Brandlbracke

Die Brandlbracke wird in ihrer Heimat Österreich liebevoll „Vieräugl“ genannt, denn die beiden rotbraunen Flecken über den Augen wirken wie zwei zusätzliche Augen. Die Rasse ist selten und kaum bekannt, doch bei Förstern und Jägern gelten sie als Geheimtipp und die Nachfrage steigt stetig. In Deutschland und Österreich werden jedes Jahr rund 220 Welpen geboren, was die Nachfrage inzwischen kaum decken kann. Bei der FCI wird die Brandlbracke unter der Nummer 63, in der Gruppe 6, Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen, Sektion 1.2, mittelgroße Laufhunde, mit Arbeitsprüfung (Brackier- und Schweißprüfung), geführt. Sie ist auch unter den Namen Kärntner Bracke und österreichische glatthaarige Bracke bekannt.

Brandlbracke im Steckbrief

Steckbrief
Größe: 48-56 cm
Gewicht: 16-27 kg
FCI-Gruppe: 6: Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen
Sektion: 1.2: Mittelgroße Laufhunde
Herkunftsland: Österreich
Farben: Schwarz-Hellgelb, Schwarz-Braun, Schwarz-rötlichbraun
Lebenserwartung: 12-14 Jahre
Geeignet als: Jagdhund
Sportarten:
Charakter: Gutmütig, Scharf, Elegant, Angenehm
Auslaufbedürfnisse: eher hoch
Sabber-Potential
Stärke des Haarens
Pflegeaufwand: eher gering
Fellstruktur: fest anliegend, dicht, voll, elastisch
Kinderfreundlich: mittel
Familienhund: mittel
Sozial:

Herkunft und Rassegeschichte

Die Geschichte der Bracken geht bis in die Antike zurück. Für die Jäger der Vorzeit waren Hunde mit einem gut ausgebildeten Geruchs- und Spürsinn essentiell und ein gut ausgebildeter Jagdhund konnte bei den Germanen wertvoller als ein Pferd sein. Die Hunde wurden entsprechend gezüchtet. Zu den Vorfahren der Brandlbracke zählen die keltischen Bracken, die sich in der Zeit der Völkerwanderung weit verbreiteten. Während des Mittelalters und der frühen Neuzeit jagten Adelige und Könige zum Zeitvertreib. Die Zucht der Bracken wurde fortgesetzt und spezialisiert. Die Jagdhunde, die ihre Herren im Gebirge begleiteten, mussten andere Voraussetzungen mitbringen als Jagdhunde in den Mittelgebirgen, im Flachland oder gar in seereichen Gebieten und am Meer.

Brandlbracke im Rasseportrait
Brandlbracke

Die Brandlbracke ist ein typischer Jagdhund für die Berge, der gut mit steilen Abhängen, Stein und Geröll zurecht kommt. Bereits im frühen Mittelalter waren Rassen wie der Wildbodenhund und die Alpenbracke in den Alpen bekannt. Die Kreuzzüge trugen dazu bei, dass sich diese Rassen weiter verbreiteten. Überlieferungen zufolge ging Kaiser Maximilian im frühen 16. Jahrhundert mit diesen Wildbodenhunden auf die Jagd. Sie werden als dreifarbig beschrieben: schwarz-rot mit weißem Brustlatz. Auch die Alpenbracken werden als schwarz-rot mit weißen Stiefeln und weißem Halsring beschrieben, etwas, was schon für die Urbracken charakteristisch war. Sie können daher als direkte Vorfahren der Brandlbracke angesehen werden.

Im 19. Jahrhundert jedoch kamen die Delegierten der Delegiertenkommission zu dem Schluss, dass nur schwarz-rote Bracken zur Zucht zugelassen werden sollten. 1883 wurden in Österreich die Rassekennzeichen durch diese Kommission festgelegt. Alle Bracken mit weißen Abzeichen wurden aus der Zucht aussortiert. 1884 wurde die Rasse in das Hundezuchtbuch in Österreich eingetragen. Der erste Verein, der sich mit der Brandlbrackenzucht beschäftigte, war der 1896 gegründete österreichische Brackenclub, der sich aber wieder auflöste.
Brandlbracken wurden aber trotz ihrer langen Geschichte erst 1996 von der FCI als Rasse anerkannt.

Wesen & Charakter der Brandlbracke

Brandlbracken haben ein ruhiges Temperament und sind lernwillig. Sie sind sanftmütig, kinderlieb und benötigen unabdinglich Familienanschluss. Doch sie sind auch hochintelligent, aufgeweckt und haben einen außergewöhnlich guten Orientierungssinn. Sie können als Schweißhund ausdauernd einer Spur folgen und im Extremfall Strecken bis zu 150 Kilometern zurücklegen. Meist sind sie dabei sehr lautstark, ihr Gebell bei der Spurverfolgung und dem Treiben des Wildes ist charakteristisch. Hunde der Rasse haben einen ausgeprägten Jagdinstinkt und brauchen eine klare Führung. Doch die Brandlbracke ist auch sehr selbständig und sie sieht das Verhältnis zu ihrem Herrchen weniger als Hierarchie, sondern setzt auf kameradschaftliche Zusammenarbeit. Das sollte man im Umgang mit dieser Rasse bedenken.

Als Hund der Alpen finden sie sich auch in unwegsamem, steinigem und steilem Gelände zurecht und Regen, Schnee und Sturm können sie gut ertragen. Um ausgeglichen zu bleiben, benötigt der Hund eine Aufgabe, die ihn fordert und seinen Fähigkeiten entspricht.

Auch mit anderen Hunden ist die Brandlbracke meist gut verträglich. Lediglich mit Geschlechtsgenossen kann es ab und an zu Rangeleien kommen. Mit Katzen und Kleintieren ist die Brandlbracke aufgrund des Jagdtriebs in der Regel nicht verträglich. Doch es kann durchaus vorkommen, dass sie die Nachbarskatze jagt, die Familienkatze jedoch als Rudelmitglied anerkennt und mit ihr kuschelt.

Wie alt wird eine Brandlbracke?

Eine Brandlbracke kann zwischen zehn und zwölf Jahre alt werden.

Aussehen der Brandlbracke

Brandlbracken sind mittelgroße, schlanke Hunde. Rüden werden mit einer Schulterhöhe von 50 bis 56 Zentimetern nur wenig größer als Hündinnen, die eine Schulterhöhe von 48 bis 54 Zentimeter erreichen. Das Idealgewicht einer Brandlbracke beträgt 20 bis 22 Kilogramm. Die Grundfarbe ihres kurzen, dichten Fells ist schwarz mit einem leichten seidigen Glanz.

Brandlbracke im Rasseportrait
Brandlbracken sind wahrlich schöne Hunde.

Typisch für die Rasse sind die braunen Abzeichen, der sogenannte Brand. Die Abzeichen, die hell- bis dunkelbraun gefärbt sein können, befinden sich an der Brust, an der Rute, an den Beinen oder im Gesicht. Von diesen scharf abgesetzten braunen Flecken haben die Brandlbracken ihren Namen bekommen. Charakteristisch sind auch die beiden rotbraunen Flecken über den Augen. Der Körperbau der Brandlbracke ist schlank und muskulös mit breiter Brust. Er wirkt rechteckig. Der Kopf ist breit mit einer spitz zulaufenden Schnauze. Brandlbracken haben Schlappohren und braune Augen.

Wie groß wird eine Brandlbracke?

Rüden werden in der Regel zwischen 50 und 55 Zentimeter groß, Hündinnen zwischen 48 und 54 Zentimeter.

Erziehung & Haltung der Brandlbracke – Das gilt es zu beachten

Brandlbracken sind lernwillig und lassen sich grundsätzlich leicht erziehen. Sie sind jedoch Arbeitstiere, Jagdhelfer, die beschäftigt werden müssen. Am wohlsten fühlen sie sich daher, wenn sie mit auf die Jagd gehen dürfen und als Jagdhund erzogen werden – mit Spuren- und Beutesuche, Fährtenarbeit und Brackieren, dem Treiben des Wildes. Dabei sind Brandlbracken selbständig denkende Hunde und keine reinen Befehlsempfänger, auch das sollte man bei der Erziehung beachten. Brandlbracken sind sanfter und sensibler als es auf den ersten Blick den Anschein hat, daher sollte man einen zu scharfen Kommandoton vermeiden.

Für eine Wohnungshaltung in der Großstadt sind Brandlbracken nicht geeignet. Das beste Zuhause für sie ist ein Haus mit gesichertem Garten auf dem Land, in dem sie mit der ganzen Familie leben können. Für Zwingerhaltung sind sie ausdrücklich nicht geeignet und ein verantwortungsvoller Züchter wird einen Welpen nicht an ein solches zukünftiges Zuhause abgeben.

Was kostet eine Brandlbracke?

Brandlbracken sollte man nur bei seriösen Züchtern kaufen. Man muss dabei mit Kosten von rund 1.200,00 Euro oder mehr rechnen.

Ernährung der Brandlbracke

Brandlbracken sind ausdauernde Arbeitstiere und wollen und müssen gefordert werden. Daher benötigen sie energiereiche Nahrung mit einem ausgewogenen Anteil an Fett und Eiweiß. Die Hauptmahlzeit sollte am Abend, nach getaner Arbeit, erfolgen, damit der Hund danach satt und zufrieden den Feierabend genießen kann. Während des Tages und der Arbeit sollten nur kleine Mahlzeiten gegeben werden. Ansonsten haben Brandlbracken keine großen Ansprüche an ihre Nahrung. Sinnvoll ist es, bei einem Welpenkauf Rücksprache mit dem Züchter zu halten, da die Welpen an ein bestimmtes Futter gewöhnt sind, das man zumindest in der ersten Zeit füttern sollte.

Brandlbracken lassen sich auch gut barfen. Diese Ernährungsform setzt darauf, dass die Hunde nur rohes Fleisch und kleine Mengen an Obst und Gemüse als Futter bekommen, wie es der ursprünglichen Ernährung ihrer Vorfahren und Verwandten entspricht. Das Obst und Gemüse spiegelt dabei den Mageninhalt der Beutetiere wieder. Barfen ist eine gute Alternative zu Fertigfutter. Es ist kostengünstig und dadurch, dass das Futter selbst zusammengestellt wird, sind auch keine unerwünschten Zusätze in der Nahrung des Hundes enthalten.

Wichtig ist aber vor allem, dass die Brandlbracken viel trinken. Spätestens alle zwei Stunden sollten die Hunde die Gelegenheit dazu haben.

Wie viele Welpen bekommt eine Brandlbracke?

Im Durchschnitt bekommt eine Brandlbracken-Hündin fünf Welpen.

Gesundheit – Lebenserwartung & häufige Krankheiten

Brandlbracken sind ausgesprochen gesunde und widerstandsfähige Tiere. Rassetypische Krankheiten sind nicht bekannt. Die Hunde erfreuen sich in der Regel 10 bis 14 Jahre bester Gesundheit. Dennoch sollte man, wie mit anderen Hunden auch, mindestens einmal im Jahr beim Tierarzt vorstellig werden, um einen Check-up durchzuführen und die nötigen Impfungen zu geben, damit der Hund weiterhin gesund bleibt. Und man muss auch bei einer gesunden, trittsicheren Brandlbracke immer damit rechnen, dass sie bei einem Unfall verletzt wird und die Tierarztkosten mehrere tausend Euro betragen können.

Pflege der Brandlbracke

Brandlbracken sind sehr pflegeleicht. Den Hunden muss nur ab und an durch das kurze Fell gebürstet werden. Besondere Aufmerksamkeit muss man den Ohren schenken. Unter den Hängeohren kann sich schnell Schmutz ansammeln. Wird dieser nicht regelmäßig entfernt, können sich die Ohren leicht entzünden.

Wie pflegt man eine Brandlbracke?

In der Regel sind Brandlbracken pflegeleicht. Es reicht wenn das Fell regelmäßig gebürstet wird. Besondere Aufmerksamkeit benötigen allerdings die Ohren. Unter den Schlappohren kann sich leicht Schmutz ansammeln.

Brandlbracke – Aktivitäten und Training

Brandlbracken sind aktive Hunde, die für die Jagd gezüchtet wurden. Und als Jagdhunde sind sie Experten und werden auch nur dabei glücklich werden. Insbesondere bei der Fährtensuche und der Nachsuche sind sie Spezialisten ohnegleichen.

Brandlbracke im Rasseportrait
Brandlbracken gelten als sehr aktive Hunde

Dabei verstehen sie sich nicht nur auf die Fuchs- und Hasenjagd sondern können auch bei der Jagd von Schwarzwild zum Einsatz kommen. Sie brauchen Beschäftigung und eine Aufgabe, denn ohne ihren Beruf werden sie unausgeglichen. Oftmals treten dann Verhaltensstörungen auf. Wirklich ausgelastet werden sie nur auf der Jagd.

Als weitere Aufgabe kommt allenfalls Mantrailing in Betracht. Hier kann den Hunden als Suchhund in gebirgigem Gelände eine besondere Aufgabe zukommen.

Gut zu wissen: Besonderheiten der Brandlbracke

Brandlbracken mögen nicht so bekannt sein wie andere Hunde, doch bei Jägern und Förstern sind sie aufgrund ihrer robusten Art und ihrer Eigenschaften zunehmend beliebter. Ihre beiden wie zusätzliche Augen wirkenden Flecken über den eigentlichen Augen geben ihnen ein mystisches Aussehen. Und in der Tat sind vieräugige Hunde in der Mystik verbreitet und die Flecken sollten nach altem Glauben gegen böse Geister schützen. Auch später galten die „Vieräugl“ als besonders wertvoll und sie wurden bewusst gezüchtet. Bei der Namensnennung kann es leicht zu Verwirrung kommen, denn sowohl die Brandlbracke als auch die Tiroler Bracke können „Österreichische glatthaarige Bracke“ genannt werden.

Nachteile der Brandlbracke

Die einen werden es als großen Vorteil der Rasse ansehen, für andere ist es ein Nachteil: Brandlbracken müssen beschäftigt werden. Und das regelmäßig und ausdauernd. Auch lange Spaziergänge mit einer Brandlbracke reichen nicht aus, um sie genügend zu beschäftigen. Sie brauchen Arbeit, die sie fordert, um ihr ausgeglichenes Wesen behalten zu können. Sie wurden für die Jagd und für die Spurensuche gezüchtet und genau das wollen sie tun. Darum sind sie bei Jägern am besten aufgehoben.

Brandlbracken lieben es, draußen zu sein. Und dabei ist ihnen Wind und Wetter egal. Sie benötigen auch bei eisigen Temperaturen und Schneefall ihre Spaziergänge und gegebenenfalls ihren Zugang zum Garten. Mit einer Brandlbracke als Haustier muss man sich darauf einrichten, dass auch im tiefsten Winter die Tür zum Garten offensteht, weil der Hund wieder einmal durch den Schnee toben möchte. Abhilfe kann man hierbei aber mit einer isolierten Hundetür schaffen.

Und so kinderfreundlich Brandlbracken auch sind: Sie brauchen einen ruhigen Ort, an den sie sich auch einmal zurückziehen und ungestört ausruhen können. Denn bei all ihrer Jagdleidenschaft und Robustheit steckt in ihnen auch ein Sensibelchen.

Passt die Brandlbracke zu mir?

Die Brandlbracke wirkt auf den ersten Blick wie der ideale Familienhund. Doch das ist die Brandlbracke keinesfalls. Auch wenn die Hunderasse freundlich ist und die Kinder seines Herrchens beschützt, solltest Du immer ein Auge darauf haben, wenn die Kinder mit dem Hund spielen. Für Familien mit Kleinkindern, die noch nicht verstehen, dass der Hund auch seine Ruhepausen braucht und sich zurückziehen möchte, ist eine Brandlbracke nicht geeignet. Er sollte nur in hundeerfahrene Hände.
Brandlbracke im Rasseportrait
Brandlbracken brauchen erfahrene Besitzer.

Ehe Du über die Anschaffung einer Brandlbracke nachdenkst, solltest du sicher sein, dass Du den Vierbeiner auch auslasten kannst. Das geht am besten, wenn Du selbst ein Förster oder Jäger bist oder regelmäßig an Jagden teilnehmen kannst. Eine Alternative wäre noch, dass Du regelmäßig, möglichst mehrmals pro Woche, an Mantrailing-Übungen teilnimmst.

Außerdem solltest Du in einem Haus mit Garten wohnen und Deiner Brandlbracke den Familienanschluss gewähren, den sie braucht. Du solltest Deinem Hund die Möglichkeit bieten können, jederzeit in den Garten zu können. Im Grunde eignet sich die Brandlbracke aber nur als Jagdhund und in Deutschland werden die Welpen von ihren Züchtern grundsätzlich nur an Jäger und Förster abgegeben. Erwachsene Hunde suchen selten ein neues Zuhause. Und auch hier ist die Nachfrage unter den Jägern groß und wächst ständig.

Nicola

Nicola

In meiner Freizeit fotografiere ich Hunde für mein Leben gern. Meistens geraten mir die edogs Bürohunde vor die Linse.

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