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Dem Hund die Zähne putzen – So klappt es

von Michael Hein
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Dem Hund die Zähne putzen? Ist das nicht eine übertriebene Vermenschlichung? Nein, zwar leiden Hunde seltener an Karies als Menschen, dafür können sie ebenso leicht Parodontalerkrankungen wie Gingivitis und Parodontitis bekommen. Auch Erkrankungen des Zahnhalteapparats wegen einer Fehlstellung der Zähne sind keine Seltenheit. Möglicherweise sind heutige Vierbeiner ebenso wie wir von den Folgen eines ungesunden Lebensstils betroffen. Die Natur hat Hunde zwar durch einen starken Speichelfluss gegen bakterielle Angriffe gewappnet, sie kann aber nicht allen modernen Herausforderungen trotzen. Falsche Ernährung, zu wenig Bewegung und ungeeignetes Spielzeug, das den Zahnschmelz schädigt, gehören zu den häufigsten Ursachen für Maulerkrankungen. Einem Hund die Zähne zu putzen, ist neben präventiven Maßnahmen ein wichtiger Beitrag zur Gesundheitsvorsorge. Tipps, wie Du Deinem Hund die Zähne putzen solltest, erfährst Du in diesem Artikel.

Zahnprobleme (Hund): Krankheitssteckbrief

Dem Hund die zähne putzen: Warum Zahnpflege bei Hunden wichtig ist

Das Gebiss eines Hundes dient zur Abschreckung, als Jagdwaffe und als Fresswerkzeug in einem. Bei der Nahrungsaufnahme bilden sich Ablagerungen an den Zähnen, es entsteht die sogenannte weiche Plaque. Hier können sich Bakterien ungehindert vermehren und mit der Zeit festen Zahnstein ausbilden. Auch in den Zahnfleischtaschen können sich Bakterien einnisten, die auf Dauer Zahnfleischentzündungen und Parodontitis hervorrufen. Zwar sind Hunde durch ihre entfernt stehenden Zähne etwas besser vor Angreifern geschützt als Menschen, weil der Speichel ungehindert durch die Zwischenräume rinnen und Bakterien abtöten kann. Aber nur wenn ein Hund rennt oder tobt, fließt auch der Speichel reichlich. Mehr als 80 % unserer Haushunde sind heute von Zahnerkrankungen betroffen. Hundehalter dürfen sich also nicht allein auf die Natur verlassen.

Wie oft muss ich meinem Hund die Zähne putzen?

Es reicht, dem Hund jeden zweiten Tag die Zähne zu putzen. Zwischendurch darf er gelegentlich an Zahnpflegespielzeug, einem Knochen oder einer Kaustange nagen. 

Hinweise auf schlechte Zähne

Mangelnde Mundhygiene lässt sich bei Hunden unschwer an gelblichen bis bräunlichen Ablagerungen an den Zähnen erkennen. Meistens bildet sich die weiche Plaque zuerst am unteren Rand zwischen Zahn und Zahnfleisch. Dazu kommt als frühes Anzeichen einer Zahnerkrankung häufig schlechter Atem. Eine Parodontitis macht sich zunächst durch gerötetes Zahnfleisch bemerkbar, das im fortschreitenden Stadium anschwillt, schmerzhaft wird und eventuell blutet. Außerdem bilden sich verstärkt Plaque- und Zahnstein. Im weiteren Verlauf werden die Zähne lockerer, und der Hund bekommt Probleme beim Fressen. Wenn ein Vierbeiner zum Beispiel nur zaghaft an seinem Essen kaut, einen Brocken ins Maul nimmt und sofort wieder fallen lässt, beim Zubeißen jault, nur einseitig kaut oder die Nahrungsaufnahme insgesamt reduziert, sind dies Alarmzeichen.

Zähne putzen beim Labrador

Mangelnde Mundhygiene lässt sich bei Hunden unschwer an gelblichen bis bräunlichen Ablagerungen an den Zähnen erkennen.

Wie halte ich die Zähne meines Hundes sauber?

Damit sich gar nicht erst Plaque bildet, sollte der Hund zuckerarm ernährt werden, regelmäßig auf Knochen oder geeigneten Spielzeugen kauen und sich viel bewegen. Zähneputzen alle zwei Tage und ein jährlicher Besuch beim Tierarzt runden die perfekte Maulhygiene ab.

Dem Hund die Zähne putzen – Utensilien

Das Hundegebiss entwickelt sich ebenso wie das menschliche Gebiss in drei Phasen. Nachdem der Welpe zahnlos auf die Welt gekommen ist, bildet er bis zur sechsten Lebenswoche seine Milchzähne aus. Das Milchgebiss behält er etwa bis zum vierten bis siebten Monat, bevor es vom Dauergebiss verdrängt wird. Der Zahnwechsel verläuft bei Hunden meistens unkompliziert, aber in diesem Stadium wird regelmäßige Zahnpflege nötig. Die wichtigsten Utensilien dafür sind spezielle Zahnbürsten und Zahncremes, um dem Hund die Zähne zu putzen.

Hundezahncreme

Zahnpasta für Menschen eignet sich nicht für Hunde, da manche ihrer Inhaltsstoffe dem Tier nicht guttun, zum Beispiel Xylit. Unbedenklich sind speziell für Hunde hergestellte Produkte oder auch selbst gemachte Hundezahnpasta. Als Basis für eine hausgemachte Paste bietet sich Kokosöl mit seinen antibakteriellen Eigenschaften und seinem neutralen Geschmack an. Dazu kann ein Spritzer Zitronensaft einen leichten Aufhellungseffekt entfalten, auch die Beigabe einer kleinen Menge Pfefferminz oder Petersilie als Atemerfrischer ist erlaubt.

Kann ich meinem Hund mit Zahnpasta die Zähne putzen?

Zahnpasta für Menschen eignet sich nicht, um einem Hund die Zähne zu putzen, da sie für ihn unverträgliche Inhaltsstoffe haben kann. Empfehlenswert ist eine spezielle Hundezahncreme oder das Hausmittel Kokosöl.

Hundezahnbürste

Eine extra für Hunde entwickelte Zahnbürste zeichnet sich dadurch aus, dass der Kopf nicht zu groß und die Borsten nicht zu hart sind. Außerdem ist sie darauf ausgerichtet, dass der Mensch sie bequem festhalten kann. So gibt es Hundezahnbürsten mit einem besonders langen Stiel, der sich gut umgreifen lässt. Daneben sind auch Fingerzahnbürsten im Handel, die an der Seite mit einer kleinen Schlaufe ausgestattet sind oder die sich als Fingerling vorn auf den Finger stülpen lassen. Hundezahnbürsten sind in verschiedenen Größen erhältlich und sollten passend zur Größe des Hundemauls ausgewählt werden.

Heute gibt es auch elektrische Zahnbürsten für Hunde. Ihr Vorteil gegenüber Handzahnbürsten liegt darin, dass sie mit geringerem Druck reinigen. So lassen sich Reizungen des Zahnfleischs durch zu starkes Schrubben vermeiden. Manche Hunde aber mögen die Vibration des Elektrogeräts nicht. Ob manuelles oder elektrisches Putzen besser gelingt, hängt ganz vom Hund ab.

Zähne putzen beim Hund

Saubere Zähne schützen vor Zahn- und Zahnfleischerkrankungen wie Entzündungen und Parodontitis.

Zahnputzflocken

Wem es zu umständlich ist, seinem Hund die Zähne zu putzen, der kann auch mit Zahnputzflocken die Gebissreinigung ankurbeln. Die aus natürlichen Zutaten hergestellten und mit Vitaminen und Mineralien angereicherten Leckerli bekommt der Hund mit dem Futter oder als Nachtisch. Etwa ein bis zwei Teelöffel pro Tag reichen aus. Die Paste verteilt sich im Mund, verhindert die Ausbreitung von Bakterien und wirkt so der Bildung von Plaque und Zahnstein entgegen. Nebenbei hat sie eine leicht abradierende Wirkung, sie schmirgelt beim Kauen erste Beläge von den Zähnen ab.

Was bringt Zähne putzen beim Hund?

Das Putzen kann den Zahnbelag entfernen, in dem sich Bakterien ansiedeln und vermehren. Saubere Zähne schützen vor Zahn- und Zahnfleischerkrankungen wie Entzündungen und Parodontitis.

Kaustangen

Weitere einfach anzuwendende Hilfsmittel sind Kaustangen mit zahnpflegender Wirkung. Durch das intensive Kauen wird der Speichelfluss angeregt, sodass Keime und Bakterien ganz natürlich aus den Zahnzwischenräumen gespült werden. Bei der Auswahl von Kaustangen ist allerdings auf die Inhaltsstoffe zu achten. Viele industriell hergestellte Produkte enthalten viel Zucker oder andere ungesunde und kalorienreiche Bestandteile. Besser geeignet sind Produkte mit geringem Zucker- und Fettanteil. 

Zahnputzspielzeug

Auch Dentalspielzeug wie Bälle, Spieltaue und Gummiknochen können die Kiefermuskulatur stärken, den Speichelfluss anregen und Zahnbelag abschleifen. Ein natürlicher Knochen allerdings erfüllt denselben Zweck: Wenn ein Hund intensiv daran nagt, reinigt er automatisch seine Zahnoberflächen, während der stark fließende Speichel zusätzlich gegen Bakterien wirkt. Hilfsmittel wie Kaustangen oder Spielzeuge sind jedoch kein vollständiger Ersatz für regelmäßiges Zähneputzen und können eine gründliche Zahnreinigung beim Tierarzt nicht ersetzen. Denn bestehender Zahnstein lässt sich damit nicht entfernen. Als Ergänzung zur Maulpflege können Spielzeuge aber einen sinnvollen Beitrag leisten.

Wie putzt man Welpen die Zähne?

Ein Welpe braucht erst Zahnpflege, wenn er seine Milchzähne verliert. Er kann aber schon vorher ein wenig üben. Darf er an einem Finger mit Hundezahncreme lecken, stellt er sich schon auf den Geschmack ein und lässt sich später bereitwilliger die Zähne reinigen.

Dem Hund die Zähne putzen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Beim ersten Zahnputzversuch versteht der Vierbeiner noch nicht, was Herrchen oder Frauchen von ihm verlangt. Jeder Hund muss langsam und behutsam an die Prozedur gewöhnt werden. Die besten Lernerfolge erzielt derjenige, der seinen Liebling schon im Welpenalter an das Zähneputzen gewöhnt. 

1. Geschmackstest: Zuerst darf der Hund an einem Finger mit Hundezahncreme oder selbst gemachter Hundezahnpasta lecken. Dabei stellt sich gleich heraus, ob dieser Geschmack den Vierbeiner überzeugt. 

2. Putzen mit dem Finger: Im zweiten Versuch darf der Hund das Maul geschlossen halten, während ein Finger vorsichtig unter seine oberen Lefzen gleitet und die Außenseiten der Schneidezähne mit Zahncreme bestreicht. Wenn der Hund sich diese Zahnreinigung ohne zu schnappen gefallen lässt, kann es in Richtung der Backenzähne weitergehen. 

3. Einsatz der Zahnbürste: Jetzt darf das Tier sich an die Zahnbürste gewöhnen. Zuerst wird jeweils der längste Zahn (Fangzahn) auf beiden Seiten geputzt.

4. Backenzähne putzen: Wenn der Hund Vertrauen entwickelt hat, sich das erste Zähneputzen gewöhnt hat und die Reinigung nicht mehr als bedrohlich empfindet, kann er das Maul leicht öffnen, damit die Zahnbürste auch die Backenzähne erreicht.

5. Komplette Gebissreinigung: Nun ist der Hund bereit für einen kompletten Zahnputzdurchgang, der am besten immer mit den Fangzähnen beginnt. Dann kommen die Schneidezähne an die Reihe und zum Schluss die schwerer zugänglichen Backenzähne. Fertig ist die Zahnpflege!

Was hilft vorbeugend gegen Zahnerkrankungen? 

Nicht nur Menschen, sondern auch Hunde sollten sich regelmäßig zu einer Zahnuntersuchung beim Arzt begeben. Nur der Tierarzt kann festsitzenden Zahnbelag und Zahnstein professionell entfernen. Außerdem erkennt er Gebissfehlstellungen oder Zahnfleischerkrankungen, die eine Behandlung erfordern. Daneben können Hundehalter mit der richtigen Ernährung und viel Bewegung die Mundgesundheit ihres Hundes auf natürliche Weise fördern. Die Nahrung sollte weitgehend ohne Zucker auskommen, zusätzlich helfen Nahrungsergänzungsmittel mit zahnpflegenden Inhaltsstoffen. Wer dann noch jeden zweiten Tag seinem Hund die Zähne putzt, hat sein Möglichstes getan.

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