dass die Lunge des Hundes nicht belastet wird und keine Druckpunkte entstehen. Das Zuggeschirr darf den Hund weder behindern noch seine Leistungsfähigkeit einschränken und schon gar nicht auf dem „Dip“ liegen, einer empfindlichen Stelle auf dem Rückgrat des Hundes. Bei regelmäßigem Training baut der Hund Muskelmasse auf, daher sollte der Sitz des Zuggeschirrs regelmäßig überprüft werden. Bei der Auswahl des richtigen Geschirrs, sollte man sich Zeit nehmen und sich von Spezialisten aus dem Zughundesport beraten lassen.

Canicross in der Natur

Glücklicher Hund mit Herrchen beim Canicross.

Damit weder Mensch noch Hund sich beim Laufen verletzen, sollte man nur mit einem Hüftgurt laufen, der einen sogenannten Panikhaken hat. Mit diesem Panikhaken kann man die Verbindung mit dem Hund sofort lösen und Verletzungen für beide Läufer minimieren, sollte man ins Stolpern oder gar ins Fallen kommen. Bei offiziellen Rennen ist ein Panikhaken sowieso vorgeschrieben. Durch den Zug des Hundes können beim gemeinsamen Laufen hohe geschwindigkeiten erreicht werden. Die Durchschnittsgeschwindigkeit bei einem erfahrenen Canicross-Läufer liegt bei 16 Km/h. Beim Bergablaufen, kommen noch mal schnellere Geschwindigkeiten zustande.

Canicross wird meist auf unebenen Waldboden gelaufen, daher ist für den zweibeinigen Läufer ein Laufschuh mit Speedcross Profil nötig. Aber auch für den vierbeinigen Läufer gibt es fürs Training Hundebooties, die auch Hundeschuhe genannt werden, die vor Verletzungen auf Split, Geröll oder Eis schützen. Als verantwortungsvoller Canicross-Läufer, sollte man die vier kleinen Füßlinge für seinen Fellpartner bei jedem Run im Rucksack dabeihaben.

Fazit: Eignet sich mein Hund für Canicross?

Egal ob groß oder klein, Rassehund oder Mischling – ein gesunder Hund, der lauffreudig ist wird Spaß an Canicross haben. Ein großer Vorteil ist auch, wenn der Hund kein Jagdverhalten zeigt. Denn im Laufen plötzlich weggezogen zu werden, weil der Hund, statt auf der Strecke zu bleiben, plötzlich einem Hasen folgen muss, kann unangenehme Verletzungen zu Folge haben. Und möchte man mit seinem Hund an Canicross-Events teilnehmen, sollte er zudem auch schusssicher sein. Den jeder Start erfolgt mit einem Schuss.

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