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Hund knurrt mich an – Die richtige Verhaltensweise

von Michael Hein
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Hilfe, mein Hund knurrt mich an! Jedes Herrchen oder Frauchen wünscht sich, dass sein Vierbeiner immer lieb und friedlich bleibt. Schlimm genug, wenn er Fremde anbellt oder anknurrt, aber den eigenen zweibeinigen Freund, der ihn doch lieb hat? Menschen neigen dazu, ihre Verhaltensmaßstäbe auf den Hund zu übertragen, deshalb empfinden sie das Knurren als unhöfliche Attacke. Und es ist zweifellos frustrierend, vom geliebten Familienmitglied mit Ablehnung gestraft zu werden. Dabei ist das Knurren tatsächlich ein Ausdruck des natürlichen Sozialverhaltens eines Hundes, das weder unterbunden noch ignoriert werden sollte. Wie Du richtig reagierst, wenn Dein Hund Dich anknurrt, und Gründe für dieses Verhalten, erfährst Du in diesem Artikel.

Was ist Knurren beim Hund?

Der Hund knurrt mich an, aber warum? Hunde verwenden verbale Äußerungen als Kommunikationsmittel, zu ihrem Repertoire gehört neben dem Winseln und Bellen auch das Knurren. Mit dem Knurrgeräusch zeigt der Hund an, dass er sich in einer bedrohlichen oder unangenehmen Situation befindet und am liebsten in Ruhe gelassen werden möchte. Vielleicht wird ihm das viele Streicheln und Kraulen zu viel oder er ist überanstrengt vom langen Laufen. Oder er hat Angst, dass ihm jemand sein Futter wegnehmen möchte.

Also stößt der Hund eine geräuschvolle Warnung aus, um seinem Gegenüber die Grenzen aufzuzeigen und den Konflikt zu entschärfen. Er sagt damit: Stopp! Lass mich in Ruhe oder ich schnappe zu! Diese Warnung zu ignorieren, kann gefährlich werden, weil der Hund sonst womöglich seine Drohung in die Tat umsetzt. Hundehalter sollten sich deshalb freuen, wenn ihr Liebling sie anknurrt. Denn wer zuerst warnt, bevor er zubeißt, ist ein gutmütiges und friedfertiges Wesen.

Warum knurrt mein Hund mich an?

Hunde sagen mit ihrem Knurren: Stopp, komm mir nicht näher! Diese Abwehrhaltung kann zahlreiche Ursachen haben, von Angst über Stress und Überforderung bis hin zu Schmerzen.

Gründe für das Knurren

Das Knurren kann vielfältige Gründe haben. In jeder Situation, in der ein Hund Angst hat, sich unsicher fühlt oder die Gesellschaft anderer als belästigend empfindet, kann er mit einer verbalen Äußerung reagieren.

Schutz des Eigentums

Zu den häufigen Ursachen zählt der Wille, sein Eigentum zu verteidigen. Glaubt der Hund, dass ein anderer Vierbeiner oder ein Mensch ihm Futter, Spielzeug, Knochen oder auch den angestammten Schlafplatz streitig machen möchte, reagiert er mit einer hörbaren Drohgebärde.

Hund knurrt mich an wegen Stress

Auch Stress durch eine eingeschränkte Umgebung oder einen Umgebungswechsel kommt als Ursache infrage. Ob ein neues Haustier oder ein Kleinkind die Familie vergrößert hat, ein Umzug oder auch nur ein Wechsel des Schlafplatzes stattfand, viele Hunde haben Probleme, sich auf Veränderungen einzustellen. Und in einer solchen angespannten Situation können auch kleinste Anlässe, die der Hund sonst gelassen wegsteckt, ihn zu drohenden Lauten animieren.

Unzufriedenheit

Unzufrieden sind unsere tierischen Hausgenossen auch oft, wenn sie zu wenig oder zu viel körperliche Herausforderungen bekommen. Ein gelangweilter Hund, der oft in der Wohnung bleiben muss und zu wenig Auslauf bekommt, kann seinen Unmut in Knurren oder Schnappen äußern. Ein Hund kann auch gereizt werden und zu häufigem Knurren neigen, wenn er zu wenig Raum für sich hat und sich gestört fühlt. Ständige Gesellschaft kann manchen Hunden stark auf die Nerven gehen, ab und zu möchte sich ein Hund an ein gemütliches und ruhiges Plätzchen zurückziehen.

Mein Hund knurrt mich an

In jeder Situation, in der ein Hund Angst hat, sich unsicher fühlt oder die Gesellschaft anderer als belästigend empfindet, kann er mit einer verbalen Äußerung reagieren.

Hund knurrt mich an wegen Schmerzen

Aber auch Schmerzen aufgrund einer Krankheit oder Verletzung oder ein Trauma aus der Vergangenheit können der Auslöser sein. Hat ein Hund schlechte Erlebnisse gehabt, verbindet er bestimmte Reize damit. Wurde ein Welpe zum Beispiel von einem Auto angefahren, reagiert er auch im Erwachsenenalter oftmals ängstlich auf ein sich näherndes Motorengeräusch. Ein kranker Hund möchte zumeist niemanden an sich heranlassen, sondern mit seinem Schmerz allein fertig werden. Deshalb reagiert er sogar auf freundliche Menschen, die ihn streicheln möchten, mit abweisendem Geknurre.

Dominanzgehabe

Schließlich können auch Eifersucht oder Dominanzgehabe ursächlich sein. Wenn ein Vierbeiner zum Beispiel daran gewöhnt ist, jede Nacht bei seinem Menschen im Bett zu schlafen, will er sich seinen verdienten Platz nicht von einem Kleinkind oder einem Welpen streitig machen lassen.

Wer unter den vielfältigen möglichen Ursachen die richtige ermitteln möchte, muss seinen Hund gut beobachten und sich fragen: In welcher Situation knurrt mein Hund mich an? Gibt es Gemeinsamkeiten im Verhalten, aus denen sich ein bestimmter Auslöser ermitteln lässt? Oder ist der Hund allgemein gereizt oder frustriert und knurrt häufig in den unterschiedlichsten Situationen?

Was tun, wenn der Hund plötzlich schnappt?

Wenn ein Hund schnappt, ob aus Angst, Überforderung oder Stress, muss er unbedingt in Ruhe gelassen werden. Eine Bewegung auf ihn zu mit ausgestreckten Händen ist jetzt ganz falsch und kann zur Eskalation führen. Die richtige Reaktion ist: weggehen und warten, bis der Hund sich beruhigt hat.

Darf ein Hund knurren oder sollte man es verbieten?

Früher vertraten viele Hundetrainer die Auffassung, Hunden müsse das Knurren frühzeitig aberzogen werden. Die meisten Menschen neigen auch spontan dazu, ihrem Hund das unerwünschte Verhalten zu untersagen, das sie als störende und unverständliche Zurückweisung empfinden. Diese Sichtweise gilt heute jedoch als falsch. Vielmehr kann ein Knurrverbot sich als fataler Erziehungsfehler erweisen und genau das Gegenteil bewirken. Das Knurren liegt in der Natur eines Hundes und ist ein nützlicher Abwehrmechanismus. Der Hund sagt damit: Bis hierher und nicht weiter, lass mich in Ruhe, oder ich wehre mich!

Es hilft nichts, einem Hund, der sich offensichtlich in einer angespannten Situation befindet, Verbote zu erteilen oder mit ihm zu schimpfen. Dann fühlt er sich nur noch mehr unter Druck gesetzt und schnappt vielleicht. Das Knurren ist eine wichtige Ausdrucksmöglichkeit, und der Hund muss diese gewaltfreie, verbale Äußerungsform nutzen dürfen, um auf sein Unwohlsein hinzuweisen.

Folgen eines Knurrverbots

Wie reagiert ein Hund, wenn ihm das Knurren verboten wird? Da sein Unbehagen dann weiter anhält, wird er vielleicht versuchen, seinem Menschen andere Signale zu senden, um sich verständlich zu machen. Oder er versucht in irgendeiner Weise, dem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Falls ein Hund aber sehr lernfähig oder besonders sensibel ist, wird er auf mehrfache Knurrverbote reagieren, indem er das Knurren reduziert oder ganz einstellt. Wenn er weiß, dass auf seine Äußerungen Strafe folgt, traut er sich nicht mehr, seine natürlichen Kommunikationsmittel einzusetzen. Dann bleiben dem Vierbeiner kaum noch adäquate Möglichkeiten, seine Emotionen zum Ausdruck zu bringen. So können Knurrverbote stressige Situationen erst zum Eskalieren bringen. Denn ein Hund, der nicht mehr die Chance hat, durch ein gewaltfreies Lautsignal auf seine Unbehaglichkeit aufmerksam zu machen, geht direkt zum Schnappen oder Beißen über.

Hund knurrt mich an: Richtiges Verhalten

Ein Knurrverbot erweist sich in den meisten Fällen als fataler Erziehungsfehler.

Signale des Hundes vor dem Knurren

Fühlt sich ein Hund überfordert, gestresst, belästigt oder in die Ecke gedrängt, sendet er vor dem Knurren zumeist mit seiner Körpersprache schon kleine Beschwichtigungssignale aus, die aufmerksame Hundehalter bemerken können. Zu diesen Zeichen, die anzeigen, dass es dem Hund nun langsam ungemütlich wird, gehören zum Beispiel:

  • Lecken der eigenen Schnauze,
  • Blinzeln, Zusammenkneifen der Augen,
  • Gähnen,
  • Schmatzen,
  • Wegdrehen des Kopfes,
  • am Boden schnüffeln,
  • auf den Rücken legen,
  • in Schlangenlinien oder im Bogen laufen,
  • Körper abwenden,
  • Schnauzenstöße und
  • Schwanzwedeln.

Mit diesen höflichen Signalen, die Hunde sowohl an Artgenossen als auch an Menschen aussenden, möchten sie mitteilen, dass ein Konflikt droht. Im Tierreich bekommen die Hunde darauf zumeist auch eine Antwort. Der andere Hund kann durch ebensolche Beschwichtigungssignale erklären, dass er nicht an einer Auseinandersetzung interessiert ist und sich friedlich entfernen wird. Wir Menschen jedoch deuten die Signale der Vierbeiner oft falsch oder nehmen sie gar nicht wahr. Deshalb bleiben wir dem Hund die erwartete Antwort schuldig. Das kann zu Frustration beim Hund führen, der keine Lösung des sich anbahnenden Problems in der Situation erreichen kann. Wer seinen Liebling genau beobachtet, wird seine Körpersprache mit der Zeit immer besser lesen können und einen drohenden Konflikt schon früh erkennen. Durch die richtige Reaktion lässt sich eine Auseinandersetzung häufig vermeiden.

Wie verhalte ich mich, wenn mein Hund knurrt?

Anstatt zu schimpfen oder den Hund sogar zu bestrafen, sollten sich Hundehalter in dieser Situation zurückziehen und ihrem Liebling genug Raum und Zeit zum Beruhigen geben. Genaue Beobachtungen können dabei helfen, die Ursachen zu erforschen, und oft lassen sich Konfliktherde dann schon im Vorfeld beseitigen.

Mein Hund knurrt mich an – wie sollte ich nicht reagieren?

Wenn der Hund Dich anknurrt, sollte er keinesfalls beschimpft oder bestraft werden. Denn dadurch wird er in der Situation noch verängstigter und weiß sich schließlich nur noch durch Schnappen oder Beißen zu helfen. Außerdem verträgt die knurrende Fellnase gerade jetzt keine Annäherung, die sie als zunehmende Bedrängung empfinden könnte. Auf den Hund zuzugehen, kann sich daher als gravierender Fehler erweisen. Schnelle, hektische Handlungen können ihn ebenfalls noch weiter aufregen oder verwirren. Aber das Warngeräusch zu ignorieren, verspricht auch keine Besserung. Hilfreicher ist es auf lange Sicht, den Auslöser zu ermitteln und Konfliktsituation in Zukunft zu vermeiden.

Was ist die richtige Reaktion auf das Knurren eines Hundes?

Erst einmal möchte der Hund jetzt in Ruhe gelassen werden, also sollte sich Herrchen oder Frauchen ein Stück von ihm zurückziehen und ihm genügend Raum lassen. Wenn sich der Mensch ganz ruhig und gelassen bewegt, wird sich auch das Tier schneller wieder beruhigen. Dabei trägt eine entspannte Körperhaltung dazu bei, dass er Hund sich nicht bedroht oder überfordert fühlt, sondern seine Anspannung von allein aufgibt. Um den Vierbeiner abzulenken, können auch gewohnte Rituale helfen. Wenn er zum Beispiel ein Stöckchen holen oder Kommandos wie Sitz oder Platz befolgen soll, konzentriert er sich auf diese Aufgaben und vergisst erst einmal den Auslöser seines Unmuts. Bei alledem sollte er immer freundlich und ruhig angesprochen werden, keinesfalls laut oder fordernd. Falls sich die Situation trotz aller Mühe nicht entspannen lässt und der Hund weiter knurrt, hilft es im Notfall nur wegzugehen, bis er sich nach einiger Zeit von selbst wieder beruhigt hat.

Hund am Knurren

Wenn ein Hund knurrt, sollte man ihn für’s Erste in Ruhe lassen und ihm seinen Raum geben.

Hund knurrt mich an: Ursachenforschung durch genaue Beobachtung

Für die Zukunft sollten allerdings die Ursachen für das Knurren erforscht werden. Knurrt ein Hund häufig und ohne ersichtlichen Grund, kann ein Gesundheitscheck sicherstellen, dass nicht Schmerzen der Auslöser sind. Durch genaue Beobachtungen lässt sich in vielen Fällen herausfinden, was den Vierbeiner stört. Vielleicht mag er es nicht, wenn beim Essen jemand zu dicht neben ihm steht. Dann hilft es schon, ihn bei den Mahlzeiten allein zu lassen. Jeder Hund hat andere Vorlieben – manch einem gefällt es nicht, an bestimmten Stellen gekrault zu werden, ein anderer lässt sich nicht gern hochheben und wieder einer fühlt sich bedrängt, wenn sich Menschen über ihn beugen.

Knurrt er vor allem fremde Menschen oder Kinder an? Möglicherweise hat er Angst vor Fremden und mag es nicht, wenn Kinder zu wild mit ihm toben. Dann lässt es sich einrichten, Unbekannte und Kinder nicht zu nahe an ihn herankommen zu lassen. Wenn der Hund sich aber an jeder Kleinigkeit stört und permanent etwas auszusetzen findet, muss er vielleicht lernen, dass er manche Gegebenheiten akzeptieren muss. Auch wenn Dominanzgehabe der Grund für sein Knurren ist, weil der angestammte Vierbeiner eifersüchtig auf ein neues Familienmitglied ist, muss er gelegentlich freundlich daran erinnert werden, dass er sich mit dem Neuzugang abfinden sollte.

Wie zeigt ein Hund Vertrauen?

Hunde kennen viele Ausdrucksmöglichkeiten, um ihren Menschen Vertrauen und Liebe zu zeigen. Sie springen an ihnen hoch, lecken ihnen das Gesicht ab und erfüllen jederzeit ihre Wünsche, indem sie zum Beispiel das geworfene Stöckchen zurückbringen. Einen richtig großen Vertrauensbeweis erbringt ein Hund, der sich neben seinem Herrchen oder Frauchen schlafen legt.

Was hilft vorbeugend gegen das Knurren?

Je nachdem, aus welchem Grund der Hund knurrt, kann es sich in manchen Fällen von vornherein vermeiden lassen. Hat der Vierbeiner Angst, weil er bestimmte Geräusche oder Gegenstände mit unangenehmen Erlebnissen verbindet? Dann ist es vielleicht möglich, den Situationen aus dem Weg zu gehen. Oder aber der Hund beruhigt sich mit der Zeit, wenn er immer wieder vorsichtig an den Auslöser der Stresssituation herangeführt wird.

Ein Hund, der sich einmal an einem heißen Topf verbrannt hat, wird wahrscheinlich jedes Mal zu knurren beginnen, wenn er einen Kochtopf sieht. Um ihm zu zeigen, dass nicht von allen Töpfen eine Gefahr ausgeht, kann ihm das Objekt der Angst behutsam näher gebracht werden. Darf er an einem Tag an einem kalten Topf schnuppern und ihn am nächsten Tag vorsichtig mit der Pfote berühren, wird er nach einiger Zeit gelassener auf Kochgeschirr reagieren. Auch wenn ein Hund verletzt ist und deshalb nicht angefasst werden möchte, können vorsichtige Annäherungen ihm zeigen, dass er sich vor seinem Menschen nicht fürchten muss. Hat Herrchen oder Frauchen sein krankes Pfötchen einmal sanft gestreichelt, ohne dass es ihm Schmerzen verursacht hat, wird er wahrscheinlich seine Abwehrhaltung aufgeben.

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