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Anaplasmose beim Hund – Die gefährliche Zeckenkrankheit

von Michael Hein
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Zecken sind lästige kleine Plagegeister, die sich vom Blut ihrer Wirtstiere ernähren. Sie gehören zur Gattung der Milben und kommen nahezu überall auf der Erde vor. Viele Zeckenarten sind Überträger zahlreicher Krankheiten, da sie während des Saugvorgangs winzige Krankheitserreger in den Organismus des Wirtes einbringen, wo diese sich dann über das Blut verbreiten und zu teils lebensgefährlichen Erkrankungen führen können. Eine solche durch Zecken übertragene Erkrankung ist die Anaplasmose des Hundes. Alles Wichtige über Anaplasmose beim Hund erfährst Du in diesem Artikel.

Anaplasmose (Hund): Krankheitssteckbrief

Was ist Anaplasmose beim Hund?

Bei der Caninen granulozytären Anaplasmose handelt es sich um eine bakterielle Infektion mit dem Erreger Anaplasma phagocytophilum, der zur Ordnung der Rickettsien gehört und vor allem durch Schildzecken wie den Gemeinen Holzbock übertragen wird. Tatsächlich weisen in Deutschland rund 1/3 aller Hunde Antikörper gegen diesen Erreger auf, was bedeutet, dass sie schon einmal damit infiziert waren. In manchen Regionen, in denen die Zecken eine besonders hohe Durchseuchung mit Anaplasmen aufweisen, sind es sogar bis zu 50 % aller Hunde. Allerdings zeigen nur sehr wenige Hunde auch tatsächlich Krankheitssymptome, bei den meisten verläuft die Infektion völlig unerkannt. 

Warum manche Hunde krank werden, viele andere dagegen nicht, obwohl sie denselben Erreger in sich tragen, ist noch nicht geklärt. Vermutlich entscheiden unterschiedliche genetische Varianten der Bakterien über ihre tatsächliche Gefährlichkeit. Klar scheint aber, dass ein einmal infizierter Hund lebenslang die Erreger in sich trägt, auch wenn er nicht sichtbar erkrankt.

Was ist Anaplasmose beim Hund?

Es handelt sich um eine bakterielle Infektion, die durch Zecken übertragen wird.

Anaplasmose beim Hund – So entsteht sie

Zecken – praktisch jeder Hund macht in seinem Leben gleich mehrfach Bekanntschaft mit diesen blutsaugenden Parasiten, vor allem dann, wenn der Vierbeiner sich viel in Feld, Wald und Wiese aufhält. Dort sitzt die Zecke an Grashalmen oder im Buschwerk und wartet nur darauf, dass ein passendes Wirtstier vorbeikommt – schon hält sie sich im Fell des Hundes fest, sucht in Ruhe einen geeigneten Platz und durchbohrt mit ihrem Mundwerkzeug die Haut. Über den Stechrüssel beginnt sie dann mit ihrer Blutmahlzeit und gibt dabei gleichzeitig Speichel in die Wunde ab, um die Blutgerinnung zu verhindern. Ansonsten würde sich die winzige Hautwunde sehr schnell wieder verschließen.

Anaplasmose beim Hund: Nahaufnahme einer Zecke

Die Anaplasmose ist nur für Hunde mit Immunschwäche oder schweren Vorerkrankungen gefährlich.

Im Speichel der Zecke sammeln sich etwa 24-48 Stunden nach dem Biss die Anaplasmen, die nun ungehindert in das Blut ihres Endwirtes gelangen. Hier besiedeln sie die weißen Blutkörperchen, vor allem die sogenannten neutrophilen Granulozyten, wo sie sich vermehren. Innerhalb weniger Tage kommt es zu einer Bakteriämie, das heißt die Bakterien verbreiten sich über das Blut und dadurch im gesamten Körper. Schließlich werden unterschiedliche Organe wie Nieren, Leber, Lunge, Magen-Darm-Trakt und auch das zentrale Nervensystem infiziert. Das Immunsystem des Hundes arbeitet aktiv gegen die Krankheitserreger und bildet Antikörper, die bei den meisten Hunden einen Ausbruch der Anaplasmose mit erkennbaren Symptomen verhindern.

Eine Infektion von Hund zu Hund oder gar auf den Menschen ist bislang nicht bekannt. Allerdings wird ein gewisses Infektionsrisiko durch den Kontakt mit Blut beim Umgang mit infizierten Tieren nicht vollständig ausgeschlossen.

Kann ein Hund an Anaplasmose sterben?

Die Anaplasmose ist nur für Hunde mit Immunschwäche oder schweren Vorerkrankungen gefährlich.

Symptome der Anaplasmose beim Hund

Kann das Immunsystem des Hundes den Ausbruch der Erkrankung nicht verhindern, treten meist etwa ein bis drei Wochen nach dem Zeckenbiss sehr akut erste Symptome auf. Zunächst erscheint die Erkrankung eher unspezifisch, der Hund zeigt ein stark gestörtes Allgemeinbefinden, ist schlapp und hat keinen Appetit. Im Blut führt die Anaplasmose zu einer deutlichen Verminderung der Blutplättchen (=Thrombozytopenie), die unter anderem für die Blutgerinnung zuständig sind. In der Folge kann es zu Einblutungen in die Haut oder in Organe kommen. Die möglichen Symptome der Anaplasmose sind:

  • Fieber (Körpertemperatur über 39°)
  • Abgeschlagenheit, Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
  • Erbrechen, Durchfall
  • Blutungen, zum Beispiel punktförmig in die Maulschleimhaut
  • Nasenbluten
  • blasse Schleimhäute durch Blutarmut
  • Lahmheit durch Polyarthritis
  • Krampfanfälle und andere neurologische Probleme
  • Husten

Wird die Krankheit im akuten Stadium nicht behandelt, geht sie nach etwa zwei bis drei Wochen in eine chronische Form über. Zwischen symptomfreien Phasen treten dann immer wieder Schübe mit Fieber auf. Solche chronischen Erkrankungen können zu Folgeschäden an betroffenen Organsystemen führen.

Ist Anaplasmose beim Hund ansteckend?

Die Erreger der Anaplasmose werden durch Zecken übertragen, eine Ansteckung direkt durch infizierte Hunde ist nicht beschrieben.

Diagnose von Anaplasmose

Da die klinischen Symptome bei einer akuten Anaplasmose recht unspezifisch sind und auch auf andere Erkrankungen hindeuten könnten, muss zur Diagnosesicherung unbedingt ein Erregernachweis erfolgen. Dazu wird dem Hund vom Tierarzt nach eingehender Befragung des Hundehalters zu den beobachteten Krankheitsanzeichen und einer ersten Allgemeinuntersuchung eine Blutprobe entnommen. In der akuten Verlaufsphase kann dann mittels PCR (= Polymerasekettenreaktion)-Test im Labor die DNA von Anaplasma phagocytophilum eindeutig nachgewiesen werden. 

Der gesicherte Nachweis von Antikörpern gegen den Erreger kann frühestens 30 Tage nach der ersten Infektion erfolgen. Da zu diesem Zeitpunkt aber eine akute Erkrankung bereits ausgebrochen wäre, ist der Antikörpernachweis eher ein Hinweis darauf, dass der Hund irgendwann mit Anaplasmen in Berührung gekommen ist und eine nicht klinisch manifeste Infektion vorliegt.

Anaplasmose: Hund wird behandelt

Die Erreger der Anaplasmose werden durch Zecken übertragen.

Da aber wie erwähnt etwa 1/3 aller Hunde in Deutschland Antikörper gegen Anaplasmen in sich tragen, ohne symptomatisch zu erkranken, besteht selbst bei positivem PCR-Test immer noch ein Restrisiko, dass der Hund zwar Anaplasmen in sich trägt, die Krankheitssymptome aber dennoch eine andere Ursache haben. Daher muss zusätzlich zu Untersuchungsbefund, PCR- oder Antikörpertest auch die Thrombozytopenie über ein Blutbild nachgewiesen werden. Kommt es unter der eingeleiteten Behandlung gegen Anaplasmen zu einem schnellen Anstieg der Thrombozyten im Blutbild, gilt die Diagnose erst als gesichert.

Was tun bei Anaplasmose?

Hat der Tierarzt die Erkrankung eindeutig diagnostiziert, wird eine Therapie mit Antibiotika eingeleitet.

Behandlungsmöglichkeiten und Therapie der Infektionskrankheit

Wird eine Anaplasmose beim Hund rechtzeitig erkannt und die Diagnose mittels PCR-Test und Blutuntersuchung abgesichert, kann eine Antibiotika-Therapie eingeleitet werden. Kontrolluntersuchungen des Blutes innerhalb der ersten Behandlungstage zeigen, ob die Therapie anschlägt. 

In den meisten Fällen wird schnell eine deutliche Besserung des Allgemeinbefindens des Hundes erzielt, und nach Abschluss der Antibiotikatherapie (meist nach etwa drei Wochen) ist der Vierbeiner wieder gesund. Da die Erreger aber wahrscheinlich nicht vollständig eliminiert werden können, sondern im Körper verbleiben, gibt es bei manchen Hunden, vor allem mit einer Immunschwäche, auch die Möglichkeit eines chronischen Krankheitsverlaufs mit Fieber-Schüben. Bei einem ansonsten gesunden Hund hat eine Infektion mit Anaplasma phagocytophilum keinen Einfluss auf die Lebenserwartung, egal ob die Krankheit ausbricht oder symptomlos verläuft.

Anaplasmose: Hund liegt auf dem Rasen

Die beste Vorbeugung gegen eine Anaplasmose ist ein umfassender Zeckenschutz des Hundes.

Anaplasmose beim Hund – Vorbeugung und Prophylaxe

Die beste Vorbeugung gegen eine Anaplasmose ist ein umfassender Zeckenschutz des Hundes. Zum einen sollte ein Hund nach jedem Spaziergang in der Natur nach Zecken abgesucht werden. Vor allem in der wärmeren Jahreszeit von Frühjahr bis Herbst sind Zecken nahezu überall auf Wiesen, Feldern und im Wald zu finden. Da die Übertragung der meisten Krankheitserreger durch die Zecke aber zeitverzögert erst mehrere Stunden nach dem Festsaugen erfolgt, kann durch die zeitnahe Entfernung der Zecke eine Infektion verhindert werden. 

Die Anwendung von medizinischen Präparaten zur Abwehr von Zecken und anderen Parasiten über Sprays, Spot-ons oder Tabletten hilft ebenfalls, den Hund vor Zecken zu schützen. Selbst wenn eine Zecke dennoch zubeißt, führt der Wirkstoff zu einem schnellen Absterben, noch bevor Krankheitserreger übertragen werden. Eine Impfung gegen die Anaplasmose gibt es nicht.

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