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Aïdi

von Marcel Hammerich
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Der Aïdi ist eine Hunderasse aus Marokko, die von der FCI mit der Standardnummer 247 geführt und in die Gruppe 2 der Pinscher, Schnauzer, Molossoide und Schweizer Sennenhunde in die Sektion 2.2 der Molossoide und Berghunde eingeordnet wird. Der Aïdi ist zusammen mit dem Sloughi nur eine von zwei marokkanischen Hunderassen, die von der FCI anerkannt wird. Die Rasse wird auch als Atlas Berghund, Ayidi, Atlas Sheepdog oder Chien de l’Atlas bezeichnet.

Aïdi im Steckbrief

Steckbrief
Größe: 52-62 cm
Gewicht: 25-35 kg
FCI-Gruppe: 2: Pinscher und Schnauzer – Molosser – Schweizer Sennenhunde und andere Rassen
Sektion: 2: Molossoide Berghunde
Herkunftsland: Marokko
Farben: Schwarz, Rot, Weiß, Schwarz-Weiß, Gelbbraun
Lebenserwartung: 10-11 Jahre
Geeignet als: Wach- und Schutzhund
Sportarten:
Charakter: Agil, Aufmerksam, Energiegeladen, Empfindlich, Fürsorglich, Mächtig
Auslaufbedürfnisse: hoch
Sabber-Potential
Stärke des Haarens
Pflegeaufwand: gering
Fellstruktur: dick, halblang, üppig
Kinderfreundlich: nein
Familienhund: nein
Sozial: nein

Herkunft und Rassegeschichte

Die Aufgabe des Aïdi ist es seit Jahrhunderten in den Bergen des Atlas die Viehherden der Hirten zu schützen. Dabei lebt er oft im engen Verbund mit den Menschen, da die Viehhirten Nomaden sind. Des Weiteren wird dieser Hund auch zusammen mit Sloughis bei der Jagd als Stöberhund verwendet. Der Atlas Berghund ist also eine Art Mischung aus Herdenschutzhund und Schäferhund.

Bei der Zucht des Aïdi wurde weniger auf sein Aussehen als auf seine Fähigkeiten Wert gelegt. Die Hunde mussten in der Lage sein, ihre Arbeit zu tun und gegen die Witterung im Gebirge unempfindlich sein. In den marokkanischen Bergen kann es am Tag sehr heiß und in der Nacht recht kalt werden. Daher gibt es den Aïdi heute in fast allen möglichen Farbvariationen von Weiß über Beige und Braun bis hin zu Schwarz.

Über ganz Europa verteilt gab es schon seit Jahrhunderten weiße Berghunde, die ursprünglich aus den östlichen Gebieten stammten. Eine Verwandtschaft zwischen ihnen und dem Aïdi wird vermutet. Bis heute ist der Atlas-Berghund in Marokko weit verbreitet. Die FCI erkannte die Rasse im Jahr 1963 an. Seit einigen Jahren geht der Bestand dieses Hundes allerdings immer weiter zurück, da sich die Lebensumstände der Menschen in Marokko verändert haben und die Hunde heute nicht mehr so häufig gebraucht werden.

Wesen & Charakter vom Aïdi

Der Aïdi ist in seinem Charakter ein typischer Herdenschutzhund. Er ist gleichermaßen wachsam als auch intelligent. Mit hohem Mut ist er in der Lage seine geliebten Menschen und auch sein Territorium zu verteidigen. Ängstlich ist dieser Hund nie. So beschützend und mutig er nach außen hin auftritt, so sanft und anpassungsfähig ist der Aïdi in vielen Fällen gegenüber seiner Familie. Der freundliche Hund genießt es Zeit mit seinen Menschen zu verbringen und zeigt ein sehr treues, anhängliches und zuverlässiges Wesen.

Welchen Charakter hat ein Aïdi?

Der Aïdi hat einen Charakter, der von Stärke, Mut, Aktivität und Schutzinstinkt einerseits und von Ruhe, Sanftheit, Treue und Anhänglichkeit andererseits geprägt ist.

Hunde dieser Rasse

Aussehen des Aïdi

Der Aïdi ist ein robuster Hund, der in seinem Körperbau sehr stark wirkt. Er ist muskulös ohne dabei schwerfällig zu sein. Diese Hunde können eine Größe von bis zu 62 Zentimetern erreichen und ein Gewicht von bis zu 26 Kilo. Für einen Herdenschutzhund ist der Atlas-Berghund also relativ klein und leicht und gehört zu den mittelgroßen Hunderassen.

Der Kopf des Hundes weist eine konische Form auf und fügt sich harmonisch in die Gesamterscheinung ein. Seine Augen haben eine mittlere Größe und sind von einer dunklen Farbe, die von dunklem Bernstein bis hin zu Goldbraun reichen kann. Die Ohren sind halb stehend und von einer mittleren Größe.

Die Rute des Aïdi ist relativ lang und buschig. Wenn der Hund entspannt ist, hängt sie herunter. Ist er in Aktion, wird die Rute meistens aufrecht getragen. Die Gliedmaßen des Vierbeiners sind elegant und schlank aber trotzdem sehr muskulös.

Das Fell des Atlas-Berghundes ist von einer mittleren Länge und sehr dicht. Es schützt den Hund vor starker Hitze und bei Kälte. Im Gesicht ist das Fell etwas kürzer als am Körper. Rüden weisen oft eine charakteristische Mähne im Bereich des Halses auf. Die Farbe des Fells ist bei dieser Rasse nicht festgelegt, es gibt sowohl weiße und beige als auch braune und schwarze Vertreter dieser Rasse.

Erziehung & Haltung des Aïdi – Das gilt es zu beachten

Der Aïdi ist einfach zu erziehen, wenn der Mensch es versteht, klare Konsequenz in Verbindung mit viel Einfühlungsvermögen und Geduld zu zeigen und seine Führungsposition eindeutig klar zu machen. Jeder, der sich einen Aïdi anschafft, muss sich bewusst darüber sein, dass es sich um einen sehr natürlich gebliebenen ursprünglichen Hund handelt. Zudem muss sicher gestellt sein, dass der Aïdi genügend Bewegung und Beschäftigung bekommt.

Der Atlas-Berghund ist natürlich ein ausgezeichneter Wachhund, der jeden Eindringling stellen wird. Es ist schwierig zu sagen, wie dieser Hund auf Artgenossen, Kinder und andere Haustiere reagiert. In den meisten Fällen scheinen die Hunde sehr gut verträglich zu sein, in anderen aber nicht. Deshalb eignet sich der Aïdi nicht bedingungslos als Familienhund. Die besten Chancen auf eine Verträglichkeit des Aïdi mit anderen Lebewesen bestehen, wenn der Hund schon sehr früh mit ihnen sozialisiert wird.

Dieser sehr ursprüngliche Hund benötigt auf jeden Fall den Aufenthalt und die Bewegung im Freien und in der Natur, denn hier fühlt er sich am wohlsten. Deshalb ist es sehr wichtig, mit ihm auf dem Land zu leben und ihm eine passende Umgebung bieten zu können. Ein Aïdi darf auf keinen Fall in einer Wohnung in der Stadt gehalten werden und eignet sich nicht als klassischer Haushund. Der Atlas-Berghund wurde zwar auch als Jagdhund benutzt, trotzdem ist sein Schutzinstinkt größer, sodass er sein Territorium eher nicht selbstständig verlässt. Anfänger sollten vom Aïdi lieber Abstand halten. Gelingt es ihnen nicht, diesen Hund richtig zu erziehen, kann er durch seinen ausgeprägten Schutzinstinkt durchaus gefährlich werden.

Ist der Aïdi ein Familienhund?

Der Aïdi kann durchaus ein guter Familienhund sein. Das trifft aber leider nicht auf alle Vertreter der Rasse zu. Wenn dieser Hund als Familienhund leben soll, muss er auf jeden Fall sehr gut sozialisiert und erzogen werden.

Ernährung des Aïdi

Die beste Ernährung für einen derart natürlichen und ursprünglichen Hund ist die Rohfütterung. Natürlich kann der Aïdi aber auch Selbstgekochtes, Trockenfutter und Nassfutter fressen. Bei der Rohfütterung ist darauf zu achten, dass die Zusammenstellung des Futters in Bezug auf die Nährstoffe passend ist.

Das gleiche gilt für die Fütterung mit Selbstgekochtem. In diesem Fall dürfen die Nahrungsmittel nicht gewürzt werden, denn das kann beim Hund zu Magenproblemen führen. Nassfutter sollte grundsätzlich nicht ausschließlich gefüttert werden, sondern immer nur als Futterbeigabe dienen, da das sehr weiche Futter auf die Dauer die Zähne des Hundes schädigen kann. Damit die Zähne gesund bleiben, ist es auch wichtig, dem Vierbeiner regelmäßig Kauknochen zu geben.

Da der Aïdi ein großer Hund ist, ist es wichtig, ihm im Wachstum kein proteinreiches Futter zu geben. Viel Protein führt zu einem schnellen Wachstum, was dem Hund später Gelenkprobleme bescheren kann. Zudem sollte die Futtermenge immer individuell auf den einzelnen Hund, sein Alter, seine Aktivität und seine Größe angepasst werden.

Gesundheit – Lebenserwartung & häufige Krankheiten

Der Aïdi wird im Durchschnitt etwa 11 Jahre alt. Die Hunderasse gilt als sehr gesund und robust und erfreut sich normalerweise guter Gesundheit. Rassetypische Krankheiten sind nicht bekannt. Der Hund ist gegen Kälte überhaupt nicht empfindlich, denn er ist es gewöhnt die eisigen Nächte im Atlas-Gebirges im Freien zu verbringen. Auch mit Hitze kann der Aïdi verhältnismäßig gut umgehen, da es in seiner Heimat am Tag sehr heiß sein kann. Bei ausreichender Bewegung neigt dieser Hund nicht zu Übergewicht.

Wie alt wird ein Aïdi?

Im Durchschnitt wird ein Aïdi ungefähr 11 Jahre alt.

Pflege des Aïdi

Die Fellpflege des Aïdi ist relativ einfach. Sowohl Schmutz als auch Nässe setzen sich im Fell des Hundes nicht fest. Trotzdem sollte der Hund aber ein Mal am Tag kurz gebürstet werden, auch um überschüssige Haare zu entfernen. Darüber hinaus sollten die Krallen und die Ohren kontrolliert werden, denn vor allem schmutzige Ohren können zu Entzündungen führen. Sind die Krallen zu lang, besteht ein Verletzungsrisiko für den Hund.

Aïdi – Aktivitäten und Training

Der Aïdi ist in den meisten Fällen kein Hund, der beim Hundesport besonders erfolgreich eingesetzt werden kann oder Spaß daran hätte. Es genügt ihm, wenn er ein Haus und einen Garten hat, den er bewachen und wo er sich frei bewegen kann. Natürlich muss der Hütehund aber auch viel in die freie Natur, deshalb sind tägliche ausgedehnte Spaziergänge durch Wald und Wiesen mit ihm Pflicht.

Gut zu wissen: Besonderheiten des Aïdi

In Marokko ist es leider immer noch an vielen Orten Tradition die Ruten und Ohren des Aïdi zu kupieren. In Deutschland ist dies aus Tierschutzgründen verboten und auch der Rassestandard stellt sich offiziell gegen diese Praxis.

In Deutschland könnte es ziemlich schwierig werden, einen Aïdi Welpen zu kaufen, denn es gibt hierzulande keine Züchter der Hunderasse. Aus diesem Grund ist auch unbekannt, was ein Welpe kosten würde.

Wie groß wird ein Aïdi?

Ein Aïdi erreicht eine Widerristhöhe von bis zu 62 Zentimetern. Er gehört damit zu den vergleichsweise kleinen Herdenschutzhunden.

Nachteile des Aïdi

Der Nachteil des Aïdi ist mit Sicherheit sein starker Schutztrieb, den wir in den meisten Fällen nicht brauchen, wenn wir diesen Hund als Familienhund anschaffen. Wenn der Hund nicht sehr gut erzogen und kontrolliert wird, kann dieser Schutztrieb zum Problem werden. Insbesondere dann, wenn der Hund seinen Besitzer als schwach wahrnimmt und meint, er müsste die Verantwortung für seinen Menschen übernehmen.

Eine weitere Sache, die bei dieser Hunderasse schwierig ist, ist die Tatsache, dass nicht genau gesagt werden kann, ob der Aïdi mit Kindern, Artgenossen und anderen Tieren zu 100% verträglich ist. Manche Rassevertreter gewöhnen sich selbst nach angemessener Sozialisierung nur schwer an andere Lebewesen.

Passt der Aïdi zu mir?

Menschen, die sich einen Aïdi anschaffen möchten, müssen ganz genau darüber Bescheid wissen, was es bedeutet, mit einem Herdenschutzhund richtig umzugehen. Da diese Hunde bei falscher Haltung durchaus gefährlich werden können, ist es sehr wichtig, ihnen ein passendes Umfeld und eine artgerechte Aufgabe zu geben. Ein Herdenschutzhund benötigt auf jeden Fall ein Haus mit einem gut eingezäunten Garten auf dem Land in Nähe zur Natur. Auf keinen Fall dürfen diese Hunde in engen Stadtwohnungen gehalten werden.

Da sie sehr intelligent und ans Arbeiten gewöhnt sind, können Aïdis schnell Verhaltensauffälligkeiten zeigen, wenn sie sich langweilen. Wer mit dem Hütehund auf Reisen gehen möchte, oder ihn regelmäßig auf Ausflüge in ein städtisches Umfeld mitnimmt, sollte ihn schon früh und als Welpe daran gewöhnen, ansonsten könnte sein starker Schutztrieb zum Problem werden.

Der Atlas-Berghund ist zwar durchaus führig, trotzdem sollte der Mensch aber ein gewisses Maß an Hundeerfahrung besitzen und wissen, wie dieser Hund erzogen werden muss. Wie sich der Aïdi innerhalb einer Familie mit Kindern verhält, ist pauschal nicht zu sagen. Manche Rassevertreter sind sehr sanfte, ruhige und auch verspielte Familienmitglieder, andere möchten von Kindern am liebsten in Ruhe gelassen werden. Wenn ein Aïdi Kinder mag, ist davon auszugehen, dass er bei ihnen einen ganz besonders starken Schutztrieb entwickelt.

Natürlich ist dieser Herdenschutzhund ein guter Wachhund. Er wird zwar niemanden angreifen, dennoch wird er sich aber drohend jedem Eindringling entgegen stellen, da er es als seine Aufgabe ansieht, das Haus zu beschützen. Die Rasse hat kein Problem damit, das ganze Jahr im Freien zu leben, allerdings brauchen die Hunde auch die Nähe zu ihren Menschen. Hundeanfänger sollten sich keinen Aïdi zulegen, denn die Erziehung kann sich für einen Anfänger sehr schwierig gestalten. Auch für ältere Menschen ist dieser Hund nicht zu empfehlen, denn in den meisten Fällen werden sie wohl mit seiner Kraft und seinen Instinkten überfordert sein.