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Gewaltfreies Hundetraining

von Michael Hein
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„Ein Hund braucht eiserne Disziplin, autoritäre Erziehung und harte Bestrafung für Fehlverhalten“ – glücklicherweise gehören diese antiquierten Ansichten im Hundetraining mittlerweile weitestgehend der Vergangenheit an. Die Verhaltensforschung hat gezeigt, wie intelligent, lernwillig und feinfühlig unsere Hunde sind. Die moderne Hundeerziehung nimmt darauf Rücksicht und macht sich diese Eigenschaften der Vierbeiner im Training zunutze. Hundeschulen und Hundetrainer setzen heutzutage auf eine gewaltfreie und verhaltensorientierte Hundeerziehung. Mit Geduld, liebevoller Zuwendung und vor allem absoluter Konsequenz kann aus jedem Hund ein wohlerzogener und angenehmer Begleiter werden. Einige Tipps für ein positives gewaltfreies Hundetraining geben wir Dir in diesem Artikel.

Warum gewaltfreies Hundetraining so wichtig ist

Zunächst muss klar sein: Gewaltfreies Hundetraining bedeutet nicht regel- oder grenzenlos! Hunde sind soziale Lebewesen, die sich innerhalb eines Rudels mit einer festen Hierarchie und klaren Regeln sicher fühlen. Die ranghöheren Rudelmitglieder achten darauf, dass die Regeln von allen eingehalten werden, ohne dafür Gewalt anzuwenden. Ständige blutige Auseinandersetzungen würden das Rudel gegen Feinde schwächen und angreifbar machen.

Für ein entspanntes und vertrauensvolles Miteinander zwischen Hund und Mensch ist es sehr wichtig, eine enge emotionale Bindung zwischen beiden aufzubauen. Nur wenn der Hund sich seines Menschen sicher ist, ihm vertraut und sich bei ihm geborgen fühlt, kann er beruhigt dessen Führungsrolle im „Rudel“ anerkennen und hat keinen Grund, sich ihm zu widersetzen oder gar selber die Leitungsrolle anzustreben. Eine solche Bindung kann sich aber nur ausbilden, wenn der Vierbeiner nicht durch Gewalt, Strafe und Angst erzogen wird.

Gewaltfreies Hundetraining im Freien

Grenzen und Regeln spielen beim Hundetraining eine wichtige Rolle.

Wie trainiert man einen Hund gewaltfrei?

Indem das gewünschte Verhalten konsequent belohnt wird, während man unerwünschtes Verhalten des Hundes ignoriert oder bestenfalls vermeidet.

Eine Grundvoraussetzung dafür, ein guter „Boss“ zu sein, ist es, die Ausdrucksmöglichkeiten unserer Hunde genau zu kennen. Auch wenn sie nicht sprechen können, haben die Fellnasen sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten, ihre aktuelle Stimmung deutlich kundzutun. Körperhaltung, Mimik, Gestik, akustische und taktile Ausdruckselemente verraten einem gut informierten Hundebesitzer genau so viel über die Launen und Absichten seines Vierbeiners wie eine ausführliche Unterhaltung zwischen guten Freunden. Und auch der Hund weiß aufgrund der Körperhaltung und Stimmlage seines Menschen sehr genau, ob Herrchen oder Frauchen gerade zufrieden mit ihm ist oder sich ein anderes Verhalten wünscht.

Durch souveränes Auftreten und klare Ansagen kann ein Hundehalter seinen gewaltfrei erzogenen Hund mit wenigen Worten und Gesten lenken. Basiert die Beziehung aber nur auf Angst vor Strafe und Gewalt, fehlt dieses feine Verständnis für die Stimmungen und Bedürfnisse des jeweils anderen. Ein so abgerichteter Hund wird vielleicht „funktionieren“ – ein verlässlicher Partner in jeder Situation kann er aber niemals werden, da er seinem Menschen nicht vertrauen kann.

Was macht einen guten Hundetrainer aus?

Moderne Hundeschulen und Trainer, die sich mit Hundeverhalten wirklich auskennen, werden nur gewaltfreie Erziehungsmethoden anwenden und empfehlen. Es lohnt sich, als Hundehalter hier sehr genau hinzuschauen und notfalls die Hundeschule zu wechseln.

Gewaltfreies Hundetraining – so funktioniert es

Hunde lernen vor allem durch Erfahrung – positive wie negative. Soll der Hund also ein bestimmtes Verhalten zeigen, so muss er zunächst erfahren, dass sein Mensch genau diese Verhaltensweise in einer bestimmten Situation von ihm sehen möchte. Je positiver die Erfahrung für den Hund ist, wenn er schließlich das gewünschte Verhalten zeigt, desto freudiger wird er sich in Zukunft erneut so verhalten. In der Hundeerziehung spricht man von „positiver Bestärkung“ – der Hund macht, was er soll, und wird dafür belohnt. Unerwünschtes Verhalten wird dagegen einfach ignoriert oder bestenfalls vermieden.

Die Belohnungen sollten vor allem zu Beginn des Trainings auch wirklich besonders sein, etwa extra-leckere Häppchen, ein kurzes Spiel mit dem Lieblingsspielzeug oder ein sehr begeistert geäußertes Belobigungswort mit freudigen Streicheleinheiten. Je nach Hund können die Vorlieben da sehr unterschiedlich sein, das muss man als Hundehalter also herausfinden.

Warum sollte man einen Hund gewaltfrei erziehen?

Ein Hund, der nur aus Angst vor Strafe oder körperlicher Gewalt gehorcht, hat kein Vertrauen zu seinem Menschen. In unerwarteten Situationen wird er unsicher und schlimmstenfalls auch aggressiv reagieren, da er keine emotionale Bindung an seinen Halter verspürt.

Gewaltfreies Hundetraining zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass der Hundehalter sich bereits vorher genau überlegt, welches Verhalten er sich von seinem Hund wünscht, und dieses dann auch immer und konsequent einfordert. Schwammige Ansagen, wechselnde Kommandos oder ein täglich wechselndes „Verboten – Nicht verboten“-Spiel sind in der Hundeerziehung kontraproduktiv und verwirren den Hund extrem. Für die gängigen Verhaltensweisen wie das Sitzen, das Herankommen auf Ruf, das Liegen oder das anständige Laufen an der Leine solltest Du Dir also bereits im Vorfeld entsprechende Signalwörter überlegen, mit denen Du Deinem Hund sagst, was er tun soll.

Gewaltfreies Hundetraining mit Leine

Der Hundehalter sollte erwünschtes Verhalten immer und konsequent einfordern.

Damit der Hund beispielsweise das Kommen auf Ruf lernt, wird am besten zunächst in einem geschlossenen Raum oder einem eingezäunten Areal geübt, wo möglichst wenig Ablenkung herrscht. Der Mensch geht in die Hocke und lenkt die Aufmerksamkeit des Hundes auf sich, zum Beispiel durch spannende Geräusche wie Zungeschnalzen. Zeigt der Hund nun Interesse und kommt neugierig auf den Menschen zugelaufen, wird unauffällig ein Belohnungshappen in der Hand gehalten, und exakt in dem Moment, wo der Hund seinen Menschen erreicht, bekommt er diesen gleichzeitig mit dem deutlich gesprochenen Kommando, zum Beispiel „Hier“, und freudiger Belobigung zugesteckt. Der Hund verbindet nach nur wenigen erfolgreichen Versuchen dieser Übung sein Herankommen mit dem Lob und der Belohnung und wird schon bald dem Kommando „Hier“ freudig und freiwillig folgen.

Es ist für den bleibenden Erfolg wichtig, die einzelnen Übungsschritte langsam zu steigern. Das Herankommen im eigenen Wohnzimmer oder im Garten, den der Hund ja kennt, ist natürlich sehr viel einfacher zu befolgen als in einem noch unbekannten Gelände. Und kommen erst weitere Ablenkungen hinzu wie etwa andere Menschen oder gar spielwillige Hunde, dann braucht es schon sehr viel Disziplin und vor allem unbedingt ganz besondere Belohnungen, um das gewünschte Verhalten erfolgreich abzurufen. Klappt es mal nicht, hilft Schimpfen nicht weiter – besser schraubt der Mensch wieder eine Stufe zurück und übt unter geringerer Ablenkung, bis der Hund wirklich verlässlich kommt.

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