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Hund bellt andere Hunde an – Das sind die Gründe

von Michael Hein
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Jeder Hund hat seinen eigenen Charakter und grüßt andere Hunde auf eigener Art und Weise, manchmal mit viel Schnuppern und Schwanzwedeln. Doch manche Hunde können einfach nicht mit anderen Hunden, und solche Begegnungen werden schnell zur Nervenprobe für Frauchen und Herrchen. Viele Hundehalter kennen es: der Hund bellt andere Hunde an – und schon fängt er an der Leine rumzutoben. Oftmals beruhigen die Vierbeiner sich nicht, bis die anderen Artgenossen verschwunden sind. Doch warum bellen manche Hunde andere Hunde an? Und was kann man als Hundehalter gegen das Bellen unternehmen? Warum ein Hund andere Hunde anbellt, erfährst Du in diesem Artikel.

Hund bellt andere Hunde an – Gründe und Ursachen

Der Begriff „Aggression“ oder „aggresiv“ wird oft verwendet, um bellende Hunde abzustempeln. Doch eigentlich gehört das von Menschen als aggressiv empfundene Verhalten zu der normalen Kommunikation unter Hunden. Der Sinn von einem solchen Verhalten? Distanzvergrößerung. Hunde werden viel an der Leine geführt – eine unnatürliche Einschränkung für die Vierbeiner. An der Leine können sie manchen Begegnungen nicht aus dem Weg gehen und müssen auf anderer Art und Weise eine gewünschte Distanz zu ihren Artgenossen schaffen. Durch die Einschränkung an der Leine bleibt den Vierbeinern bei ungewollten Begegnungen manchmal nichts übrig außer Bellen.

Gründe für das Anbellen anderer Hunde:

  • Fehlende Sozialisierung im Welpenalter
  • Übereifer, Teilnahmezwang, hohen Energieüberschuss
  • Aggression durch ggf. falsche Hundeerziehung
  • Aufregungs- und Entspannungsprobleme
  • sexuelle Frustation oder Langeweile
  • Angst oder Unsicherheit
  • Starkes Dominanzverhalten
  • Beschützerinstinkt
  • Starker Herdentrieb, Territorialverhalten
  • Verteidigung von Ressourcen (Futter, Leckerlis, Spielzeug)
  • Negative Erinnerungen
  • Schmerzen
  • Große Freude

Warum bellt mein Hund andere Hunde an?

Sie wollen eine Distanzvergrößerung schaffen. Hunde werden viel an der Leine geführt - eine unnatürliche Einschränkung für die Vierbeiner. Somit können sie manchen Begegnungen nicht aus dem Weg gehen und müssen auf anderer Art und Weise eine gewünschte Distanz zu ihren Artgenossen schaffen. Durch die Einschränkung an der Leine bleibt den Vierbeinern bei ungewollten Begegnungen oft nichts übrig außer Bellen.

Anzeichen beim Hund – wie erkenne ich, warum mein Hund bellt?

Viele Hunde bellen unerwünscht aufgrund von territorialen Aggressionen. Die Hunde könenn es nicht leiden, wenn andere Hunde in „ihrem“ Revier aufhalten. Schlimmer noch, wenn sie sich im Spiel befinden. In solchen Situationen kann es schnell ungemütlich werden, denn viele Hundehalter denken, der Hund will nur spielen. Doch hier geht es lediglich darum, den Bereich, in dem Hund und Frauchen/Herrchen sich gerade befinden, zu verteidigen. Eindringende Hunde sind unerwünscht und sollen vertrieben werden. Der Hund springt und reist aus lauter Frust mit voller Kraft an der Leine, bellt und knurrt die anderen Hunde an. Dass dieses Verhalten häufig an der Leine vorkommt, hat damit zutun, dass die Hunde im „Freien“ alles bestens kontrollieren können. Ist der Eindringling abgecheckt, geht es danach meistens normal weiter.

Auch die sexuelle Frust zählt zu den häufigsten Gründen für das Bellen. Wenn Hunde sexuell frustriert sind, möchten sie ihre gleichgeschlechtlichen Artgenossen vertreiben. Gerade Rüden möchten Rüden vertreiben – vor allem wenn sie unkastriert sind. Dieses Verhalten kann aber bei Rüden UND Hündinnen vorkommen. Die Vierbeiner können es einfach nicht leiden, wenn sich Konkurrenten in ihrer Nähe aufhalten. Im Freilauf würden sie durch Markieren, Knurren und Scharren zeigen, wer in dem Revier der Chef ist. Durch das Aufstampfen mit den Vorderpfoten, einer steifen Körperhaltung und einen gehobenen Kopf, kombiniert mit Bellen, lässt sich sexuelle Frust oft schnell erkennen. Eigentlich möchten Hunde in diesem Fall gar nicht ihre Artgenossen angreifen – lediglich zeigen, wer die Hosen an hat.

Hund bellt

Territoriale Aggressionen oder sexueller Frust sind Gründe für häufiges Bellen.

Einige Hunde möchten durch Bellen ihre Ressourcen verteidigen. Hier kann es sich um mitgenommene Leckerchen oder Spielzeuge handeln. Durch das Anbellen und das Stellen zwischen dem Objekt der Begierde und dem Konkurrenten möchte der Hund genau zeigen, was ihm gehört. Auch der Mensch kann für den Hund als zu verteidigende Ressource angesehen werden, denn oft platzieren sich Hunde demonstrativ vor ihrem Halter, um diese als „seins“ zu erklären. Das demonstrative Platzieren vor dem Menschen kann mit dem Beschützerinstinkt stark verbunden werden. Wenn andere Hunde dem Menschen zu nahe kommen, startet der Angriff. Dieses Verhalten findet auch vor allem an der Leine statt, denn sobald der Halter sich nicht als Führungskraft zeigt und durchsetzt, übernimmt der Hund diese Rolle und hat das Gefühl, Herrchen oder Frauchen beschützen zu müssen

Wie kann man dem Hund das Bellen abgewöhnen?

Es wird empfohlen, mit einem professionellem Hundetrainer gemeinsam an dem Bellen zu arbeiten, damit ein auf das Mensch-Hund-Team angepasster Trainingsplan schnellstmöglich entwickelt werden kann. Ein Trainer kann genau beurteilen, wie Hund und Mensch im Umgang miteinander sind und welche Auslöser und Ursachen zu dem Bellen führen.

Trainingsmethoden – wie wirke ich den Ursachen entgegen?

Beim Bellen kann es einen Mix an verschiedenen Ursachen geben. Es kann auch sein, dass das Verhalten einfach nur ritualisiert ist, da der Hund dieses Verhalten lange Zeit ausüben durfte. Wichtig für das Abgewöhnen von Bellen ist ein erfolgreiches Training.

Um eine Grundlage für ein Hundetraining aufbauen zu können, ist es wichtig herauszufinden, um welche Ursachen es sich handelt. Je nach Ursachen können verschiedene Trainingsmethoden angewendet werden. Manche Hunde brauchen Impulstraining, andere müssen lernen, ihrem Menschen zu vertrauen – es ist von Hund zu Hund unterschiedlich.

Die unten aufgeführten Punkte sind jedoch nur Ratschläge, und keine Trainingsmethoden. Die Ursachen des Bellens sind oft schwer zu erkennen. Es wird empfohlen, mit einem professionellem Hundetrainer gemeinsam an dem Problem zu arbeiten, damit ein auf das Mensch-Hund-Team angepasster Trainingsplan schnellstmöglich entwickelt werden kann. Ein Trainer kann genau beurteilen, wie Hund und Mensch im Umgang miteinander sind und welche Auslöser es für das Bellen gibt. Wie bei jedem Verhaltenstraining wird das neu trainierte dann Schritt für Schritt in den Alltag implementiert, bis es erfolgreich ist.

Tipps gegen das Anbellen anderer Hunde:

  • Strahle Sicherheit aus und gehe bestimmt und sicher an dem anderen Hund vorbei
  • Lenke den Vierbeiner mit einem Spielzeug ab
  • Arbeite an dem Vertrauensverhältnis mit deinem Hund
  • Hundetraining mit einer Hundepfeife
  • Leine des Hundes locker lassen

Wie bringe ich meinem Hund bei, andere Hunde zu ignorieren?

Lenke den Hund mit einem Spielzeug oder Leckerli ab, sobald er den anderen Hund sieht. Wichtig ist, dass er diese nur als Belohnung bekommt, wenn er während der Begegnung nicht auf den anderen Hund reagiert. Der Hund lernt hierdurch, dass Begegnungen mit anderen Artgenossen durchaus positiv sein können.

Hund bellt andere Hunde an – So reagierst Du falsch

Egal ob man die Ursache des Bellens kennt oder nicht – es gibt Reaktionen, die Hundehalter unbedingt vermeiden sollten. Eine falsche Reaktion kann die nervenreibende Situation schon verschlechtern, bevor sie begonnen hat.

Vermeide Panik. Vermeide es unbedingt, in Panik oder Unruhe zu verfallen, sobald Du einen anderen Hund siehst. Denn wenn Dein Hund die Situation noch gar nicht realisiert hat und Du Dein Verhalten plötzlich änderst, wird er es bemerken – und dementsprechend auch drauf reagieren. Eine plötzliche Verhaltensänderung des Menschen signalisiert dem Vierbeiner eine Gefahr und ruft zur erhöhten Wachsamkeit auf. Es löst das aus, was man in solchen Momenten vermeiden möchte: das eigene, unruhige Verhalten reflektiert sich auf den Hund und verursacht das Gegenteil von Entspannung und Ausgeglichenheit.

Hunde bellen andere Hunde an

Als Hundebesitzer sollte man stets ruhig und entspannt bleiben.

Bleib entspannt! Wenn Du entspannt bist, ist der Hund es auch. Zureden, panisch die Straßenseite wechseln, Schimpfen oder plötzliches Loslaufen, um schnellstmöglich an dem anderen Hund vorbeizukommen, sind für den Vierbeiner einen eindeutigen Hinweis auf eine bevorstehende Gefahr. Entspanne Dich, strahle Ruhe aus, vermittle Deinem Hund Entspannung und lass Dir nicht anmerken, dass etwas gleich passieren könnte. Und wenn Dein Hund sich richtig verhalten hat, darfst Du ihn natürlich danach belohnen.

Was tun, wenn eine Hundebegegnung zu eskalieren droht?

Fixiert Dein Hund sich sofort auf andere Hunde und macht sich auf einen aktiven Angriff bereit, solltest Du die Situation ernst nehmen. Oft bleibt nichts anderes als ein Spurwechsel übrig. Wechsle die Laufrichtung, bleib dabei aber ruhig und entspannt. Vermeide es unbedingt, in Panik oder Unruhe zu verfallen, sobald die Situation zu eskalieren droht. Denn wenn Du Dein Verhalten plötzlich änderst, wird der Hund es bemerken. Eine plötzliche Verhaltensänderung des Menschen signalisiert dem Vierbeiner eine Gefahr und ruft zur erhöhten Wachsamkeit auf.

5 Strategien wie Du vorgehen kannst, wenn Dein Hund andere Hunde anbellt

Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren und in Begegnungssituationen nicht direkt in Panik zu verfallen. Hier sind 5 Strategien, die Du in der Erziehung anwenden kannst, um Kontrolle über die Situation zu behalten:

Ablenkung

Falls Dein Hund zum starken Ziehen an der Leine neigt, wenn er seine Artgenossen sieht, dann halte die Leine fest in der Hand, aber nicht stramm. Sobald Dein Vierbeiner den anderen Hund bemerkt, bekommt er ein Leckerli. Wichtig ist, dass er diese kleine Belohnung bereits während der Begegnung mit dem anderen Hund bekommt, nicht davor oder danach. Und er kriegt das Leckerchen auch nur dann, wenn er sich wirklich positiv verhalten hat. Der Hund soll hierdurch lernen, dass Begegnungen mit anderen Hunden auch entspannt sein können. Er wird nicht für die überstandene Situation belohnt, sondern für sein entspanntes Verhalten. Bellt der Hund, gibt es kein Leckerli. Nach einer Weile mit erfolgreichen, entspannten Begegnungen kann Du damit beginnen, Deinem Hund immer weniger zu belohnen. Du lässt die Leine locker und fütterst etwas weniger. Falls der Hund nicht auf Leckerlis reagiert, kannst Du ihn auch mit einem Spielzeug oder Stock ablenken und belohnen.

Spurwechsel

Fixiert Dein Hund sich sofort auf andere Hunde und macht sich auf einen aktiven Angriff bereit, solltest Du die Situation ernst nehmen. Manchmal bleibt nichts anderes als ein Spurwechsel übrig. Wechsle die Laufrichtung ruckartig, bleib dabei aber ruhig und entspannt. Der plötzliche Richtungswechsel wird Deinen Vierbeiner eher verwundern. Verwunderung ist eine gute Ablenkung und unterbricht den ungewollten Angriff auf den anderen Hund.

Hund bellt andere Hunde an: Was tun?

Fixiert Dein Hund sich sofort auf andere Hunde und macht sich auf einen aktiven Angriff bereit, solltest Du die Situation ernst nehmen.

Pausen machen

Eine weitere Möglichkeit, das Anbellen anderer Hunde zu vermeiden, ist sich der kommenden Situation zu entziehen. Mach mit Deinem Hund bei Spaziergängen Pausen, in denen Du Dich einfach mal hinsetzt und zur Ruhe kommst. Gerne kannst Du dabei mit Deinem Hund spielen, ihm einen kleinen Snack geben, oder ihn auch zur Ruhe kommen lassen. Ziel des Ganzen ist es, dem Hund entspannte Situationen anzugewöhnen. Wenn sich einer anderer Hund nähert, machst Du eine Pause. Da Dein Hund das Pausenritual dann kennt und es mit Entspannung verbindet, wird er sich auf die Pause einlassen. Sobald der Hund vorbeigegangen ist, kannst Du den Spaziergang normal fortsetzen.

Autorität und Kontrolle demonstrieren

Wenn Dein Hund gerne mal andere Hunde anbellt, solltest Du ihm klarmachen, dass Du das Alphatier bist. Bellt Dein Hund andere Hund an, nimmst Du die Leine kurz und hältst kräftig fest. Sorg dafür, dass Dein Hund eng an Deinen Beinen läuft. Den leeren Platz zwischen Deinem Vierbeiner und dem anderen Hund füllst Du mit Deinem Körper. Du läufst also in der Mitte, wenn ein anderer Hund kommt. Der Raum zwischen den Hunden bleibt möglichst groß und Dein Hund merkt schnell, dass Du die Kontrolle hast. Wichtig ist: Das Ganze sollte Kommentarlos stattfinden. Kein Gerede, kein Schimpfen, kein Belohnen. 

Dem Hund Sicherheit geben

Es ist sinnvoll Begegnungen mit anderen Hunden bereits im Welpenalter zu praktizieren. Ist der Hund an Begegnungen mit anderen Vierbeinern gewöhnt, wird er eher seltener Hunde anbellen. Begegnungen mit anderen Hunden zu Trainingszwecken sind an geeigneten Orten durchzuführen. Hier sollten Hunde nicht aus dem Sichtfeld geraten können. Es ist wichtig, dem Hund bei jeder Begegnung die nötige Sicherheit zu geben. Auch wenn die Situation für Dich als Hundehalter schwierig sein mag: bleib ruhig und entspannt. Jegliche Panik, jedes Verkrampfen, an der Leine ziehen oder Schimpfen nimmt der Hund als Dein „Bellen“ wahr und kann sich in dem Streit mit seinem Artgenossen gestärkt fühlen. Behalte Deine eigene Selbstdisziplin bei und gebe dem Hund ein sicheres Gefühl.

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