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Obedience – Übungen und Tipps zum Start

von Simone Heitmann
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Obedience und Rally Obedience sind zwei Hundesportarten, die zum Ziel haben, die Bindung eines Mensch-Hund-Teams zu fördern und zu stärken. Dabei meistern Hund und Mensch mit Spaß, Freude und positiver Verstärkung gemeinsam Aufgaben. Alles über die Hundesportart Obedience erfährst Du in diesem Artikel.

Was ist Obedience?

Obedience wird auch als die „Hohe Schule“ des Hundesports bezeichnet. Aus dem englischen übersetzt bedeutet es Gehorsam. Ihren Ursprung hat diese Hundesportart, wie auch Agility, in England. In Obedience absolviert ein Mensch-Hund-Team Aufgaben, die durch einen sogenannten Ring-Steward zuvor angesagt werden.

Neben dem Ausführen der Kommandos: Sitz, Platz, Steh, Bleib, Fuß und Apport, die über Stimme und/oder Sichtzeichen gegeben werden, wird ein kontrolliertes Verhalten des Hundes auf Distanz gefordert. So muss der Hund aus der Entfernung Sitz-, Steh- und Platzkommandos seines Menschen ausführen. Richtungsänderungen auf Anweisung annehmen oder aus drei ausgelegten Apportierhanteln, die ihm angezeigte apportieren.

In Wettbewerben wird in den Klassen Beginner, Obedience 1 bis 3 geprüft. Die geforderten Aufgaben sind im Wettbewerb sehr vielfältig. Neben Freifolge, Apportieren, Voraussenden in ein am Boden gekennzeichnetes Quadrat, Positionswechsel auf Distanz wird auch das Überwinden einer Hürde gefordert. Weiterhin eine Geruchsidentifikation und eine Gruppenübung, in der der Hund seine Sozialverträglichkeit gegenüber anderen Hunden und Menschen unter Beweis stellen muss.

Bei Obedience-Wettbewerben wird die schnelle und exakte Ausführung einer Übung bewertet, wie auch das harmonische Miteinander des 6-beinigen Teams. Laute oder grobe Ansprache des Hundes sind verpönt und führen zu Punktabzug.

Was ist Obedience für Hunde?

Obedience und auch Rally Obedience ist Gehirnjogging für Hunde und sollte mit ganz viel Spaß und Freude vom Mensch-Hund-Team ausgeführt werden.

Was ist Rally Obedience?

Bei Rally Obedience, von Fans auch Rally O genannt, steht ebenfalls die perfekte Kommunikation und die partnerschaftliche Zusammenarbeit des Mensch-Hund-Teams im Vordergrund. In Deutschland zählt Rally Obedience zu den jüngeren Hundesportarten, die in Hundeschulen oder Hundesportvereinen angeboten wird. Wie viele neue Sportarten für Hunde kommt Rally O aus den USA.

Obedience Gehorsamkeitstraining

Und so funktioniert Rally Obedience:

Anders als beim Obedience, wird beim Rally Obedience ein Parcours aus mehreren Stationen gebaut. Der Rally-Parcours wird vom Richter entworfen und besteht aus durchschnittlich 17-23 Stationen. Ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd, sind bei den Stationen Schilder aufgestellt, die dem jeweiligen Mensch-Hund-Team in Bildern und Symbolen anzeigen, was zu tun ist und in welche Richtung es schließlich weitergeht. Der Hundeführer nimmt nun seinen Hund bei Fuß und arbeitet den Parcours möglichst schnell und präzise ab.

Das Schöne beim Rally Obedience ist, dass Mensch und Hund während ihrer Aufgabenbewältigung im Parcours jederzeit miteinander kommunizieren dürfen. Der Hund darf immer angesprochen, motiviert und gelobt werden.

Im Rally Obedience Parcours sind Übungen wie Sitz, Platz, Steh und auch Kombinationen aus diesen Elementen zu meistern. Es gibt Richtungsänderungen um 90°, 180° und 270° nach rechts und links. Zudem 360° Kreise, die abzuschreiten sind. An einer Station im Parcours wird gefordert, einen Slalom um Pylone zu laufen, an einer anderen Station den Hund über eine Hürde voraus zu senden oder abzurufen. Und wie im althergebrachten Obedience natürlich auch Bleib- oder Abrufübungen. Eine etwas „fiese“ Aufgabe ist die Übung zur Futterverweigerung. Dabei wird das Team an gefüllten Futternäpfen vorbei geschickt, ohne dass der Hund sich bedienen darf. Für Labrador Retriever und Golden Retriever wohl die schwierigste Aufgabe im Rally O.

Unterschied Rally Obedience und regulärem Obedience

  • Die Übungen werden nicht durch einen Ring-Steward angesagt, sondern von Schildern gelesen. 
  • In der Beginner-Klasse darf der Hundeführer selbst entscheiden, ob der Hund mit oder ohne Leine durch den Parcours geführt wird. Auch darf man in der Beginner-Klasse im Turnier noch an den Stationen Leckerli geben. 
  • Beim Rally O gibt es kein Vorausschicken oder Such- und Apportarbeit.
  • Die einzelnen Übungen im Parcours sind wie „Bausteine“ zusammengesetzt.
  • Im amerikanischen Reglement gibt es in einigen Klassen Bleib-Übungen im Sitz oder Platz, während ein anderes Team den Parcours abläuft oder sich der Mensch eine halbe Parcoursseite von seinem Hund entfernt.
Hund im Sprung

Was bewirkt Obedience beim Hund?

Die körperliche und geistige Auslastung des Hundes wird bei beiden Obedience Arten gut gefördert. Ältere Hunde wie auch Hunde mit Handicap können noch Meister in beiden Disziplinen werden. Sowohl beim Obedience als auch beim Rally Obedience wird mit positiver Verstärkung am Hund gearbeitet. Das gemeinsame Arbeiten als Mensch-Hund-Team schafft Vertrauen und Verlässlichkeit nicht nur auf dem Hundeplatz, sondern auch im Alltag. Dies schafft eine gute Bindung zwischen den zwei- und vierbeinigen Partnern.

Was lernt mein Hund bei Obedience?

Richtig ausgeführt und praktiziert stärkt Obedience die Mensch-Hund-Beziehung und das Selbstbewusstsein von Hunden.

Welche Hunde/Hunderassen eignen sich für Obedience?

Obedience, sprich Gehorsam sollte jeder Hund zeigen, egal ob Mischling oder Rassehund. Der Alltag lässt sich mit Gehorsam viel sorgen- und stressfreier für Hund und Mensch gestalten. Somit eignet sich jede Hunderasse für Obedience. Sinnvoll ist, man fängt mit dem Lernen von Gehorsam bereits in Welpenalter an. Aber auch ältere Hunde oder Hunde mit Handicap können und sollten noch Gehorsam lernen. Inwieweit man dann schließlich am Turniergeschehen teilnehmen kann, hängt von der jeweiligen „Good will“ Ausprägung des einzelnen Hundes ab und von der Beharrlichkeit des Hundehalters. Grundsätzlich ist bei Hunden, die am Obedience-Training teilnehmen, jegliche Art von Aggressivität gegenüber anderen Hunden und auch Menschen unerwünscht und wird auch nicht geduldet. Um an Turnieren teilzunehmen, muss der Hund mindestens 15 Monate alt sein.

Obedience-Training ist zudem auch der ideale Einstieg für Rally Obedience. Bei Rally O wird dann aber doch etwas mehr Fitness von Hund und Mensch benötigt. Um Slalom laufen oder über Hürden springen zu können, muss der Hund physisch gesund sein, um mit Spaß und ohne Schmerzen die Übungen zu absolvieren.

Welche Hunde eignen sich für Obedience?

Eigentlich eignen sich alle sozialverträglichen Hunde für Obedience.

Obedience: Hund auf einer Wiese

Voraussetzungen: Das musst Du als Hundehalter mitbringen

Viele Hundeschulen bieten mittlerweile Obedience und Rally Obedience an. Wenn Du aber das Ziel hast, mit Deinem Vierbeiner an Obedience oder Rally Obedience Turnieren teilzunehmen, musst Du Mitglied in einem Hunde-Sportverein sein. Egal für was Du Dich entscheidest, Du solltest Dich in jedem Fall von einem Profi anleiten lassen, um von Beginn an alles richtig zu machen.

Wichtig sind zudem Deine körperliche Fitness sowie eine gute Bindung zu Deiner Fellnase.

Tipps zum Start - So lernt Dein Hund Obedience

Wichtige Grundkommandos

Die Grundkommandos sind bei vielen Hundesportarten gleich. Ob Sitz, Platz, Hier oder Fuß diese Kommandos müssen richtig gut sitzen. Das „Fuß“ gehen wird ausschließlich auf der linken Seite vom Menschen ausgeführt. Der Hund geht dabei dicht am linken Knie seines Menschen, ohne zu überholen oder zurückzufallen. Kleinere Hunde dürfen auch eine sogenannte Individual-Distanz einnehmen, um sich nicht bedrängt zu fühlen oder gar von seinem Menschen aus Versehen mit dem Fuß getreten zu werden. Diese sollte aber nicht mehr als ca. 30 cm haben. Für die rechte Seite wählt man ein anderes Wort; meist wird da tatsächlich auch „Rechts“ benutzt. Es ist wichtig und später im Parcours sehr hilfreich, wenn die Fellnase den Unterschied beider Seiten kennt und befolgen kann.

Für das Training wählt man immer, wenn man mit Leckerlies arbeitet, das ultimative Leckerli des Hundes. Dabei gilt, der Hund entscheidet, was für ihn ultimativ lecker ist und nicht das Werbeversprechen auf der Verpackung. Im Übrigen haben sich Käsewürfel oder Fleischwurst bei Millionen von Trainingshunden als das ultimative Leckerli bewährt.

 

Obedience-Übungen: Beginner bis Fortgeschrittene

Erste kleine Übung für die Gassirunde

Eine kleine Obedience-Übung, die bei jeder Gassirunde als Gehirnjogging für die Fellnase eingebaut werden kann, ist das bei Fuss gehen am Knie.  

  • Nimm ein Leckerli in Deine linke Faust, die locker nach unten hängt.
  • Lass Deinen Hund auf Deiner linken Seite nah am Knie ins Sitz kommen. Wenn er Sitz macht, sofort das Leckerli geben und nächstes Leckerli in die Faust nehmen. Dein Hund hängt nun vermutlich mit seiner Nase an Deine Faust. Tipp: Tu die Leckerlies in eine kleine Bauchtasche. Somit hast Du sie schnell griffbereit.
  • Jetzt machst Du zuerst mit Deinem linken Bein langsam einen Schritt vor und sagst dabei „Fuss“. Dein Hund sollte nun aus dem Sitz aufstehen und den Schritt mit Dir vorwärts gehen. Und schwups, während Du das rechte Bein nachholst, bekommt der Hund auch schon sein nächstes Leckerli zu Belohnung. Geh nun zwei drei Schritte weiter.   
  • Bring Deinen bei Fuss gehenden Hund wieder mit dem Kommando „Sitz“ ins Sitz neben Dein linkes Knie. Wenn er das Kommando befolgt, sofort wieder Leckerli geben.
  • Diese Übung wiederholst Du drei, vier Mal. Dann löst Du die Übung mit einem Lösungswort wie zum Beispiel „Ende“ auf und gehst die Gassirunde ganz normal weiter.
  • Nach circa zehn Minuten wiederholst Du die Übung erneut.

Erst wenn Du Dir sicher bist, dass diese kleine Sequenz sicher sitzt, nimmst Du weitere Schritte hinzu, bevor Dein Hund sein Leckerli erhält.

Gehorsamtraining

Zweite kleine Übung für die Gassirunde

Wenn Du es nun mit der ersten kleinen Übung zum „Fuss“ gehen geschafft hast, dass Dein Hund mindestens 20 Schritte mit Dir auf Kniehöhe geradeaus mitgeht, kannst Du einen weiteren kleinen Baustein aus dem Obedience aufbauen. Die Drehungen von 90°  

  • Nimm Deinen Hund wieder auf die linke Seite, so dass er wieder mit dem Kopf auf Höhe Deines Knies ist und geh mit ihm „Fuss“
  • Deine Leckerli-Faus ist direkt vor der Nase deines Hundes.
  • Nach zwei, drei Schritten im „Fuss“ machst Du nun eine exakte 90°-Drehung nach rechts und gehst einfach in die neue Richtung weiter. Diese Drehung leitest Du am sinnvollsten mit Deinem linken Bein ein. Dein Hund sollte Dir unbeirrt folgen, schließlich ist seine Nase ja an Deiner Leckerli-Faust angedockt. Tut er das, gibt es natürlich für dieses richtige Verhalten sofort das Leckerli.
  • Mach dazu drei bis vier Wiederholungen und gib den Hund dann wieder aus der Übung frei. Lass ihn zehn Minuten über die neue Übung nachdenken und wiederhole sie dann mit drei bis vier Einheiten.
  • Erst wenn die 90°-Rechtsdrehung super funktioniert. Solltest Du mit der 90°-Linksdrehung anfangen zu üben.
  • Diese Übung ist etwas schwieriger, da Du Dich in Deinen Hund reindrehen musst, da er ja an Deiner linken Seite geht.
  • Die Linksdrehung leitest Du daher am einfachsten mit dem rechten Bein ein. Dies stoppt quasi den Vorwärtslauf Deines Hundes und gibt ihm die neue Richtung an.  
  • Mach dazu drei bis vier Wiederholungen und gib den Hund dann wieder aus der Übung frei. Lass ihn zehn Minuten über die neue Übung nachdenken und wiederhole sie dann wieder mit drei bis vier Einheiten.

Tipp: Je exakter Du in Deiner Oberkörper- und Fußausrichtung nach rechts und links bist, desto einfacher machst Du es Deinem Hund, Dir zu folgen.

Ausrüstung für den perfekten Start in Obedience

Möchtest Du Obedience mit Deinem Hund auf regelmäßig betreiben, sollte natürlich auch die Ausrüstung stimmen. Zu der perfekten Ausrüstung gehören:

  • Boxband
  • Hürde
  • Markierungshütchen
  • Suchholz
  • Apportel

Fazit - Eignet sich mein Hund für Obedience?

Jedes Mensch-Hund-Team kann Obedience machen. Es ist eine tolle Beschäftigung für Zwei- und Vierbeiner und schweißt richtig zusammen. Wenn man es eher ruhig mag, ist man besser beim klassischen Obedience aufgehoben. Wenn man es ein bisschen actionreicher möchte und vielleicht auch mit dem Hundesport Agility liebäugelt, sollte man es mit Rally Obedience versuchen. Aber egal für welchen Hundesport man sich entscheidet, das Schönste ist doch, dass man die beste Zeit im Leben mit seiner Fellnase verbringt.

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