Home News Runder Tisch der Bundeslandwirtschaftsministerin zum Online-Handel mit Tieren: Folgen auf große Worte nun endlich Taten?

Runder Tisch der Bundeslandwirtschaftsministerin zum Online-Handel mit Tieren: Folgen auf große Worte nun endlich Taten?

von Michelle Holtmeyer
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Beim digitalen Runden Tisch des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) am 27. Januar 2021 tauschten sich Tierschutzorganisationen (so auch VIER PFOTEN), die Online-Plattformen edogs & Deine Tierwelt und Zuchtverbände mit Ministerin Julia Klöckner über Probleme und Lösungsansätze zum illegalen Handel mit Tieren im Internet aus.

Klare Forderung des Bündnisses aus den Tierschutzorganisationen VIER PFOTEN und TASSO e.V. sowie den Online-Plattformen Deine Tierwelt und edogs: Die Bundesministerin muss dringend Gesetze erlassen, die den Online-Handel mit Tieren sicher machen und kriminelle HändlerInnen vom Markt ausschließen. Nur so kann massives Tierleid verhindert, kriminelles Handeln strafrechtlich verfolgt sowie VerbraucherInnen geschützt werden.

Im Austausch mit der Bundesministerin zeigte sich deutlich, dass großer Handlungsbedarf besteht. Ebenso war eine klare Mehrheit überzeugt, dass ein zentrales Register insbesondere für die Online-Plattformen hilfreich wäre, um den illegalen Handel mit Tieren zu unterbinden. Bundesministerin Klöckner muss die ihr verbleibenden Monate im Amt nun sinnvoll nutzen, indem sie wirkungsvolle Maßnahmen zum Schutz tausender Tiere erlässt. Es darf keine Zeit verloren werden.

Ungeachtet dessen wird der Zusammenschluss von engagierten Organisationen und Unternehmen voraussichtlich noch in diesem Jahr ein Lösungsmodell umsetzen, nach dem nur noch registrierte Tiere von identifizierten Personen online inseriert werden dürfen.

Die Stimmen aus dem Bündnis dazu:

Daniela Schneider, Kampagnenverantwortliche für Heimtiere bei VIER PFOTEN: „Der heutige Austausch war ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber längst überfällig. Dass nahezu alle TeilnehmerInnen am Runden Tisch auf eine Gesetzesänderung drängen, verdeutlicht die traurige Schattenseite des Online-Handels: Das Tierleid dahinter ist immens. Wenn die Bundesministerin das Problem wirklich beenden will, dann muss sie jetzt sehr schnell eine gesetzliche Regelung mit einer Verifizierungspflicht für alle TierverkäuferInnen sowie eine Rückverfolgbarkeit der Tiere auf den Weg bringen. Sonst wird das in dieser Legislatur nichts mehr. Und auch die Ankündigung aus dem Koalitionsvertrag, Vorschläge für konkrete Maßnahmen oder sogar ein Verbot zu erlassen, wäre somit hinfällig.“

Mike Ruckelshaus, Leiter Tierschutz Inland bei TASSO e.V: „Wir brauchen endlich strenge gesetzliche Regelungen, die den Online-Handel mit Wirbeltieren aus der Anonymität holen und kriminellen HändlerInnen die Verkaufsplattform entziehen. Dazu ist es erforderlich, dass AnbieterInnen verifizierbar sind und nur registrierte Tiere angeboten werden dürfen, deren Herkunft sich so zurückverfolgen lässt. Darüber hinaus müssen die Vorschriften des Hundeverbringungsgesetzes konsequente Anwendung im Vollzug finden. Eine weitere flankierende Maßnahme zur Eindämmung des illegalen Welpenhandels ist die Einführung des Hundeführerscheins. Dieser Nachweis würde verhindern, dass man mit wenigen Klicks einen Welpen aus dem Internet erwerben kann.“

Nadine Götzen, Geschäftsleitung edogs: „Als Online-Plattform steht für uns eine 100% seriöse Vermittlung von Tieren an erster Stelle. Der heutige Termin hat den dringenden Handlungsbedarf in Richtung einer gesetzlichen Regelung noch einmal deutlich unterstrichen. Wir fordern eine zeitnahe Verifizierungspflicht für gehandelte Tiere. Unserer Meinung nach stellt gerade eine konsequent betriebene, transparente Online-Plattform eine Chance dar, mit einer entsprechenden Gesetzesgrundlage lediglich registrierte Tiere sowie verifizierte AnbieterInnen zuzulassen. Aber auch ohne die Unterstützung durch die Bundesministerin werden wir diesen Weg konsequent weiterverfolgen und im Sinne der Tiere handeln.“

Das grausame Geschäft des illegalen Welpenhandels

Seit Jahren nutzen Kriminelle vor allem Online-Plattformen und soziale Medien, um anonym kranke, viel zu junge und traumatisierte Tiere äußerst gewinnbringend zu verkaufen. Allen voran Hunde-Welpen aus Osteuropa. Die Tiere werden unter grausamen Bedingungen produziert: Sie werden in dreckigen Verschlägen und Kellern geboren, bekommen keine Impfungen oder Zuneigung und müssen dann in engen Käfigen den Transport quer durch Europa ertragen. Viele dieser so genannten „Kofferraum-Welpen“ sterben nach nur wenigen Tagen oder Stunden bei ihren neuen BesitzerInnen. Die Corona-Krise und das damit verbundene riesige Interesse nach Heimtieren lässt den illegalen Welpenhandel mehr denn je boomen. Schon vor der Krise konnte der Bedarf an Welpen nicht durch seriöse Angebote gedeckt werden. Nun ist die Nachfrage so hoch wie nie.

Weitere Informationen zu diesem Thema findest Du in unserem Artikel Illegaler Welpenhandel – Das hat es mit Kofferraum-Welpen auf sich.

Die VIER PFOTEN Vergleichsanalyse zum illegalen Welpenhandel auf Online-Plattformen in Zeiten von Corona findest Du hier zum herunterladen.

Schon mehr als 97.000 Menschen fordern die Bundesregierung dazu auf, den illegalen Welpenhandel zu stoppen. Unterzeichne die Petition von VIER PFOTEN hier.

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