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Carpatin

von Marcel Hammerich
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Der Carpatin ist ein rumänischer Hirtenhund. Beim FCI wird er unter der Standard-Nummer 350, Gruppe 1 (Hüte- und Treibhunde), Sektion 1 (Schäferhunde), geführt.

Carpatin im Steckbrief

Steckbrief
Größe: 59-73 cm
Gewicht: 32-45 kg
FCI-Gruppe: 1: Hütehunde und Treibhunde
Sektion: 1: Schäferhunde
Herkunftsland: Rumänien
Farben: Schwarz-Grau, Grau, Wolfsfarbig, Beige
Lebenserwartung: 12-14
Geeignet als: Hüte- und Schutzhund
Sportarten:
Charakter: Sehr anhänglich, Mutig, Treu, Hochintelligent, Unabhängig
Auslaufbedürfnisse: mittel
Sabber-Potential:
Stärke des Haarens: mittel
Pflegeaufwand: mittel
Fellstruktur: harsch, dicht, gerade mit dichter und weicher Unterwolle
Kinderfreundlich: eher ja
Familienhund: mittel
Sozial:

Herkunft und Rassegeschichte

Die Hunderasse mit dem ausführlichen Rassenamen Ciobănesc Românesc Carpatin ist seit Jahrhunderten in den Karpaten ansässig. Dieser Typ Hirtenhund entwickelte sich aus einer Naturrasse. Der Ursprung dieser Vorfahren lag im Donaugebiet der Karpaten. Der Carpatin ist ebenfalls unter den Namen Romanian Carpathian Shepherd, Câine Ciobănesc Carpatin und Ciobanesc Carpatin bekannt.

Seine Aufgabe war und ist bis heute der Schutz von Viehherden. Vor allem in den Sommermonaten wird dieser Hirtenhund bei Schaf- und Ziegenherden eingesetzt. Traditionell werden diese Nutztiere im Frühjahr in die Gebirgsregionen getrieben. Dort verweilen sie bis zum Herbst und erst dann beginnt wieder der Abstieg ins Tal. In diesen Regionen leben nach wie vor Raubtiere (Bären, Wölfe, verschiedene Arten von Wildkatzen). Der Schutz der Herden obliegt allein diesem selbständigen Gebrauchshund. Mutig verteidigt er seine Schützlinge.

Im Jahr 1934 wurde der erste Standard für diese Rasse festgelegt, davon war das nationale rumänische Institut für Zootechnik der Verfasser. Anpassungen an dem Rassestandard erfolgten 1982, 1990 und 2001. Diese Korrekturen und Aktualisierungen erfolgten durch den kynologischen Dachverband in Rumänien. 2005 wurde die Rasse durch die Fédération Cynologique Internationale (FCI) vorläufig anerkannt. Erst im Jahr 2015 erteilte der FCI die vollständige Anerkennung.

Die Lebensaufgabe dieses tapferen und treuen Hundes ist der Schutz von Mensch und Tier. Das gilt ebenfalls noch im 21. Jahrhundert. Die meisten Züchter dieser Rasse leben in Rumänien. Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) kann nähere Auskünfte erteilen, wo es Carpatin-Züchter in Deutschland gibt.

Woher kommt der Carpatin?

Sein Heimatland ist das Gebiet der Karpaten. Dieser ursprüngliche Landstrich liegt in Rumänien.

Wesen & Charakter des Carpatin

Die Hauptmerkmale dieser Rasse sind Mut, Treue und Wachsamkeit. Diese Anlagen sind bereits im Welpenalter erkennbar. Seine Souveränität wird durch sein ruhiges und ausgeglichenes Wesen deutlich. Der unabhängige und eigenständige Charakter wird bei der Erledigung von Aufgaben (Wachhund, Hirtenhund) deutlich. Diesem Erbgut muss „sein“ Besitzer gerecht werden.

Andererseits ist der Carpatin für seine enge Bindung und Treue zu seinem Menschen bekannt. Gegenüber Artgenossen ist er reserviert, aber nicht aggressiv. Der erwachsene Ciobănesc Românesc Carpatin wird keine weiteren Haustiere neben sich akzeptieren. Im Welpen- und Junghundealter ist er toleranter. Alle Vierbeiner, mit denen er aufwächst, wird auch der erwachsene Hund als Familienmitglieder ansehen.

Wozu wird der Carpatin eingesetzt?

Diese Rasse ist ein idealer Hüte- und Wachhund. In seinem Heimatland Rumänien sind das seine Hauptaufgaben. Vor allem Besitzer von Schafherden nutzen seine Vorzüge.

Hunde dieser Rasse

Aussehen des Carpatin

Carpatin von vorne

Die dichte Unterwolle des Carpatin schützt vor Kälte.

Dieser große Hund ist in seinen Proportionen stimmig. Die Widerristhöhe bei den Rüden liegt zwischen 65 und 73 cm. Die wesentlich kleineren Hündinnen haben eine Widerristhöhe von 59 bis 67 cm. Das Gewicht ist an die Körpergröße angepasst und kann um die 40 bis 45 kg liegen.

Der Kopf mit einer wolfsähnlichen Schnauze und den dreieckigen Schlappohren ist kräftig. Die mandelförmigen und leicht schräg stehenden Augen sind bernsteinfarben während der kräftige Hals in einen rechteckigen Körper übergeht. Die halblange Rute reicht bis zum Sprunggelenk und bei Aufregung wird sie halbhoch oder bis Höhe der Kruppe getragen. Die kräftigen Vorder- und Hinterbeine sind muskulös. Den Abschluss bilden die kompakten und ovalen Pfoten.

Das markante Aussehen wird vor allem durch die Fellstruktur erreicht. Generell ist das Fell hart, dicht, glatt und etwa halblang. Am Kopf und an den Vorderseiten der vier Beine ist es wesentlich kürzer und anliegend. Am Hals, den Rückseiten der Läufe und an der Rute ist die Fellstruktur eher buschig. Eine dichte weiße Unterwolle schützt den Hirtenhund zusätzlich vor der Kälte.

Das Fell ist wolfsgrau mit verschiedenen Schattierungen, beginnend mit helleren Beinen (falbfarben) bis zu einem schwarzen Sattel an den Rückenpartien.

Wie groß wird ein Carpatin?

Die Carpatin-Rüden sind bedeutend größer als die Hündinnen. Die Widerristhöhe schwankt zwischen 65 und 73 cm. Bei den Hündinnen liegt die Widerristhöhe bei 59 bis 67 cm.

Impressionen der Hunderasse

Erziehung & Haltung des Carpatin – Das gilt es zu beachten

Dieser freundliche große Hund stellt einige Anforderungen an seinen Besitzer. Vor allem sein Beschützerinstinkt gegenüber „seinem“ Menschen muss früh in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Eine konsequente Erziehung von klein auf ist das A und O für diesen Rumänen. Hundeanfänger werden mit dieser Hundepersönlichkeit nicht glücklich, denn dann wird dieser der Welpe das Zepter schnell übernehmen. Der Besuch einer Hundeschule rettet den Anfänger nicht vor der Enttäuschung und dem Frust im Alltag. Doch mit konsequentem Training kann der Carpatin zu einem gehorsamen Hund werden.

Der zukünftige Besitzer sollte im Idealfall Erfahrungen mit eigenwilligen und selbständigen Hunden haben. Mit dieser Voraussetzung und der Unterstützung durch einen Hundetrainer sind die richtigen Weichen gestellt. Konsequenz ist nicht gleichzusetzen mit Härte in der Erziehung. Durch eine sichere Hand kombiniert mit „Hundeverstand“ gelingt es, diesen Hundetyp „salonfähig“ zu machen.

Der Carpatin ist auf keinen Fall ein Stadthund. Ebenfalls ist ein Reihenhaus auf dem Land ungeeignet. Ideal wäre ein Gebäude mit viel angrenzenden Grund, wo viel Platz für den Hund vorhanden ist, wie beispielsweise ein alter Bauernhof. Er muss die Möglichkeit haben draußen zu schlafen, wenn er es möchte. Dieser Naturbursche wird auch bei konsequenter Haltung nicht zum Schoßhund mutieren.

Die dritte große Herausforderung für den Hundebesitzer ist die richtige Beschäftigung seines Mitbewohners. Als Wachhund für Haus und Hof ist er gut geeignet. Die Tätigkeit als Hütehund für Schafe und Ziegen wäre ideal. Beispielsweise kann ein Hobbybauer sicher sein, dass seine Tiere während seiner Abwesenheit gut beschützt sind.

Soll der Carpatin mehr Familienhund sein, dann benötigt er eine andere Auslastung. Tägliche sportliche Beschäftigung mit Herrchen und/oder Frauchen ist ein Muss. Dabei ist auf keinen Fall nur eine Joggingrunde ums Dorf ausreichend. Eine solche Strecke kann als Zusatz gewertet werden. Wenn der Mensch das Hüteverhalten im Griff hat, kann der Ciobanesc Carpatin ebenfalls als Reitbegleithund fungieren. Dadurch wird ebenfalls die notwendige Bewegung erreicht.

Das Wesen dieses großen Hundes ist freundlich. Er kann theoretisch in Familien mit Kindern leben, doch die zeitaufwendige Beschäftigung dieses Hundes kollidiert meist mit dem Familienleben mit kleinen Kindern. Teenager sind schon eher die Altersgruppe, die zu ihm passt. Die Koordination der Auslastung kann aufgeteilt werden. Die ganze Familie muss an einem Strang ziehen, um dem Hund gerecht zu werden und ihn voll auszulasten.

Was kostet ein Carpatin?

Diese Hunderasse ist hauptsächlich in Rumänien vertreten und das Preisniveau länderspezifisch. Die Anschaffung kostet hierzulande meist 800 Euro oder mehr.

Ernährung des Carpatin

Wichtig ist eine gesunde an seine Größe und seinen Aktivitäten angepasste Ernährung. Diese aktive und robuste Hunderasse ist nicht wählerisch. Die besten Auskünfte für die Ernährung kann der jeweilige Züchter geben. Theoretisch ist Nass- und Trockenfutter möglich, aber beide Futterarten müssen hochwertig sein. Das Trockenfutter kann besser portioniert werden. Das Nassfutter gibt es mit oder ohne Soße. Der Nachteil bei Nassfutter ist der enorme Dosenabfall.

Der Carpatin ist eine ursprüngliche Rasse. Hier kann ein gutgemeintes Zuviel Probleme verursachen. Bekommt er mehr Futter als er braucht, kann er zu Übergewicht, Magen- und Darmprobleme sowie Gelenkbeschwerden neigen.

Hin und wieder braucht der Carpatin Knochen zur Beschäftigung und für die Zähne. Rohes Fleisch mit zusätzlichen gesunden Zutaten wäre die dritte Möglichkeit für die Ernährung. Unter die Sparte Belohnung sollten natürliche Produkte fallen. Hier gibt es eine Menge Möglichkeiten beispielsweise vom Rind, Schwein und Huhn. Obacht ist geboten bei Leckerlis, denn davon sollte diese Hunderasse nicht zu viel bekommen.

Gesundheit – Lebenserwartung & häufige Krankheiten

Carpatin Welpe

Der Carpatin als Welpe.

Bei dem Ciobănesc Românesc Carpatin handelt es sich um eine robuste Rasse. Anfälligkeiten für bestimmte Krankheiten sind nicht bekannt. Die sogenannten Zivilisationskrankheiten (Herz, Fell, Allergien) wegen Überzüchtung treten noch nicht auf.

Die Lebenserwartung liegt zwischen 12 und 14 Jahren. Gegen altersbedingte Verschleißerscheinungen ist dieser Hund nicht immun.

Bei einer rassespezifischen Haltung (viel Bewegung) und angepasster Ernährung (mittlerer Futterbedarf) neigt dieser Hund nicht zu Übergewicht, doch das sollte der Halter stets im Blick haben.

Das dichte Fell und die Unterwolle schützen ihn vor Kälte. Große Hitze macht ihm allerdings Probleme, sodass er im Sommer immer einen Platz im Schatten zur Verfügung stehen haben sollte. Auch ausreichend Wasser sollte stets vorhanden sein. Am wohlsten fühlt der Hund sich bei Temperaturen, die seinem Heimatland Rumänien am ähnlichsten sind. Solche klimatischen Verhältnisse unterstützen seine Gesundheit und das Wohlbefinden.

Wie alt wird ein Carpatin?

Die Lebenserwartung dieser Rasse liegt zwischen 12 und 14 Jahren.

Pflege des Carpatin

Der Pflegeaufwand ist nicht groß, sodass regelmäßiges Bürsten des Felles ausreichend ist. Lediglich zu Zeiten des Fellwechsels (Frühjahr und Herbst) sollte der Hund mit dem Wechsel der Unterwolle unterstützt werden. Zu diesen Zeiten ist der Haarausfall etwas gesteigert. Dem zukünftigen Hundebesitzer muss klar sein, dass bei diesem Fell vermehrt Hundehaare im Wohnbereich liegen. Je nach Jahreszeit kann das Fell dann nicht nur staubig, sondern auch schmutzig sein. Einen Carpatin in der Badewanne waschen ist ein No-go, man sollte den Dreck aus dem trockenen Fell ausbürsten.

Natürlich darf die Krallenpflege nicht vergessen werden. Bei viel Bewegung werden die Krallen zwar in der Regel abgenutzt, aber eine regelmäßige Kontrolle ist dennoch sinnvoll. Werden alle Krallen gleichmäßig abgenutzt? Ist eine Kralle gesplittert? In solchen Fällen muss eine Korrektur durch den Besitzer durchgeführt werden.

Carpatin – Aktivitäten und Training

Dieser freundliche Riese muss schon früh gefordert werden. Bereits als Welpe sollte er auf sein zukünftiges Leben vorbereitet werden. In dieser Lernphase muss bereits zwischen Gebrauchs- und Familienhund unterschieden werden.

Für die Nutzung als Arbeitshund müssen die vorhandenen Anlagen unterstützt und ausgebaut werden- Der intensive Kontakt zum Hundeführer ist wichtig, doch der Halter ist trotz aller Selbständigkeit der Hunderasse der Chef. Das muss der Hund stets wissen, damit er den Halter respektiert und den Befehlen folgt.

Bei einem zukünftigen Familienhund sollte der angeborene Hütetrieb in andere Bahnen gelenkt werden. Die beste Auslastung ist viel Bewegung zusammen mit seinem Menschen. Von klein auf muss er alle Familienmitglieder akzeptieren. Auch Freunde müssen toleriert werden.

Gerade im Hundesport gibt es inzwischen viele Laufdisziplinen, die der Mensch mit Hund absolvieren kann. Den Schutztrieb kann beispielsweise in einem Hundeverein mit einer Abteilung für Schutzdienst ausgelebt werden. Diese Sparte hat viele Disziplinen. Hier wird der Hund nicht gedrillt, sondern kann seine Veranlagung mit verschiedenen Übungen ausleben. So kann er sowohl mental als auch körperlich gut ausgelastet werden. Dieser Sport wird unter Anleitung eines Trainers ausgeübt. Als Grundlage dient dabei die Hundeausbildung (Welpe, Junghund) mit der Begleithundeprüfung als Abschluss. Während dieser Lernphase werden die Inhalte im Privatbereich weiter vertieft. Der geeignete Hundesport bietet Auslastung und fordert die Intelligenz.

Ziel der Kombination von Hundesport und privaten Aktivitäten ist, einen zufriedenen und ausgeglichenen Carpatin als Familienhund zu haben.

Gut zu wissen: Besonderheiten des Carpatin

Dieser Hund ist eine ideale Mischung von Mut, Treue, Tapferkeit und der Möglichkeit Situationen einzuschätzen und selbständig zu handeln. Er wird seinen Besitzer bei der Erledigung von Aufgaben im Bereich Hüte- und Wachhund selten enttäuschen.

Besonders ist, dass die Carpatin-Zucht in Deutschland nicht weit verbreitet ist. Wer einen Hund dieser Rasse sucht, muss sich darauf einstellen, dass es länger dauern kann, bis man einen geeigneten Züchter gefunden hat.

Nachteile des Carpatin

Die vorhandenen positiven Eigenschaften sind für ein Leben als Hütehund ideal. Gerade diese Vorteile werden für viele zum Nachteil bei ungenügender Auslastung und falschem Lebensraum. Der Carpatin benötigt viel Platz und viel Zeit. Er ist auf keinen Fall für ein Stadtleben geeignet und will stets gefordert werden. Das muss ein zukünftiger Halter immer beachten – dieser Hund will beschäftigt und ausgelastet werden!

Passt der Carpatin zu mir?

Diese Hunderasse benötigt viel Platz. Idealerweise sollte ein geeignet großes Haus mit eingezäunter Freifläche vorhanden sein wie beispielsweise ein alter Bauernhof oder ähnliche Wohnmöglichkeiten auf dem Land. Ein Reihenhaus ist nicht ausreichend.

Die Haltung dieser Hunderasse ist zeitaufwendig und eine sportliche Herausforderung. Bei einem langen Arbeitstag muss tagsüber eine anderweitige Beschäftigung für den Carpatin vorhanden sein. Dieser Hund ist nicht der Typ, der Zuhause ruhig auf sein Herrchen wartet. Idealerweise hat der Besitzer einen Beruf in freier Natur und kann ihn mitnehmen.

Carpatin liegend

Der Carpatin braucht viel Platz und sportliche Herausforderungen.

Dieser freundliche Hund ist als Familienhund geeignet, doch in einem Kinderhaushalt wird es problematischer. Dabei geht es lediglich um die fehlende Zeit, denn Kinder und der Carpatin verlangen gleichviel Aufmerksamkeit und Zeit und das ist nicht machbar. Eltern können dem Hund meistens nicht gerecht werden. Das muss vor dem Kauf gut überlegt werden.

Kann dieser Hütehund bei älteren Menschen leben? Das kann nicht eindeutig beantwortet werden. Sportliche und gesunde Senioren können dem Carpatin 14 Jahre lang gerecht werden. Senioren mit nicht so stabiler Gesundheit sollten sich eine andere Rasse zulegen. Viele Hunde sind mit zwei Gassirunden am Tag und mit anschließendem Hundebett zufrieden, doch dazu zählt der Carpatin nicht.