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Mittelmeerkrankheit beim Hund

von Michael Hein
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Die Bezeichnung „Mittelmeerkrankheit“ ist ein Oberbegriff, unter dem mehrere unterschiedliche Erkrankungen von Hunden zusammengefasst werden. Da sowohl die Erreger dieser Krankheiten als auch deren Überträger vornehmlich in den warmen Regionen entlang des Mittelmeeres in Süd- und Osteuropa vorkommen, hat sich dieser Begriff Mittelmeerkrankheit beim Hund etabliert. Angesichts der auch hierzulande steigenden Temperaturen und durch Hunde, die entweder in den Urlaub mitgenommen oder aus den Mittelmeerländern adoptiert werden, breiten sich diese Mittelmeerkrankheiten bei Hunden aber zunehmend auch in Mitteleuropa aus. Da einige von ihnen auf den Menschen übertragbar sind, ist es besonders wichtig, Verdachtsfälle schnellstmöglich abzuklären.

Definition – Welche Mittelmeerkrankheiten beim Hund gibt es und welche Symptome treten auf?

Unter dem Begriff „Mittelmeerkrankheiten“ werden gleich mehrere Erkrankungen zusammengefasst, die vornehmlich Hunde im tropischen und subtropischen Klima, etwa in Ländern in Süd- und Ost-Europa befallen und zum Teil auch für den Menschen ansteckend sind. Die Erreger und Überträger dieser Krankheiten sind vielfältig und sehr unterschiedlich.

Leishmaniose

Diese wohl bekannteste Mittelmeerkrankheit bei Hunden wird durch einzellige Parasiten (= Leishmanien) ausgelöst, die über den Stich der Sandmücke auf den Hund, andere Tiere oder auch den Menschen übertragen werden. Im Körper des infizierten Wirtes befallen die Leishmanien bestimmte Zellen, die sogenannten Makrophagen, welche vor allem in der Haut, in inneren Organen und im Blut vorkommen.

Eine Infektion kann monate- bis jahrelang ohne Symptome bleiben. Dennoch ist ein solchermaßen infizierter Hund ein Infektionsrisiko für andere Lebewesen. Wird er von einer Mücke gestochen, nimmt diese die infizierten Zellen aus dem Blut des Hundes auf und überträgt sie dann auf ihr nächstes Opfer. Vereinzelt sind auch Schmierinfektionen über Hautverletzungen oder den Speichel infizierter Tiere möglich. Da sich mit zunehmend wärmeren Temperaturen die Sandmücke inzwischen auch in Mitteleuropa ausbreitet, sind direkte Krankheitsübertragungen auch auf Hunde, die nie nach Südeuropa gereist sind, möglich. Symptome einer Leishmaniose beim Hund sind:

  • Fieberschübe
  • gestörtes Allgemeinbefinden
  • Appetitlosigkeit/Abmagerung
  • Durchfall
  • Hautentzündungen mit Schuppenbildung
  • Haarausfall v.a. an der Nase, den Ohren und rund um die Augen
  • Entzündungen des Krallenbettes mit übermäßigem Krallenwachstum
  • bei Befall innerer Organe Schmerzen im Bauchraum
  • blutiger Kot und/oder Urin
  • Blutarmut
  • Vergrößerung der Lymphknoten
  • Augenentzündung
  • Gelenkentzündungen (Polyarthritis)

Wird eine Leishmaniose nicht rechtzeitig therapiert, führt die Erkrankung häufig zum Tod des Hundes. Aber auch bei einer intensiven medizinischen Behandlung ist die Prognose für das betroffene Tier oft schlecht, da die Krankheit in Schüben immer wieder auftritt und eine vollständige Heilung nur selten erreicht werden kann.

Was sind Mittelmeerkrankheiten bei Hunden?

Unser diesem Begriff werden unterschiedliche Hundekrankheiten zusammengefasst, die vor allem in Ländern des Mittelmeerraumes vorkommen.

Ehrlichiose

Diese auch unter dem Namen „Zeckenfieber“ bekannte Erkrankung wird von dem Bakterium Ehrlichia canis (oder auch „Rickettsia“) hervorgerufen, welches durch Zecken auf den Hund übertragen wird. Vor allem bei Welpen oder Hunden mit einem geschwächten Immunsystem kommt es zu Krankheitserscheinungen. Ursprünglich kam die Braune Hundezecke in Afrika vor, hat sich aber mittlerweile über den gesamten Mittelmeerraum verbreitet und tritt durch Einschleppung über Hunde aus dortigen Ländern auch bei uns vermehrt auf. In durchgehend beheizten Bereichen, etwa in Tierheimen, Hundezuchten oder auch in Wohnungen kann die Zecke ganzjährig überleben und so die Erreger des Zeckenfiebers auch hier weiter verbreiten. Je schneller die Zecke vom Hund entfernt wird, desto geringer ist das Ansteckungsrisiko. Etwa drei Wochen nach der Erregerübertragung zeigen Hunde erste Symptome:

  • Hohes Fieber bis 41°
  • Appetitlosigkeit/Erbrechen/Durchfall
  • schleimig-eitriger Nasen- und Augenausfluss
  • Lymphknotenschwellungen
  • Atemnot
  • Muskelzuckungen/Krämpfe
  • Gelenkentzündungen
  • Lähmungserscheinungen

Während bei manchen Hunden die Erkrankung nach etwa 6-15 Wochen spontan abheilt, kommt es bei anderen zu einem chronischen Verlauf mit Veränderungen an Knochenmark und Blutbild, schweren Organschäden, Erblindung und schließlich Tod des Hundes.

Mittelmeerkrankheit Hund: Zecke im Fell

Die Mittelmeerkrankheit Ehrlichiose wird über Zecken auf den Hund übertragen.

Babesiose

Babesien sind einzellige Parasiten, welche im Blut des Hundes die roten Blutkörperchen befallen, sich dort vermehren und diese so zerstören. Übertragen werden sie durch Zecken vor allem in südlichen Ländern des Mittelmeerraumes, aber inzwischen vermehrt auch in der Schweiz, Norditalien oder Süddeutschland. Für Menschen ist die Krankheit nicht ansteckend. Die Erkrankung wird auch als „Hundemalaria“ bezeichnet. Zu ersten Symptomen kommt es etwa 10-20 Tage nach der Infektion, dann folgt eine kurze Ruhephase, in welcher die Parasiten nicht im Blut nachgewiesen werden können. Nach etwa 14 Tagen kommt es zu erneuten Symptomen, und je nach Schwere der Erkrankung wechseln sich nun immer wieder Ruhe- und akute Krankheitsphasen ab oder der Hund stirbt an den Symptomen:

  • Hohes Fieber bis 42°
  • Apathie und Schwäche
  • Blutarmut mit blassen Schleimhäuten
  • Gelbsucht infolge Leberschädigung
  • rot oder grünlich verfärbter Harn durch Nierenschäden
  • Milzvergrößerung

Tödliche Verläufe kommen vor allem bei kranken und geschwächten Hunden oder sehr jungen Welpen vor. Ist der Krankheitsverlauf eher mild, kann oft mit Medikamenten eine Besserung oder gar Heilung erzielt werden. Schwere Verläufe erfordern eine Bluttransfusion, um die Zerstörung der roten Blutkörperchen abzufangen, die Erfolgsaussichten sind dann aber meist schlecht.

Was kostet ein Test auf Mittelmeerkrankheiten bei Hunden?

Die Kosten für einen Test sind abhängig von der zu testenden Erkrankung. Im Schnitt muss mit 50-100 Euro gerechnet werden.

Borreliose

Die auch als Lyme-Borreliose bekannte Erkrankung wird durch Bakterien ausgelöst, welche ebenfalls durch Zecken übertragen werden. Auch der Mensch kann an Borreliose erkranken, allerdings erfolgt keine direkte Übertragung vom Hund. Borreliose ist keine reine Mittelmeerkrankheit beim Hund, da der Erreger auch in vielen Regionen Deutschlands weit verbreitet ist. Je länger eine Zecke am Wirt verbleibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit der Erregerübertragung. In vielen Fällen bleiben die Borrelien in der Haut des Hundes liegen und führen nicht zu Krankheitssymptomen. Stresssituationen oder andere Erkrankungen können allerdings noch Monate oder Jahre später zum Ausbruch der Krankheit führen, was die Diagnose oft erschwert. Typische Symptome bei Hunden sind:

  • Hautrötungen an der Stichstelle
  • Fieber
  • Appetitlosigkeit
  • Schwellung und Schmerzen an Gelenken, Lahmheit
  • geschwollene Lymphknoten
  • Nierenentzündungen (selten)
  • Herzprobleme

Schwere Verläufe können auch zum Tod der Hunde führen. Eine frühzeitige Behandlung mit Antibiotika kann die Krankheit heilen.

Kranker Hund wird gestreichelt

Gegen alle durch Zecken übertragene Krankheiten hilft am besten eine wirksame Parasiten-Prophylaxe.

Welche Medikamente werden bei Mittelmeerkrankheiten bei Hunden eingesetzt?

Die Behandlung ist abhängig vom Erreger – gegen Bakterien werden Antibiotika eingesetzt, parasitäre Erkrankungen wie Leishmaniose oder Babesiose erfordern den Einsatz völlig anderer Medikamente.

Diagnose einer Mittelmeerkrankheit beim Hund

Werden Hunde aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland verbracht, empfiehlt sich in jedem Fall eine vorherige Untersuchung auf das mögliche Vorliegen einer der genannten Erkrankungen. Es stehen verschiedene Bluttests zur Verfügung, mit denen entweder ein direkter Erregernachweis oder ein Antikörpernachweis erfolgen kann. Allerdings sind diese Tests nur bedingt aussagekräftig, da ein negatives Ergebnis eine Infektion nicht in jedem Fall ausschließt. Weitere Tests zu späteren Zeitpunkten sollten folgen. Wer einen Hund aus Süd- oder Osteuropa adoptieren möchte, sollte sich aber in jedem Fall schriftlich die erfolgten Blutuntersuchungen nachweisen lassen

Möglichkeiten der Vorbeugung

Gegen alle durch Zecken übertragene Krankheiten hilft am besten eine wirksame Parasiten-Prophylaxe. Hierfür stehen verschiedene Präparate zur Verfügung, welche über den behandelnden Tierarzt bezogen werden können. Frei verkäufliche Antiparasitika sind meist geringer dosiert und somit nicht unbedingt wirkungsvoll. Wer seinen Hund mit in den Urlaub im Süden nehmen möchte, sollte unbedingt einen medizinisch wirksamen Zeckenschutz anwenden, der in der Regel auch gegen Flöhe, Mücken und andere Ektoparasiten wirkt.

Gegen Babesiose, Leishmaniose und Borreliose sind mittlerweile auch Impfstoffe auf dem Markt, die eine Erkrankung nur zum Teil verhindern, zumindest aber den Verlauf deutlich abschwächen können.

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