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Westfälische Dachsbracke

von Marcel Hammerich
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Die Westfälische Dachsbracke mit nur 30 bis 38 cm Schulterhöhe ist der einzige Niederlaufhund aus Deutschland. Der kleine Jäger wurde ursprünglich gezüchtet, weil sich die Jagdreviere verkleinert hatten und die Jagd mit hochläufigen Brackierhunden nicht mehr praktikabel war. Die freundlichen und aktiven Stöber- und Apportierhunde dienen heute auch gern als Familienhunde und werden zu den besten Kameraden aller Kindern, die schon verantwortungsvoll mit Tieren umgehen können.

Die Westfälische Dachsbracke wurde im Jahr 1954 international anerkannt und unter der FCI-Standardnummer 100 verzeichnet. Sie gehört zur Sektion 1.3 der kleinen Laufhunde und ist ein Gebrauchshund mit Arbeitsprüfung.

Westfälische Dachsbracke im Steckbrief

Steckbrief
Größe: 30-38 cm
Gewicht: 20-24 kg
FCI-Gruppe: 6: Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen
Sektion: 1.3: Kleine Laufhunde
Herkunftsland: Deutschland
Farben: Rot-Schwarz-Weiß, Gelb-Schwarz-Weiß
Lebenserwartung: 13-14 Jahre
Geeignet als: Jagd-, Begleit- und Familienhund
Sportarten:
Charakter: Furchtlos, Robust, Freundlich, Wachsam
Auslaufbedürfnisse: eher hoch
Sabber-Potential:
Stärke des Haarens:
Pflegeaufwand: gering
Fellstruktur: sehr dicht und grob
Kinderfreundlich: ja
Familienhund: ja
Sozial:

Herkunft und Rassegeschichte

Die Westfälische Dachsbracke ist möglicherweise eine Züchtung aus besonders kurzbeinigen Vertretern der Deutschen Bracke und der inzwischen ausgestorbenen Steinbracke. Nach anderer Ansicht ist diese Rasse aus Kreuzungen hochbeiniger Deutscher Bracken mit anderen Brackenrassen und Dachshunden entstanden. Die Bezeichnung „Dachsbracke“ verwendeten erstmals die Kynologen Otto Grashey und Ludwig Beckmann im Jahr 1886.

In Deutschland erfreute sich die Brackierjagd auf Hirsche, Rehe, Hasen und Füchse über Jahrhunderte großer Beliebtheit. Dabei stöbern die Hunde das Wild lautlos auf und jagen es dann mit lautem Gebell über weite Strecken zu den wartenden Jägern. Im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen durch die Revolution von 1848 verlor der Jagdsport allerdings an Sympathien. Da die traditionellen Jagdhunde der Adligen bei weiten Teilen der Bevölkerung nicht mehr gut angesehen waren, starben zahlreiche Brackenrassen fast oder vollständig aus.

Außerdem führten die Reformen des Jagdrechts und Veränderungen in der Landschaftsstruktur zu verkleinerten Jagdrevieren. Um 1880 versuchten Züchter im rheinisch-westfälischen Gebiet, die Jagdhunde an die veränderten Gegebenheiten anzupassen, und züchteten eine extra kleine, aber dafür stämmige Rasse.

Heute gehört die Westfälische Dachsbracke wegen ihrer schmalen Zuchtbasis zu den gefährdeten Hunderassen. Seit mehreren Jahrzehnten versuchen Züchter daher, frisches Genmaterial einzubringen, indem sie den schwedischen Drever einkreuzen. Diese Rasse entstand aus Westfälischen Dachsbracken, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Skandinavien exportiert worden waren. Die Population der Bracke in Deutschland beläuft sich derzeit auf rund 250 Tiere, jährlich kommen etwa 35 Welpen zur Welt.

Wesen und Charakter der Westfälischen Dachsbracke

Die Westfälische Dachsbracke zeichnet sich durch ihr freundliches Wesen und ihre Verspieltheit aus. Der kleine, energiegeladene Hund braucht ständig Aktivität und liebt es, sich beim Spielen mit seiner Familie auszutoben. Ihm gefallen auch lange Spaziergange, die er mit besonderer Ausdauer meistert.

Westfälische Dachsbracken sind folgsam und leicht erziehbar. Wegen ihres ausgeprägten Geruchssinns lassen sie sich aber durch Gerüche leicht ablenken. Deshalb ist es wichtig, ihren Jagdinstinkt von Beginn an unter Kontrolle zu bekommen und die Vierbeiner frühzeitig an den Befehl „Aus“ zu gewöhnen.

Dressurhunde sind die kleinen Jäger aber nicht, vielmehr lernen sie nur bereitwillig, wenn sie eine enge Bindung zu ihrem Anführer eingegangen sind und dieser sie verständnisvoll anleitet. Die Hunde dieser Rasse sind sehr anhänglich und gehen zu ihrer gesamten Familie eine enge, liebevolle Beziehung ein. Auch andere Hunde und sogar Katzen akzeptieren sie als Familienmitglieder, wenn sie bereits im Welpenalter an sie gewöhnt wurden.

Allein bleibt der aktive Jagdhund nur sehr ungern, lieber begleitet er Herrchen oder Frauchen auf Schritt und Tritt. Aufgrund seiner geringen Größe und seines fröhlichen Naturells lässt er sich gut auf Reisen mitnehmen.

Welchen Charakter hat eine Westfälische Dachsbracke?

Die Westfälische Dachsbracke hat einen freundlichen, verspielten Charakter. Sie ist sehr aktiv, anhänglich und intelligent.

Hunde dieser Rasse

Aussehen der Westfälischen Dachsbracke

Westfälische Dachsbracke in der Natur

Als Fellfarben sind bei der Westfälischen Dachsbracke Gelb bis Rot erlaubt.

Die Westfälische Dachsbracke erreicht eine Widerristhöhe von 30 bis 38 cm und ein Gewicht von 14 bis 15 kg. Somit gehört sie zu den kleinen Hunderassen. Ihr Körper ist länglich und kompakt, die Rute hat an der Spitze einen leichten Bogen und wird entweder hängend oder säbelförmig nach oben getragen. Am lang gezogenen Kopf mit dunklen, freundlichen Augen hängen breite, gut anliegende Ohren. Die Vorderläufe mit nach vorn gerichteten Pfoten wirken von vorn betrachtet gerade. Die sehr viel kräftiger entwickelten Hinterläufe lassen an den Oberschenkeln eine stark entwickelte Muskulatur sehen und sind ebenfalls fast gerade aufgestellt.

Als Fellfarben sind bei der Westfälischen Dachsbracke Gelb bis Rot erlaubt, dazu kommen weiße Abzeichen an Hals, Brust, Läufen und Rutenspitze. Typisch sind außerdem eine weiße Blesse von der Stirn bis zum Nasenrücken oder eine Schnippe, die sich als weiße Fleckchen über der Nase zeigt. Das am Körper kurze und dichte Fell der Westfälischen Dachsbracke ist um den Hals herum und an der Rute etwas länger.

Erziehung und Haltung der Westfälischen Dachsbracke

Die Westfälische Dachsbracke mag keine Langeweile, sie braucht dauernd Betätigung und geistigen Anspruch. Der schlaue Jagdhund ist von Natur aus lernbegierig und leicht erziehbar. Um alle seine Fähigkeiten voll auszubilden, muss er aber von Beginn an gefordert werden. Am besten ist es, wenn er seiner bestimmungsgemäßen Tätigkeit als Jagdhund nachgehen kann. Nebenbei freut er sich über Spaziergänge, intelligente Spiele und anstrengende Hundesportarten.

Eine Westfälische Dachsbracke ist zwar klein, aber wegen ihres häufigen Bellens und ihres Aktivitätsdrangs kein Wohnungshund. Vielmehr braucht er ein Haus mit einem großen Garten und im Idealfall Nähe zur Natur. Der anhängliche Jäger kann zum idealen Familienhund werden und eignet sich auch für rüstige Senioren, die sich täglich zu ausgedehnten Spaziergängen aktivieren lassen möchten. Die geselligen Vierbeiner haben ein sonniges Gemüt, nur wenn sie sich langweilen, können sie leicht zerstörerische Tendenzen zeigen.

Auch ein Anfänger kann diesen fügsamen Hund richtig erziehen, wenn er von Beginn an Konsequenz walten lässt. Wichtig ist, dass er sich an einem Jäger orientiert, der einschlägige Erfahrungen als Brackenführer hat und nicht nur Vorstehhunde ausbildet. Denn die Westfälische Dachsbracke hat noch viele weitere Jagdfähigkeiten als das pure Vorstehen, die frühzeitig geweckt werden müssen. Anderenfalls bleibt eine Menge Potenzial dieses vielseitig begabten Jagdhundes ungenutzt und das Tier fühl sich unterfordert.

Wie viel kostet eine Westfälische Dachsbracke?

Der Preis eines Welpen richtet sich nach dessen Herkunft, Geschlecht und Alter. Die Züchter dieser seltenen Rasse sind vor allem daran interessiert, ihre Tiere einem geeigneten Jäger zu übergeben, der sie weiterhin für die Zucht zur Verfügung stellt. Meist gibt es Welpen dieser Hunderasse aber nicht unter 1.500 Euro.

Ernährung der Westfälischen Dachsbracke

Die Westfälische Dachsbracke braucht keine spezielle Ernährung. Wegen ihres hohen Energieverbrauchs ist aber eine gute Versorgung mit Nährstoffen besonders wichtig. Ob Nass- oder Trockenfutter, es sollte in jedem Fall hochwertig sein und keine Konservierungsmittel oder Geschmacksverstärker enthalten.

Dazu sollten Beilagen aus Obst und Gemüse die nötigen Vitamine liefern. Ist die Nährstoffzufuhr zu gering, kann der Hund schnell an Mangelerscheinungen leiden. Wer genug Zeit hat, bereitet das Futter am besten immer selbst zu. Auch wenn diese Rasse nicht zu Übergewicht tendiert, sollte man die Futtermenge stets im Blick haben und diese optimal an das Aktivitätslevel des Hundes anpassen.

Gesundheit – Lebenserwartung & häufige Krankheiten

Eine Westfälische Dachsbracke hat eine Lebenserwartung von 10 bis 13 Jahren und erfreut sich einer robusten Gesundheit. Tiere, die viel Bewegung und Auslauf bekommen, neigen auch nicht zu Übergewicht. Allenfalls im Alter bei nachlassendem Aktivitätsdrang setzen sie vermehrt Fett an.

Hunde dieser Rasse leiden gelegentlich unter einer Ohrenentzündung, auch Otitis genannt. Typische Anzeichen dieser mit Juckreiz verbundenen bakteriellen Erkrankung sind häufiges Kratzen, Schiefhalten des Kopfes und Versuche, die Ohren an Gegenständen oder Möbeln zu reiben. Beim Verdacht auf eine Ohrenentzündung muss die Westfälische Dachsbracke umgehend zum Tierarzt, denn ohne Behandlung besteht die Gefahr einer Entzündung des Innenohrs mit schwerwiegenden Folgen.

Westfälische Dachsbracken sind als Jäger an schlechte Wetterlagen gewöhnt und haben mit Kälte keine Probleme. Hitze vertragen die Bracken allerdings nicht gut, an heißen Tagen muss ihre Aktivität deutlich gedrosselt werden. Spaziergänge sollten hier auf die frühen Morgen- oder die späten Abendstunden reduziert werden.

Wie alt wird eine Westfälische Dachsbracke?

Die reinrassige Westfälische Dachsbracke wird 10 bis 13 Jahre alt und erfreut sich einer stabilen Gesundheit.

Pflege der Westfälischen Dachsbracke

Die Westfälische Dachsbracke ist äußerst pflegeleicht, ihr kurzes Fell sollte allerdings einmal täglich gebürstet werden. Zu auffälligem Haarausfall neigen die Tiere nicht, auch der Fellwechsel dieser Hunderasse fällt nicht so stark aus. Wegen der Gefahr einer Otitis empfieht es sich, die langen Ohren der Bracken regelmäßig von allen Seiten und von innen zu kontrollieren.

Westfälische Dachsbracke – Aktivitäten und Training

Der Laufhund braucht jede Menge Bewegung, am liebsten im Wald. Die Westfälische Dachsbracke wurde vor allem für die Jagd auf Kaninchen, Hasen und Füchse gezüchtet, kann aber auch für die Schalenwildjagd (Schwarzwild, Rehwild etc.) verwendet werden. Am besten wird dieser Hund seiner Bestimmung gemäß jagdlich geführt, damit er seine Fähigkeiten voll ausprägen und nutzen kann.

Abseits des Jagdreviers sollten seine Instinkte zum Stöbern und Apportieren durch Spiele und Hundesport wachgehalten werden. Bei der Wahl des Hundesports sollte vor allem darauf geachtet werden, dass die Aktivität Halter und Hund gleichermaßen Spaß macht. Gute Sportarten für diese Hunderasse sind beispielsweise Mantrailing oder die Fährtenarbeit. Wenn sich die Westfälische Dachsbracke dann immer noch langweilt, kann sie sich einige Zeit mit Spielzeugen beschäftigen.

Gut zu wissen: Besonderheiten der Westfälischen Dachsbracke

In Deutschland werden die Welpen der Westfälischen Bracke ausschließlich über den Deutschen Bracken-Club e. V. vermittelt. Kaufinteressenten können sich aus der Zwingerliste des Vereins nach Züchtern in ihrer Region umsehen. Wer sichergehen möchte, ein gesundes Tier aus reiner Zucht zu bekommen, sollte unbedingt bei einem der dort gelisteten Züchter kaufen und sich nicht durch günstige Preise zu anderweitigen Angeboten verlocken lassen. Der Züchter händigt zu jedem Welpen eine Ahnentafel sowie Nachweise über wichtige Gesundheitstests aus.

Regelmäßig werden Welpen der Westfälischen Dachsbracke aber nur an aktive Jäger abgegeben, die den jungen Jagdhund richtig erziehen und fördern können. Die Käufer müssen sich zumeist verpflichten, die Bracken in Leistungs- und Anlagenprüfungen sowie Pfostenschauen bewerten zu lassen. Denn die Züchter möchten die Ergebnisse ihrer Zucht an den Anlagen und Fähigkeiten ihrer Welpen kontrollieren.

Außerdem geht mit dem Erwerb die Verpflichtung einher, sich an mindestens einem Wurf zu beteiligen, damit die gefährdete Rasse erhalten bleibt. Dafür bekommt der Käufer einen Zuchtwelpen, der den strengen Anforderungen der Zuchtordnung genügt und von nachweislich gesunden Eltern abstammt.

Wie groß wird eine Westfälische Dachsbracke?

Ausgewachsene Bracken erreichen eine Widerristhöhe von 30 bis 38 cm.

Nachteile der Westfälischen Dachsbracke

Die Westfälische Dachsbracke braucht fast ständig Bewegung und sehr viel Platz. Sie eignet sich nur für Halter, die viel Zeit für ihren Hund erübrigen können. Auch wegen ihres lauten und häufigen Gebells ist sie kein Hund für Stadtmenschen.

Am besten sollten sich nur diejenigen eine Westfälische Dachsbracke anschaffen, die sie bei der Jagd einsetzen und richtig führen können. Wer einen Schoßhund oder einen Aufpasser sucht, wird mit diesem Hund nicht glücklich werden. Denn der fröhliche und verspielte Zeitgenosse ist weder ein Stubenhocker noch ein geeigneter Wachhund.

Passt die Westfälische Dachsbracke zu mir?

Der geborene Jäger braucht mindestens ein Haus mit Garten, am besten in einer ländlichen Umgebung. Er ist zwar liebenswert und fügsam, aber nicht für ein Leben auf dem Sofa und nicht für das Alleinsein geschaffen. Der Stöberhund geht am liebsten seinem Beruf nach und verfolgt ausdauernd und unermüdlich die Fährten des anvisierten Wildes.

In seiner Freizeit hat der gesellige Jagdhund gern Kinder, andere Hunden oder weitere Haustiere um sich. Wer sich eine Westfälische Dachsbracke anschaffen möchte, sollte sich zuvor gut überlegen, ob er zeitlich und räumlich in der Lage ist, dem Aktivitätsdrang, Gesellschafts- und Jagdbedürfnis des quirligen Vierbeiners gerecht zu werden.