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Babesiose beim Hund – Alles über die Mittelmeerkrankheit

von Michael Hein
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Babesiose beim Hund, auch als „Hundemalaria“ bekannt, wird durch Blutparasiten (Babesien) hervorgerufen, welche die roten Blutkörperchen befallen und zerstören. Übertragen werden die Parasiten durch Zecken. Galt die Babesiose (oder auch Piroplasmose) des Hundes lange Zeit als Reisekrankheit, die nur in südlichen Ländern vorkam, so hat der Klimawandel in Verbindung mit der wachsenden Zahl importierter Hunde aus dem Ausland dazu geführt, die Erreger bzw. deren Überträger auch in Deutschland heimisch werden zu lassen. Eine akute Babesiose kann binnen weniger Tage zum Tod des befallenen Hundes führen. Alles über Babesiose beim Hund erfährst Du in diesem Artikel.

Babesiose (Hund): Krankheitssteckbrief

Was sind Babesien?

Die Gattung Babesia gehört zu den Einzellern, welche sich als Parasiten in den roten Blutkörperchen ihres Endwirtes vermehren und diese dadurch zerstören. Die bei Hunden vorkommenden Babesien gehören hauptsächlich zur Art Babesia canis, die sich in mehrere Unterarten mit verschiedenen Zwischenwirten unterteilt:

  • Babesia canis canis: Diese hochinfektiöse Unterart ist für die meisten Erkrankungen hierzulande verantwortlich. Der Überträger dieser Einzeller ist die Auwaldzecke, die sich seit einigen Jahren von Nordafrika kommend über Südeuropa, Ungarn und Österreich in ganz Mitteleuropa weit verbreitet hat.
  • Babesia canis vogeli: Die eher seltenen und milder verlaufenden Infektionen mit dieser Unterart treten nach dem Biss der Braunen Hundezecke auf, die bislang hauptsächlich im Norden Afrikas und in Südeuropa verbreitet ist.
  • Babesia canis rossi: Diese Unterart gilt als die am stärksten infektiöse Babesienart für Hunde. Die übertragende Zeckenart kommt aber bislang nur südlich der Sahara auf dem afrikanischen Kontinent vor und spielt hierzulande noch keine Rolle.

Es gibt auch Babesien-Arten, die für andere Säugetiere oder den Menschen gefährlich sein können. Da die jeweiligen Arten aber sehr wirtsspezifisch sind, ist eine Infektion vom Hund auf den Menschen oder umgekehrt ausgeschlossen.

Was sind Babesien?

Es handelt sich um sehr kleine Parasiten, die als Einzeller die roten Blutkörperchen ihres Wirtstieres (Hund) befallen, sich darin vermehren und diese schließlich zerstören.

Babesiose: So infiziert sich der Hund

Für ihren Vermehrungszyklus benötigen Babesien als Zwischenwirte verschiedene Zeckenarten, die sie aber nicht schädigen. Ihre sogenannten Sporozoiten „schlummern“ in der Zecke, bis diese sich an einem Hund festsetzt. Sofort wandern die Erreger in die Speicheldrüse der Zecke weiter und werden nun über den Zeckenspeichel ins Blut des Hundes übertragen, wo sie sich in den roten Blutkörperchen (=Erythrozyten) vermehren und diese schließlich zerstören. 

In der Regel dauert es vom Biss der Zecke bis zur Übertragung der Erreger zwischen 12 und 72 Stunden, daher ist es so wichtig, den Hund nach jedem Spaziergang ausgiebig auf Zecken zu untersuchen und diese schnellstmöglich zu entfernen. Allerdings können Babesien auch direkt von einem infizierten Hund auf einen anderen übertragen werden, etwa bei einer Beißerei durch direkten Blutkontakt oder von der Mutterhündin über die Nabelschnur auf die ungeborenen Welpen.

Babesiose Hund Symptome

In der Regel dauert es vom Biss der Zecke bis zur Übertragung der Erreger zwischen 12 und 72 Stunden.

Symptome der Babesiose beim Hund

Ist es durch einen Zeckenbiss oder durch direkten Kontakt zur Erreger-Übertragung gekommen, treten nach einer Inkubationszeit von etwa 5-7 Tagen (in seltenen Fällen auch bis zu drei Wochen) erste Krankheitssymptome auf. Der Organismus des befallenen Wirtstieres (in diesem Falle des Hundes) versucht, über sein Immunsystem den Erreger zu bekämpfen. Fieber, Appetitlosigkeit und allgemeine Abgeschlagenheit sind erste Symptome. 

Die Zerstörung der Erythrozyten führt zu einer Blutarmut (=Anämie) mit blassen Schleimhäuten, es kann sich Blut im Urin ansammeln (rötliche bis dunkelbraune Färbung). Organschäden an Leber, Milz, Nieren und im Verdauungstrakt führen zu weiteren Beschwerden, etwa Gelbsucht. Wasseransammlungen (= Ödeme) in Geweben, Organen (Lunge) oder Gelenken können auftreten. Viele Hunde zeigen zentralnervöse Ausfälle wie Lähmungen oder Krampfanfälle

Je nach Schwere der Infektion kann eine akute Babesiose innerhalb weniger Tage zum Tod des Hundes führen. Vor allem sehr junge, alte oder vorerkrankte Hunde sind von solch schweren Verläufen betroffen. In seltenen Fällen sterben infizierte Hunde bereits nach ein bis zwei Tagen, ohne überhaupt deutliche klinische Symptome entwickelt zu haben.

In Gebieten, in denen Babesien und ihre Überträger besonders häufig vorkommen, entwickeln Hunde oft Antikörper gegen die Erreger. Hündinnen geben diese über die Muttermilch an ihre Welpen weiter, sodass diese weitgehend gegen eine akute Erkrankung geschützt sind, nicht jedoch gegen den Babesien-Befall an sich. Solche Hunde zeigen dann einen unspezifischen, chronischen oder auch subklinischen Verlauf, können aber über ihr Blut die Erreger wieder an eine saugende Zecke abgeben, die dann erneut als Überträger weitere Hunde ansteckt. Schlechter Ernährungszustand, immer wieder auftretende Fieberschübe oder allgemeine Abgeschlagenheit können Anzeichen für eine chronische Babesiose sein.

Ist Babesiose ansteckend für Hunde?

Babesiose oder auch Hundemalaria wird über den Biss von Zecken auf den Hund übertragen und führt innerhalb weniger Tage bis Wochen zu schweren Krankheitssymptomen, schlimmstenfalls zum Tod des Hundes.

Diagnose der Babesiose

War vor einigen Jahren noch ein vorangegangener Aufenthalt im südeuropäischen Ausland ein erster wichtiger Hinweis auf eine Infektion mit Babesien, so gilt dies durch die zunehmende Ausbreitung der Zwischenwirte nach Mitteleuropa heute nicht mehr. Immer häufiger erkranken auch Hunde, die Deutschland niemals verlassen haben. Daher ist es wichtig, bei ersten unspezifischen Krankheitsanzeichen auch an eine Babesiose zu denken.

Besteht der Verdacht, dass der Hund sich mit Babesien angesteckt hat, wird der Tierarzt neben der üblichen Allgemeinuntersuchung und Befragung des Hundehalters zu den beobachteten Symptomen weitere Diagnosemöglichkeiten nutzen. Im Blutbild zeigt sich die Zerstörung der roten Blutkörperchen durch einen stark erniedrigten Hämatokrit-Wert. Vor allem die mikroskopische Untersuchung einer Blutprobe kann in der Regel etwa eine Woche nach der Infektion einen direkten Erregernachweis erbringen. Noch früher bringt der PCR-Nachweis Aufschluss, der allerdings in der Regel über ein externes Labor durchgeführt wird. Der Nachweis von Antikörpern im Blut des Hundes ist dagegen erst im späteren Krankheitsverlauf möglich und daher eher bei chronischen Krankheitsverläufen sinnvoll.

Babesiose: Hund im Laub

Wichtig ist, seinen Hund nach jedem Spaziergang auf Zecken zu untersuchen.

Behandlung der Babesiose beim Hund

Der in unseren Breiten meist akute, lebensbedrohliche Verlauf einer Babesien-Infektion macht einen zeitnahen Therapiebeginn nötig. Je nach Schwere der Symptome muss der Hund zunächst unmittelbar stabilisiert werden, bevor die eigentliche Therapie beginnen kann. Bei Vorliegen einer hochgradigen Anämie kann eine Bluttransfusion notwendig sein.

Zur Behandlung einer Babesiose wird dem Hund ein Medikament mit dem Wirkstoff Imidocarb subkutan verabreicht. Eine zweite Injektion im Abstand von zwei Wochen führt bei rechtzeitigem Behandlungsbeginn meist zum Absterben aller Parasiten und zur vollständigen Erholung des Patienten. Wichtig ist, dass die Krankheit frühzeitig richtig diagnostiziert und die Behandlung schnellstmöglich eingeleitet wird. Eine erfolgreiche Behandlung mit Imidocarb führt zu einer etwa ein bis zwei Jahre andauernden Immunität des Hundes gegen Babesien. Danach kann er bei erneutem Kontakt mit dem Erreger auch wieder erkranken.

Was hilft gegen Babesien beim Hund?

Ist der Hund bereits an einer Babesiose erkrankt, muss schnellstmöglich die Therapie eingeleitet werden. Ein Mittel mit dem Wirkstoff Imidocarb tötet die Erreger im Blut des Hundes ab. Vorbeugend sollte der Hund von Frühjahr bis Herbst mit speziellen Präparaten behandelt werden, die Zecken fernhalten oder unmittelbar nach dem Zubeißen am Hund abtöten. So wird die Übertragung der Babesien über den Zeckenspeichel ins Blut des Hundes verhindert.

Vorbeugung einer Babesiose-Infektion

Als Hundehalter kannst Du das Risiko für Deinen Hund, an einer Babesiose oder Hundemalaria zu erkranken, durch vorbeugende Maßnahmen deutlich vermindern. An erster Stelle steht hier die bestmögliche Vermeidung von Zeckenstichen. Nach jedem Spaziergang in Wald, Feld und Wiese sollte der Hund sofort am ganzen Körper nach diesen Parasiten abgesucht werden. In der Regel dauert es eine Weile, bis die Zecke am Hund einen geeigneten Platz gefunden hat, wo sie ihren Saugrüssel durch die Haut sticht und sich festsaugt. Da die Zecke zu diesem Zeitpunkt aber noch sehr klein ist (etwa stecknadelkopfgroß), kann sie vor allem bei langhaarigen oder dicht behaarten Hunden auch leicht übersehen werden.

Besser und wirksamer ist dagegen die regelmäßige Behandlung des Hundes mit speziellen Präparaten, die als Spot-on, Halsband oder auch in Tablettenform verabreicht werden, sich über die Haut verbreiten und Zecken abhalten oder innerhalb kürzester Zeit nach dem Biss abtöten. So kann die Übertragung der Sporozoiten verhindert werden. 

Auch ein Impfstoff für Hunde wurde entwickelt, der zumindest gegen einige Babesienarten einen gewissen Schutz bietet. Soll der Hund mit in den Urlaub in ein besonders risikobehaftetes Gebiet reisen, kann eine solche Impfung zusätzliche Sicherheit geben. Wenngleich es keinen 100%igen Schutz vor der Infektion gibt, wird zumindest ein abgemilderter Krankheitsverlauf erreicht. 

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